Minimaler Anstieg der Fallzahlen: Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für Delmenhorst

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Am Donnerstag wurden in der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch in der Marktstraße in Delmenhorst die aktuellen Zahlen der Kriminalitätstatistik präsentiert. Das Fazit: Die Zahlen sind leicht nach oben gegangen, aber Delmenhorst nach wie vor ein sicherer Ort.

„Wir befinden uns in einem sicheren Raum“, sagt Wilfried Grieme, Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch einleitend. Kriminalität werde sich in einer freiheitlichen Gesellschaft nie völlig eindämmen lassen. Auch wenn es in den vergangenen Monaten einige spektakuläre medienwirksame Fälle in der Region gab: Objektiv sei eine stärkere Gefährdung nicht nachweisbar. „Subjektives Empfinden ist etwas anderes“, so Grieme. Die Gesamtzahl der Straftaten im Stadtgebiet veränderte sich von 5.203 (2022) auf 5.619 im Jahr 2023. Dieser Wert liegt unter den Werten der Vor-Corona-Jahre seit 2014, die mit Ausnahme von 2019 (5.352) alle über 6.000 gelegen hatten.

Leicht gestiegene Häufigkeitszahl

Eine wichtige Zahl im Rahmen der Kriminalstatistik ist die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie gibt an, wie viele Kriminalfälle es pro 100.000 Einwohner gibt. Die Zahl gilt als eine Art Gradmesser, wie sicher eine Kommune ist. Je niedriger diese Zahl ist, umso besser. Die Häufigkeitszahl in Delmenhorst für das Jahr 2023 liegt bei 7.168, im Vorjahr hatte sie noch bei 6.712 gelegen. Der Durchschnitt der kreisfreien Städte liegt allerdings bei 8.903, also drüber. In den niedersächsischen Landkreisen liegt der Schnitt bei 5.559, der Landkreis Oldenburg kommt auf einen Wert von 4.277. Die Aufklärungsquote lag in Delmenhorst bei 60,22 Prozent, in der gesamten Polizeiinspektion, also einschließlich des Landkreises Oldenburg und der Wesermarsch, liegt er bei 64,01 Prozent. „Damit bin ich sehr zufrieden“, sagt PI-Leiter Wilfried Grieme.

Gewalt gegen Polizisten

Nicht zufrieden ist Grieme, dass seine Mitarbeiter nach wie vor Opfer von Gewalt werden. Die Zahl der Gewalttaten gegen polizeiliche Einsatzkräfte ist 2023 zurückgegangen auf 107 Taten, 115 Taten waren es in Delmenhorst im Jahr 2022. Allerdings stieg die Zahl der Opfer von 247 auf 295. Als Beispiel für eine solche Tat nannte Polizeichef Wilfried Grieme einen Fall vom Juli 2023. Damals hatte ein 55-jähriger Delmenhorster, der so stark alkoholisiert war, dass er nicht mehr „wegefähig“ war, wie es in der Beamtensprache heißt, also geschützt werden musste, zunächst einen Polizisten bespuckt und anschließend einem anderen Kollegen gegen den Oberkörper getreten. „Wenn aus Helfern Opfer werden, ist das moralisch verwerflich“, so Grieme. Die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit sei ein Eckpfeiler der Demokratie.

Acht Tötungsdelikte in Delmenhorst

Im Jahr 2023 gab es in Delmenhorst acht Straftaten gegen das Leben, 2022 waren es fünf. Alle diese Taten wurden aufgeklärt. In den allermeisten Fällen besteht bei derartigen Taten eine Beziehung zwischen dem Täter und dem Opfer, so auch hier. „Es waren Beziehungstaten“, sagt Oliver Lenz, Leiter des zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion über die Zahlen. Entsprechend brauchten sich Unbeteiligte nicht zu fürchten, selbst Opfer eines lebensgefährlichen Angriffs zu werden. „Die Menschen brauchen keine Angst haben durch die Stadt zu gehen“, so Lenz.

Rohheitsdelikte – leicht gestiegene Fallzahl – geänderte gesetzliche Grundlage

Die Fallzahl der Rohheitsdelikte in Delmenhorst liegt bei 780 im Jahr 2023. Darunter fallen etwa Raubdelikte, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung und Stalking. Ein Jahr zuvor lag die Fallzahl noch bei 709.  Allerdings ist seit April 2021 der Begriff Bedrohung weiter gefasst. Durch eine Neufassung von §241 StGB fällt auch die Ankündigung einer Tat gegen die körperliche Unversehrtheit darunter. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt bei 90,13 Prozent.

