Carsten Borgmeier: „Stadtfest? In Delmenhorst nie wieder!“

15. 06. 2015 um 16:45:54 Uhr | DelmeNews-Redaktion

Stadtfest-Veranstalter Carsten Borgmeier erklärt nach dem Stadtfest 2015, warum er künftig in Delmenhorst kein Stadtfest mehr veranstalten möchte. Hier sein Statement:
 
Nachdem wir Freitag nur 2.500 Besucher hatten, haben wir uns große Sorgen gemacht. Dann hat der Samstag aber selbst unsere kühnsten Erwartungen bei Weitem übertroffen. Weit über 7.000 zahlende Gäste haben in ausgelassener Stimmung friedlich gefeiert. Wir konnten unsere Kosten decken und haben sogar etwas verdient. Meine Mitarbeiter und ich hatten den Ehrgeiz, das Projekt erfolgreich zu machen. Das ist uns gelungen. Wir haben viele Nachrichten von Besuchern bekommen, die sich bei uns bedankten. Seit geraumer Zeit haben wir uns aber auch öffentlich dahingehend geäußert, dass wir voraussichtlich keine weiteren Stadtfeste veranstalten möchten. Diese Grundintention wurde durch das Wochenende bestätigt und deutlich bestärkt.
 
Es ist einfach ein strukturelles Problem, das wir als Veranstalter hier vorfinden. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen haben wir einen Vertrag mit der Stadt Delmenhorst, der vorsieht, dass wir nur bis 23 Uhr Musik spielen dürfen – das war im vergangenen Jahr genauso. Damals haben die Verantwortlichen jedoch alle Augen zugedrückt und toleriert, dass wir länger spielten. Dieses Jahr jedoch sah es so aus, dass die Polizei am Freitag um 0.08 Uhr angerufen hat: Wir müssten sofort die Musik ausmachen. Außerdem hat sie mit unangenehmen Konsequenzen gedroht. Wenn die Polizei so etwas anordnet, dann tun wir das natürlich. Richtig ist, dass der Vertrag das so vorsieht. Das kam nicht überraschend für uns. Im vergangenen Jahr ist das aber nicht mit dieser Vehemenz durchgesetzt worden. Hinzu kommt, dass am Samstag, als wir die Atzen auf der Bühne hatten, die Musik den offiziellen Stellen zu laut war, sodass wir sie leiser schalten und dann um Mitternacht abstellen mussten.
 
„Stadtfest ist nur einmal im Jahr“
Es ist nur einmal im Jahr Stadtfest und dennoch wird man angegangen, die Musik leiser zu stellen oder ganz auszumachen. Das finde ich nicht in Ordnung. Ich mache bei der Stadt niemandem einen Vorwurf, weder Herrn Langnau vom Stadtmarketing noch dem Oberbürgermeister noch den einzelnen Beamten in den Fachdiensten. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. In einer Weise, wie sie besser nicht sein könnte. Nur leider gibt es Verträge und Vereinbarungen und Anordnungen aus der Vergangenheit, die sich für einen Stadtfestveranstalter schwierig gestalten. Es kommt jetzt darauf an, welcher Polizist gerade Dienst hat und ob er die Einhaltung des Vertrags penibel durchsetzt – oder eben ein Auge zudrückt. Das ist für mich als Veranstalter nicht kalkulierbar. Diese Strukturen und die Zeiten, in denen das Stadtfest stattfindet, müssen verändert werden. Das kann nicht ich. Das muss die Stadt machen.
 
Was ebenfalls unüblich ist: Wir durften im Vorfeld der Veranstaltung nur 30 Plakate aufhängen. Wir haben natürlich mehr Plakate aufgehängt, weil eine Großveranstaltung wie das Stadtfest auf zahlendes Publikum angewiesen ist. Weil wir mehr als 30 Plakate aufgehängt haben, haben wir von der Stadt Delmenhorst eine Strafzahlung von 9.600 Euro aufgebürdet bekommen. Die Rechnung kam direkt vor der Stadtfesteröffnung. Das finde ich auch nicht gerade nett, dass man sich als Stadtfestveranstalter ins Zeug legt, um dann noch mit Strafgeldern belegt zu werden. Ich mache dafür niemandem persönlich einen Vorwurf, das sind Verordnungen und Vorgaben, die in der Stadt von vornherein so festgelegt. Das hat damit zu tun, dass die Stadt einen Vertrag mit der Firma Deutsche Städte Medien abgeschlossen hatte. Das ist kein Verschulden der aktuell in der Stadtverwaltung Verantwortlichen, das sind Fehler aus der Vergangenheit. Und die müssen korrigiert werden.
 
