Brückenstreit im Tiergarten – Christian Marbach kritisiert die Verwaltung

05. 02. 2020 um 13:03:33 Uhr | DelmeNews-Redaktion
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
fotoboxen-bremen.de

Seit 2018 sind zwei Brücken im Tiergarten gesperrt, da diese erneuert werden müssen. Die Stahlträger rosten und weisen Löcher auf, das Holz ist vermodert. Anwohner Christian Marbach initiierte inzwischen eine kurzfristige Zwischenlösung und bemängelt, dass auch eine dritte Brücke noch getauscht werden müsste. Von der Stadtverwaltung zeigt er sich enttäuscht.

Lange Zeit habe die Stadt nicht auf seine Vorschläge reagiert, sagt Christian Marbach, der als Sprecher der Opfer von Niels Högel bekannt wurde und nahe des Tiergartens in Elmeloh wohnt. Ihm erschien es unerklärlich, dass es für die seit 2018 gesperrten Bauwerke keinen Ersatz gab. Deshalb begab er sich selbst auf die Suche und fand eine Zwischenlösung in Form von Behelfsbrücken, konstruiert aus dem sogenannten Einsatz-Gerüst-System des Technischen Hilfswerks. Diese Lösung wurde nach einigem Hin und Her mit der Stadtverwaltung Ende Januar durch das THW realisiert.

Marbach engagiert sich ehrenamtlich, weil „ ich die Lügen der Politik nicht mehr ertrage“, wie er sagt. Seinen Vorschlag zu den übergangsweisen Ersatzbrücken hatte er Oberbürgermeister Axel Jahnz unterbreitet und darauf gehofft, die Stadt schnell zum Handeln bewegen zu können. Doch lediglich Ratsfrau Bettina Oestermann (SPD) habe sich seinem Anliegen angenommen. „Der Rest kümmert sich nicht darum“, kritisiert Marbach. „Bereits 2018 hatte Herr Isenberg vom THW Delmenhorst der Stadt kostenlose Behelfsbrücken angeboten. Doch die Stadt habe das abgelehnt“, wundert sich Marbach.

Drei statt zwei Brücken erneuerungswürdig?

Mit einem Bahningenieur begutachtete der engagierte Bürger zudem auf Eigeninitiative kürzlich die maroden Tiergartenbrücken. Dabei stellten sie fest, dass eine weitere Brücke durchgerostet sei, somit müssten laut Marbach also nicht nur zwei, sondern insgesamt drei Tiergartenbrücken erneuert werden müssten. „Das ist doch Stahl, so was rostet nicht so leicht“, meint Marbach. „Die Bohlenauflage sei vermodert, wackelt und ist teilweise nicht mehr auf den Brückenträgern befestigt.“

Marbach kritisiert die Höhe der Kosten

Die Stadt hatte die Kosten für die Erneuerung von zwei Brücken auf 110.000 Euro geschätzt. „Ich habe diesen sehr hohen Betrag zum Anlass genommen, überregional nach vergleichbaren Lösungen zu suchen und habe mich mit der Verwaltungsleitung einer Stadt in Verbindung gesetzt, die absolut identische Brücken gekauft und gebaut hat. Diese Brücken kosteten statt der von Ihnen eingeplanten Summe von 55.000 Euro je Brücke nur 10.000 bis 15.000 je Brücke“, schrieb Marbach in einem Brief an Axel Jahnz. Die ausführende Fachfirma dazu sei der Marktführer für solche kommunalen Holzbrücken und komme aus Niedersachsen, so Marbach.

Er ist zudem darüber verärgert, dass er nicht über die Errichtung der von ihm vorgeschlagenen THW-Behelfsbrücken informiert wurde  . Er ärgert sich auch, dass Axel Jahnz und seine Mitarbeiter der Presse mitteilten, dass diese Brücken vor der Errichtung erst vom Rat hätten beschlossen werden müssten, was nach Ansicht von Christian Marbach nicht stimmt: „Das muss nicht erst vom Rat beschlossen werden… im Leben nicht!“, ärgert er sich. In seinen Augen nehme der Rat seine Kontrollfunktion nicht wahr. „Da ist man als Bürger gefragt! Ich möchte eine schnelle und bezahlbare Lösung“, fordert Marbach von der Politik, schließlich sei der Brückenbau auch bei einer Überflutung sinnvoll. Dennoch sei er froh, dass die vom THW montierten und von der Stadt Delmenhorst bezahlten übergangsweisen Stahlbrücken nun stehen.

Vorwurf: Stadt lässt Fördergelder verstreichen

Die Stadt habe die Chance auf Fördergelder verstreichen lassen. „Fördermittel sind möglich, aber darum hat sich die Stadt nicht gekümmert“, kritisiert Marbach. Auf Nachfrage bei der Stadt Delmenhorst zur verzögerten Errichtung der provisorischen Brücken erklärt Pressesprecher Timo Frers: „Der Rat der Stadt Delmenhorst musste der Ausgabe für die Behelfsbrücken seine Zustimmung erteilen. Um nicht gegen das Haushaltsrecht zu verstoßen, waren den städtischen Mitarbeitern die Hände gebunden. Kurz vor Weihnachten wurde dann die Bereitstellung der für die Beschaffung der Brücken notwendige Mittel vom Rat der Stadt Delmenhorst beschlossen“. Die Stadtverwaltung habe, laut Frers, am siebten Januar das Angebot für den Brückenkauf erhalten. Einen Tag später begann die Baubeauftragung. „Nach Informationen der Stadt wurde das Material bereits eine Woche später geliefert, sodass das THW die Brücken am 26. Januar (wie berichtet) aufstellen konnte. Ferner ist auch die dwfg in die Zuständigkeit eingebunden. Der Tiergarten gehört den Landesforsten und ist der Stadt übertragen worden“, sagt Frers. Damit gibt sich Marbach nicht zufrieden. „Erstmal haben wir eine Lösung. Aber wie das abgelaufen ist, war falsch. Ich mache die Hausaufgaben für Axel Jahnz“, ist er überzeugt.

 

Seit Ende Januar gibt es zwei Behelfsbrücken im Tiergarten.



Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung



Kommentar schreiben




Ihre Kommentare