Mehr Messerangriffe

Seit 2021 wird in der Statistik auch der Einsatz von Messern bei Straftaten erfasst. Unter den Begriff „Messeangriffe“ fallen vor allem Straftaten gegen das Leben, Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, bei denen der Einsatz eines Messers mindestens angedroht wurde. 2023 sind in Delmenhorst 39 Messerangriffe bekannt geworden, 2022 waren es noch 20. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich stieg von 70 auf 82 Prozent.

Problemfeld Gewalt gegen Frauen

Nach wie vor ein großes Problem für die Polizei ist die häusliche Gewalt, die sich in den meisten Fällen gegen Frauen richtet. Auch hier kam es 2021 zu einer Definitionserweiterung. So ist seit 2021 kein gemeinsamer Haushalt mehr für diesen Tatbestand erforderlich, zudem zählen dazu nun auch Taten, wenn sie von entfernteren Verwandten, etwa einem Cousin, verübt werden. Grieme begrüßt die erfolgte Definitionserweiterung. Manchen Tötungsdelikten gehe zunächst häusliche Gewalt voraus.

Für die Polizei sei es demnach eine Handlungsverpflichtung, solche Taten frühzeitig zu erkennen, um den Kreislauf zu durchbrechen. Doch das sei mitunter gar nicht so einfach. Bei Frauen mit Migrationshintergrund sei es keine Seltenheit, dass sie den Kontakt zu ihrem Peiniger weiterhin hielten oder gar zu ihm zurückkehrten.

Die Fallzahlen im Deliktbereich Häusliche Gewalt in Delmenhorst stiegen von 238 im Jahr 2022 auf 325 im Jahr 2023. „Das Dunkelfeld ist groß, wir sehen nur das Hellfeld“, sagt Oliver Lenz. Von daher sieht er die gestiegenen dokumentierten Fallzahlen trotz aller Betroffenheit als ein positives Zeichen. „Es ist ein Erfolg, dass mehr Anzeigen erstattet werden. Diese Gewalt findet hinter geschlossenen Türen statt.“

Es ist ein Thema, das auch Nils Wiebusch, Leiter des Polizeikommissariats in Wildeshausen, sehr am Herzen liegt: „Häusliche Gewalt ist ein sehr verwerfliches Delikt“, sagt Wiebusch. Dabei werde in die Privat- und Intimsphäre der Frauen eingedrungen. „Für die Frauen gibt es keinen Schutzraum mehr.“ Um gegen häusliche Gewalt vorzugehen, sagt Wiebusch – und diese Ansicht teilen auch seine Kollegen, sei die gesamte Gesellschaft gefragt.

Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Delmenhorst ging 2023 zurück. Statt 86 Fälle im Jahr 2022 gab es 2023 62 Fälle. Die Zahl der aufgeklärten Fälle stieg von 11,63 Prozent auf 17,74 Prozent. Die Zahl der gescheiterten Einbruchsversuche lag bei 45,16 Prozent, 2022 bei 55,81 Prozent.

Gesunkene Konfliktlösungskompetenz

Die Fallzahl der Kinder- und Jugendkriminalität ist in Delmenhorst von 391 auf 390 Fällen gesunken. Im Zehnjahresvergleich waren lediglich die Werte in den Jahren 2014 und 2018 höher. Derweil stieg im Landkreis Oldenburg die Zahl von 339 auf 469 Fälle, der zweithöchste Wert seit 2017. Die Zahl der Nötigungen durch Kinder im Landkreis sei von 14 auf 26 Fälle gestiegen, sagt Wiebusch. „Die Konfliktlösungskompetenzen haben abgenommen“, ist er überzeugt. Auch Social Media habe Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Allerdings dürfe man nicht eine ganze Generation stigmatisieren.

 

 

Bild oben: Sie setzen sich mit ihren Kollegen für Delmenhorst, den Landkreis Oldenburg und die Wesermarsch als sicheren Raum ein: Polizeichef Wilfried Grieme (Mitte) mit Oliver Lenz (re.), Leiter des zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion und Nils Wiebusch, Leiter des Polizeikommissariats in Wildeshausen (li.).

 

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