Stadt verbietet Drohnenfliegern Nutzung der Graft – Beschwerde wegen Lärm

13. 04. 2017 um 13:40:26 Uhr | DelmeNews-Redaktion

Die Stadt hat den Drohnenfliegern verboten, ihre Fluggeräte weiter in der Graft fliegen zu lassen. Neben einer Beschwerde wegen Lärmbelästigung gab es von Seiten der Stadt noch andere Gründe.
 
Eine Person hatte sich über den Lärm beschwert, den die Drohnen von sich geben. Der Lärmpegel entspricht etwa einem Rasentrimmer. Zudem gilt seit dem 7. April die neue Luftfahrtverordnung, die das Überfliegen von Landschaftsschutzgebieten wie den Graftwiesen nicht verbietet, aber teilweise an eine Erlaubnis knüpft. Damit sind die Treffen von FpvMars – abgekürzt für First Person View Multirotor Air Race Strecke, also eine Rennstrecke für Drohnen – und neugieriger Besucher mit bis zu 30 Teilnehmern in der warmen Jahreshälfte in der südlichen Graft wahrscheinlich Geschichte.
 

Graftwiesen nur zur Erholung

Von der Stadt wurden die Treffen bisher geduldet. “Die Graftanlagen haben nach hiesiger Auffassung eine große Bedeutung für die innerstädtische Naherholung”, erklärte Stadtsprecher Timo Frers. “Dies beinhaltet die ruhige Erholung in einem Park zum Spazierengehen, für Naturbeobachtungen oder zum Fahrradfahren. Zudem ist als Schutzzweck die Erhaltung und Pflege des Lebensraums für gefährdete Arten und Lebensgemeinschaften definiert.” Zudem würden die Drohnen ein Gefahrenpotenzial für Fußgänger bergen. Zulassen könne die Stadt aber nur Freizeitaktivitäten, die andere Nutzer nicht einschränken.
 

Kehrtwende der Stadt?

Markus Messerschmidt, FpvMars-Organisator und Gründer, hat das Verbot überrascht: “Ich haben mich 2016 an das Ordnungsamt gewandt, wo es keine Einwände gegen die Hobbytreffen mit steigender Personenzahl gab.” Darüber hinaus hätten ihn Fritz Brünjes, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt, Landwirtschaft und Verkehr, und Katrin Stöver, Leiterin des Delmenhorster Fachbereichs Stadtgrün und Naturschutz, gebeten, ein Konzept für ein Rennwochenende im Stadion auszuarbeiten. “Dies liegt dem Stadtmarketing seit Januar vor.” Die Stadt hatte nur eine Bitte: keine Nachtflüge, um Fledermäuse nicht zu stören. Daran hielt er sich.
 
Messerschmidt stellt das Verbot vor ein Problem. Schon letztes Jahr hatte er ein Konzept für eine alternative Drohnenrennstrecke am Anker bei der DLW eingereicht, um Drohnenfliegern Rennen zu ermöglichen. Es seien schon welche aus Osnabrück oder Berlin mit ihren Fliegern zu ihm nach Delmenhorst gekommen. Sein Antrag wurde abgelehnt. “Der Antragsteller äußerte den Wunsch, sich gewerblich im Bereich der Organisation rund um den Modellflug selbstständig zu machen”, erklärte Frers. “Die Stadt kann für gewerbliche Interessen Einzelner keine öffentlichen Flächen in gewünschter Ausstattung bereitstellen.” Damit bezog sich Frers nicht nur auf die Graft.
 

Neuer Standort gesucht

In der Vergangenheit habe die Stadt mehrfach versucht, passende Flächen anzubieten. So sei laut Frers eine Verbindung zum Luftsportverein Delmenhorst oder zum Segelflugplatz Große Höhe für FpvMars denkbar. Anders sieht das Messerschmidt: “Man hat mir keine Plätze angeboten. Ich selbst habe mich mit Sportvereinen in Verbindung gesetzt.” Zwar sei ihm ein Feld hinter dem Krankenhaus an der Wildeshauser Straße angeboten worden. Aufgrund der Sperrzone von 1,5 Kilometern um das Krankenhaus wegen des Rettungshubschraubers käme sie aber nicht infrage.
 
Wer sich vom Drohnensport ein Bild machen will, den lädt Messerschmidt zu den FPV & Modell Flug Tagen des Vereins FSC Stieglitz in Syke ein. Dort wird er seine Rennstrecke am 29. und 30. April aufbauen. In Delmenhorst selbst ist er zurzeit auf der Suche nach einem neuen Standort. Diesen würde er auch für Veranstaltungen pachten. Interessierte können ihn unter der Facebook-Seite des FpvMars erreichen.
 

Schon Discgolfanlage abgelehnt

Es ist nicht das erste Hobby, dass in der Graft auf Hindernisse stößt. Schon der Antrag auf die Prüfung der Möglichkeit, eine Discgolfanlage zu bauen, war im März im Umweltausschuss in eine künftige Ausschusssitzung vertagt worden.
 
Foto: Drohnenpiloten wie Benjamin Böschen dürfen künftig nicht mehr in der Graft fliegen und müssen sich einen neuen Platz suchen.
 





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