Ratsherr Sinan Shikho: Milizpropaganda als Hoffnung für syrische Jesiden

31. 03. 2016 um 17:04:05 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Was ist richtig, was ist falsch? Der Delmenhorster Grünen-Ratsherr Sinan Shikho unterstützt propagandistisch die beiden bewaffneten kurdischen PKK-nahen Milizen YPG und YPJ, welche den IS in Syrien bekämpfen und die Jesiden dort vor Gräueltaten der Terroristen gerettet haben. Das Problem: Auf der einen Seite lässt sich Sinan Shikho vor der PKK-Flagge und einem Foto von dessen Führer Abdullah Öcalan fotografieren, da Shikho dessen Verdienste durch die Milizen für die Jesiden sehr schätzt. Andererseits weiß Shikho auch, dass die PKK, denen die YPG und YPD sehr nahe stehen, laut deutschem Recht eine terroristische Vereinigung ist. Was ist richtig, was ist falsch? Ein Versuch, ansatzweise zu verstehen.
 
Auf Facebook betreibt Ratsherr Sinan Shikho zwei Seiten. Neben seiner örtlich bekannten Seite ist er auch für diese Seite verantwortlich. Dort geht es, was die Fotos angeht, teilweise heftig zu. Unter den insgesamt mehr als 10.000 Bildern der vergangenen Jahre finden sich auch Fotos von Toten und teilweise verstümmelten Leichen, die Opfer des Terrorkrieges in Syrien geworden sind.
 
Inzwischen hat Shikho bereits Bilder entfernt. Auch Fotos von Kämpfern der syrischen Miliz YPG (Volksverteidigungseinheiten) und der Frauenmiliz YPJ sind dabei. Und auch Bilder, die Sinan Shikho vor der Flagge der in Deutschland verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und vor einem Bild von dessen Führer Abdullah Öcalan zeigen. Auch ein Bild aus Shikhos Militärdienstzeit mit einem Gewehr und Munitionsgürtel ist dabei. Ganz vereinzelt sind auch Bilder der Delmenhorster Grünen zu finden, etwa bei der Wahlwerbung im März vor C&A in der City.
 

Die Frage nach dem Warum

Doch warum betreibt der Grünen-Ratsherr mit syrischen Wurzeln diese Facebookseite? Ein knapp zweistündiges Gespräch mit Sinan Shikho, der seit 23 Jahren Deutscher ist und zu den von dem IS verfolgten jesidischen Kurden zählt, zeigt: Die Welt ist derzeit nicht mehr so einfach heutzutage.
 

Seit 23 Jahren in Deutschland

Seit 23 Jahren lebt der Ratsherr inzwischen mit seiner Familie in Deutschland, erzählt er, er sitzt seit 2011 im Stadtrat, spricht die deutsche Sprache und arbeitet für die AWO als Übersetzer in der Flüchtlingsunterkunft im Stubbenweg. „Du bist deutscher als mancher Deutscher“, sagen Freunde über ihn, wie er berichtet. So fordert Shikho zum Beispiel, dass Flüchtlinge in Deutschland als erstes die Sprache lernen sollten. Wer das nicht tue, dem sollten Leistungen gekürzt werden. Zudem sollten Flüchtlinge nicht unregistriert in Deutschland einreisen dürfen, damit es Terroristen nicht so einfach haben, sagt er.
 

Vorsitzender der Allianz der Jesiden

Neben dem „deutschen“ Sinan Shikho gibt es auch einen „anderen“ Sinan Shikho, der zur Glaubensgruppe der kurdischen Jesiden zählt, die in Syrien und im Irak durch den IS verfolgt werden. Sinan Shikho ist Vorsitzender der „Allianz der syrischen Jesiden in Deutschland“. Daher kennt er das Elend der Jesiden in Syrien sehr genau. „Mein Bruder ist 2012 mit Schleppern nach Deutschland gekommen, weil der IS in das Heimatdorf gekommen ist“, sagt Shikho. „Sie haben Frauen und Männer getrennt und über 2.800 Personen getötet“, berichtet er von den Gräueln. „Über 2.000 Frauen und Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in der Region wurden mitgenommen.“ Inzwischen sei sein Bruder wieder nach Syrien zurückgekehrt, sagt er.
 

„Ohne die PKK wären die Jesiden ausgelöscht worden“

Ohne den Kampf der Milizen der PYG und PYJ, die der PKK nahen Partei PYD unterstehen, davon ist Shikho überzeugt, gäbe es die Jesiden in Syrien nicht mehr. „Ohne die PKK wären die Jesiden ausgelöscht worden. Unter der PKK haben zum ersten Mal muslimische Kurden für uns gekämpft.“ Dass die PKK eine in Deutschland verbotene Terrororganisation ist, weiß Sinan Shikho. Er sagt aber auch: „Ich liebe Öcalan, ohne ihn würde es die Jesiden nicht mehr geben.“ Daher gibt es auch gleich mehrere Fotos auf seiner Facebookseite von Shikho mit dem umstrittenen PKK-Führer, eins aufgenommen vor wenigen Tagen beim jesidischen Neujahrsfest in Bremen. Shikho setzt sich nicht nur auf Facebook für die Guerilla-Kämpfer von YPG und YPJ ein, auch in Fernsehinterviews für den jesidischen Sender CRTV in Bielefeld und das kurdisch-syrische Fernsehen Rohani TV in Brüssel macht er Propaganda für die Miliz, wie er sagt.

Was ist richtig, was ist falsch?

In Europa werden die PKK und ihr nahestehende Organisationen kritisch betrachtet – auch vom Verfassungsschutz. Inzwischen sehen die russische und die amerikanische Regierung im Kampf gegen den IS die YPG militärisch zunehmend als Verbündete an. Die Türkei hingegen macht die YPG öffentlichkeitswirksam für terroristische Anschläge verantwortlich. Auch hier ist die Frage nach dem Richtig und Falsch in dieser Gemengelage schwer zu erfassen, geschweige denn zu beantworten.
 
Die Frage an Sinan Shikho, ob er es verstehen könnte, dass Leute manche seiner Fotos, die, sofern vorhanden, auf Arabisch beschrieben sind, als verstörend empfinden könnten, beantwortet er so: „Wenn mich jemand auf ein verstörendes Foto anspricht, nehme ich es raus.“ Bei insgesamt inzwischen rund 10.000 Bildern auf der Seite, könnten da einige infrage kommen.
 
Nachtrag: Inzwischen hat Sinan Shikho zahlreiche der verstörenden Bilder auf seiner Facebookseite gelöscht.


Dieses Bild wurde inzwischen von der Seite entfernt, ein fast identisches Foto exsistiert noch
 

Der Krieg und seine Folgen sind auf der Seite omnipräsent
 

Der Ratsherr posiert vor einer Fahne der PKK und dem Abbild von PKK-Führer Abdullah Öcalan
 





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