„Elektriker mit Monopol“
Darüber hinaus gibt es hier einen Elektriker, der ein Monopol auf den Strom vom Marktplatz hat. Er hat früher auch die Stromkosten von den Schaustellern abgerechnet. Das tut er mittlerweile nicht mehr, er möchte sich mit den Schaustellern nicht mehr auseinandersetzen. Das kann ich auch verstehen. Wir haben in diesem Jahr einen Elektriker aus Osterholz-Scharmbeck engagiert, der das hervorragend gemacht hat. Bloß muss er die Kästen von besagtem Elektriker mieten. Dafür hat unser Elektriker 2.000 Euro bezahlt. Es ist nicht festgelegt, wie viel der örtliche Elektriker maximal als Miete verlangen darf. Er könnte theoretisch auch 20.000 oder 25.000 Euro fordern – das ist völlig willkürlich. Die Kästen gehören nicht der Stadt, sondern diesem privaten Unternehmen und es ist ein bemerkenswertes strukturelles Problem, dass die Elektrizität für eine solche Stadtveranstaltung komplett in den Händen einer privaten Firma liegt, die den Preis für ihre Dienstleistungen frei bestimmen kann. Das ist für uns nicht kalkulierbar und deshalb auch nicht akzeptabel.
 
„Motz-Mentalität der Delmenhorster“
Ein weiterer Punkt, warum ich das Stadtfest nicht mehr machen möchte, ist die Mentalität der Delmenhorster. Im Internet schreiben Leute in ihren Posts, dass sie keine 8 Euro Eintritt zahlen für ein Stadtfest und stattdessen lieber nach Oldenburg fahren. Dann rechnet ihnen jemand vor, dass die Fahrtkosten nach Oldenburg höher sind als jene für eine Eintrittskarte zum Stadtfest. Die Antwort: „Trotzdem, aus Prinzip!“ Ich habe keine Lust, eine Veranstaltung in einer Stadt auf die Beine zu stellen, in der die Leute nicht hinter ihrer Stadt stehen. Ich finde, sie sollten sich freuen, dass jemand in Delmenhorst etwas veranstaltet, und lieber hingehen, anstatt zu nörgeln. Wenn ich das Gefühl habe, dass ein Teil der Bevölkerung es einfach nicht will, dann lasse ich es halt. Darüber hinaus werden sogar meine Frau und meine vierjährige Tochter auf der Straße angepöbelt: Sie sollten ihrem Mann beziehungsweise ihrem Vater sagen, dass er keinen Eintritt für das Stadtfest nehmen soll. Das geht mir einfach zu weit. Warum sollte ich in einer Stadt, in der die Menschen so negativ eingestellt sind, mich noch engagieren, wenn das offensichtlich gar nicht gewünscht ist?
 
„Chance für die Facebook-Schlaumeier“
Eins darf man nicht vergessen: Das Risiko für den Veranstalter ist unglaublich groß: Hätte es am Samstagabend stark geregnet, hätte ich einen riesigen Verlust gemacht. Dieses Risiko dürfen jetzt gern die ganzen Schlaumeier tragen, die bei Facebook immer so kluge Kommentare abgeben. Die sollen dann ohne Zaun und ohne Eintritt Künstler engagieren, die eine fünfstellige Gage kosten. Wenn die das hinkriegen, kann ich ja noch etwas lernen.
 
„Keine Veranstaltungen mehr in Delmenhorst“
Das sind Gründe, warum ich kein Stadtfest und auch sonst keine Veranstaltung mehr in Delmenhorst machen werde. Ich bin nicht darauf angewiesen, wir leben nicht vom Stadtfest. Wir haben unsere Delmenhorster Zeitung und das Deldorado, die machen wir auch weiterhin. Keine Veranstaltungen mehr in Delmenhorst – das gilt übrigens auch für die DelmeExpo. Unser Termin für diese Messe stand schon im Juni letzten Jahres fest. Dann erfuhr ich, dass an demselben Wochenende auch das Erdbeer und Spargelfest stattfinde. Ich habe darum gebeten, den Termin zu verlegen. Stattdessen bekam ich von der Stadt die Auskunft, beide Veranstaltungen würden sich gegenseitig befruchten. Ich habe gesagt: Nein, es wird beide Events Besucher kosten. Und so ist es dann auch gekommen.
 
