Integrationszentrum scheitert am Einzelhandel – Politik beharrt auf Einhaltung

11. 04. 2018 um 09:12:09 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Es war ein Anliegen, dass alle Beteiligten zufriedenstellen sollte: Die Errichtung eines Integrations- und Gemeindezentrums durch den Integrations- und Bildungsverein (DIBV) auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände zwischen Stadthofstraße und der Nordenhamer Straße. Doch die Politik lehnte den Antrag gestern (10. April) im Bauausschuss ab. Dabei war das geplante Zentrum gar nicht Stein des Anstoßes, sondern dessen Partner.
 
Um den Bau realisieren zu können, hatte der Verein mit Rossmann einen Mieter für das Erdgeschoss mit ins Boot geholt. Durch die Mieteinnahmen, die eine neue Filiale im Erdgeschoss des Neubaus generiert hätte, wollte der DIBV Schulungs- und Seminarräume im Obergeschoss finanzieren.
 

Verwaltung gegen Einzelhandel im Neubau

Und genau dieses Doppelkonzept stieß der Verwaltung sauer auf. Denn auf der anderen Seite der Nordenhamer Straße gibt es im Nahversorgungszentrums „Bremer Straße/Syker Straße“ bereits mehrere Geschäfte, darunter einen Supermarkt. Eine Ausweitung des Gebiets über die Straße mit der neuen Rossmann-Filiale hätte den Festlegungen im Einzelhandelskonzept der Stadt widersprochen. Dieses war letztes Jahr erneuert worden und soll verhindern, dass sich außerhalb der Innenstadt zu viele Geschäfte ansiedeln – und damit die Innenstadt-Leerstände ansteigen.
 

Projekt mit vielen Vorteilen beworben

Dabei hätte die neue Filiale mit einer Verkaufsfläche von 750 Quadratmetern nach Auskunft von Rossmann keine bestehende Filiale ersetzt. Vielmehr sei auch nach deren Eröffnung noch eine Erweiterung am Innenstadt-Standort denkbar gewesen. Zudem wollte die Handelskette 15 bis 20 neue Mitarbeiter einstellen. “Ich versichere Ihnen, dass die Stadt dadurch keine Nachteile haben wird”, meinte Yusuf Alic vom DIBV. Auch wolle der Verein kein Geld von der Stadt erhalten.
 
Die Räume im Obergeschoss wollte sein Verein auch nutzen, um eigene, deutschsprachige Imame auszubilden. Die bisherigen Imame in Delmenhorst sprächen laut Alic kein Deutsch. Ihm war es wichtig, zu erklären, dass Delmenhorst und Deutschland heute die Heimat der Vereinsmitglieder seien. “Ich weiß nicht, wie lange wir noch warten müssen, bis wir bei ihnen ankommen”, meinte Alic zu den Ausschussmitgliedern. “Bitte legen sie uns keine Steine in den Weg.”
 

Jüdischer Gemeindesprecher auch für Vorhaben

Auch Pedro Benjamin Becerra, Sprecher der jüdischen Gemeinde der Stadt, sprach sich für das Projekt aus: “Hier geht um etwas Wichtiges: um Integration.” Die Stadt könne in diesem Fall eine Ausnahme vom Einzelhandelskonzept machen oder Kompromissvorschläge einbringen. Die Chance auf Integration, die das Projekt böte, solle die Stadt nicht fallen lassen.
 

Stadt bleibt bei Ablehnung

Trotz dieser Argumente konnte oder wollte die Stadt nicht über ihren eigenen Schatten springen. Das Argument, dass in Falle eines bereits bestehenden Penny-Marktes am Hasporter Damm neben dem Stadion eine Erweiterung – und somit mehr Einzelhandel außerhalb der Innenstadt – genehmigt worden war, ließ die Verwaltung nicht gelten. Die Erweiterung sei auf einem Nahversorgungsgebiet genehmigt worden.
 

 
Laut Stadtbaurätin Urban sei eine so große Änderung des Einzelhandelskonzeptes wie in diesem Fall nicht möglich, das Konzept Grundlage von Planungen und bei Klagen wichtig. Zudem fürchtete sie die zusätzlich Verkehrsbelastung vor Ort, da dort bereits viel Verkehr unterwegs sei. “Die Angebote des DIBV stehen nicht zur Frage”, stellte sie klar.
 
Von den anwesenden Politikern sprach sich nur Murat Kalmis (FDP) für das Projekt aus: “Das ist ein hervorragender Schritt.” Dem widersprach Eva Sassen (Bürgerforum). Im Bauausschuss gehe es nicht um Integration. Rossmann habe kein Argument gegen die Verwaltungsbedenken vorgebracht. So stimmten am Ende alle Politiker außer Kalmis gegen den Antrag des DIBV.
 
Foto Mitte: Murat Kalmis (FDP) sprach sich für das Bauprojekt aus.
 





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