Was ich ebenfalls nicht in Ordnung fand, ist die Tatsache, dass eine Woche vor dem Stadtfest eine „Alternativveranstaltung zum Delmenhorster Stadtfest ohne Zäune und ohne Eintritt“ genehmigt wurde. Am Ende wurde dort sogar für eine einzige Zumba-Aufführung ein Eintritt von 7 Euro genommen.
Ich habe mich nicht darum gerissen, ein Stadtfest zu organisieren. Als es 2013 ausgefallen war, weil der Veranstalter sich zurückgezogen hatte, gab es für diese Aufgabe niemanden hier, der übernehmen wollte. Ich wurde vonseiten der Stadt gebeten, eine Bewerbung einzureichen, und habe als einziger Bewerber den Zuschlag bekommen.
 
An diesem Sonntag habe ich mich mit Axel Langnau zusammengesetzt und ihm erklärt, welche Missstände ich da für Veranstalter sehe. Er hat aufmerksam zugehört. Wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch und ich glaube, er kann hier etwas in dieser Stadt verändern und die Gegebenheiten verbessern. Für mich kommen diese Veränderungen zu spät. Ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute!
 





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Ihre Kommentare

Hallo Carstens und Team.
Ich lebe nun seit 35 Jahren hier in Delmenhorst.
Diese Stadt macht mehr Kaputt als sie heile lassen. Ich danke Ihnen für ihren Fleiß. Sie haben das sehr gut gemacht. Keiner war vorher besser.
An die Stadt. Macht weiter so und diese Stadt wird weiter und weiter immer unattraktiver. Nicht umsonst stehen wir im Rankings als vorletzter da.
Ihr im Rathaus solltet euch mal überlegen was ihr ohne eure Bürger macht wenn sie weg ziehen weil hier keiner mehr leben will in diesem Kaff wo alles kaputt gemacht wird.
Na ich zieh dann wohl doch zu meinem Arbeitgeber nach Bremen. Auf Wiedersehen.

Hallo Delme-Bürger…

Ich bin auch ein “alter Delmenhorster” und wohne schon hier seit meiner Geburt und die ist schon einige Jahrzehnte her…
Wenn ich so über Delmenhorst nachdenke, dann muss ich sagen, dass die Stadt sich in den letzten Jahren sich immer mehr negativ verändert hat, liegt sicherlich auch daran, dass die ehemaligen Produktionsbetriebe und Handelsfirmen nicht mehr vorhanden sind aus wirtscahftlichen Gründen etc…Somit hat die Konjunktur nachgelassen und auch die Wirtschaftskraft und Kaufkraft…Die Politk der Stadtoberen hat sich auch negativ verändert, aber die Bürger lassen es sich gefallen…und somit machen die Herrschaften, was sie wollen…Aber es gibt auch Personen in dieser Stadt, die etwas “Neues” für die Bürger machen möchten und das wird dann von den “Oberen” mit gewissen Vorschriften kolpotiert…Es gab mal u.a. einen Veranstalter über mehrere Jahre, der mit einer bekannten Sängerin liiert war und dadurch evtl.besondere Beziehungen zur Stadt pflegte und alles bekam, was er durchsetzen wollte…Das waren noch Zeiten ohne grosse Hindernisse seitens der Stadt…Vielleicht erkennen jetzt gewisse “Vollpfosten” endlich mal, was Herr Borgmeier für die Bürger der Stadt erreichen wollte, nämlich eine fröhliche Gemeinsamkeit…Gruss “ein Delmebürger”

In Delmenhorst kannste bald die Bürgersteige hochklappen und Licht ausschalten , selbst kleine Orte wie Ganderkesee oder Wildeshausen sind zich mal attraktiver in allen Bereichen wie Delmenenhorst.
Und wie ich auch von anderen Festen weiß, hilft die Stadt Delmenhorst immer wieder den Machern solcher Projekte und Veranstaltungen Steine in den Weg zu legen, obwohl die daran mit Verdienen (da kann man mal sehen was für Geistige Tiefflieger im Rathaus sitzen) . Das ist mehr als nur traurig und man sollte sich was Schämen.
Wird Zeit sich aus diesem Kaff nach über 42 Jahren zu Verabschieden.