Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts: Delmenhorst müsste 270 Wohnungen neu bauen – pro Jahr
Das Pestel-Institut mit Sitz in Hannover hat eine Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt vorgelegt. Laut dieser müssten in Delmenhorst bis 2028 rund 270 Wohnungen gebaut werden – pro Jahr.
Bis 2028 braucht Delmenhorst den Neubau von rund 270 Wohnungen – und zwar jährlich. Zu dieser Einschätzung kommt das Pestel-Institut in einer aktuellen Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt. „Der Neubau ist notwendig, um das bestehende Defizit – immerhin fehlen in Delmenhorst aktuell rund 490 Wohnungen – abzubauen: Aber auch, um abgewohnte Wohnungen in alten Häusern nach und nach zu ersetzen. Hier geht es insbesondere um Nachkriegsbauten, bei denen sich eine Sanierung nicht mehr lohnt“, sagt Diplom-Ökonom Matthias Günther, Geschäftsführer des Pestel-Instituts.
Leerstand behebt Problem nicht
An dem Wohnungsbedarf in Delmenhorst ändere auch die Zahl leerstehender Wohnungen nichts: Der aktuelle Zensus registriert für Delmenhorst immerhin rund 1.440 Wohnungen, die nicht genutzt werden, so das Pestel-Institut. Dies seien 3,6 Prozent vom gesamten Wohnungsbestand in der Stadt. Ein Großteil davon – rund 680 Wohnungen – stehe jedoch schon seit einem Jahr oder länger leer. „Das sind immerhin rund 47 Prozent vom Leerstand. Dabei geht es allerdings oft um Wohnungen, die auch keiner mehr bewohnen kann. Sie müssten vorher komplett – also aufwendig und damit teuer – saniert werden“, sagt Matthias Günther.
Überschuss nötig
Grundsätzlich sei ein gewisser Wohnungsleerstand aber immer auch notwendig. „Rund 3 Prozent aller Wohnungen, in die sofort jemand einziehen kann, sollten frei sein. Schon allein, um einen Puffer zu haben, damit Umzüge reibungslos laufen können. Und natürlich, um Sanierungen überhaupt machen zu können. Aber es wird nur selten gelingen, Wohnungen, die lange leer stehen, wieder zu aktivieren und an den Markt zu bringen“, so das Fazit von Matthias Günther.
Zurückhaltung bei den Eigentümern
Viele Hauseigentümer hielten sich nach Beobachtungen des Pestel-Instituts mit einer Sanierung zurück: „In ihren Augen ist eine Sanierung oft auch ein Wagnis. Sie sind verunsichert. Sie wissen nicht, welche Vorschriften – zum Beispiel bei Klimaschutz-Auflagen – wann kommen. Es fehlt einfach die politische Verlässlichkeit. Ein Hin und Her wie beim Heizungsgesetz darf es nicht mehr geben“, kritisiert der Leiter des Pestel-Instituts. Außerdem hapere es bei vielen auch am nötigen Geld für eine Sanierung.
Studie im Auftrag des BDB
Die Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt hat das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) durchgeführt, der als Bauverband naturgemäß ein Interesse am Bau von Häusern und Wohnungen hat. Für BDB-Chef-Lobbyistin Katharina Metzger steht fest: „Der Wohnungsbau ist auch in Delmenhorst das Bohren dicker Bretter.“ Um voranzukommen, fordert Metzger, die Baustandards zu senken: „Einfacher bauen – und damit günstiger bauen. Das geht, ohne dass der Wohnkomfort darunter leidet. Andernfalls baut bald keiner mehr.“
Es müsse ein „starkes Abspecken“ bei Normen und Auflagen geben – im Bund, bei den Ländern und Kommunen. Metzger warnt: „Am Ende stoppen überzogene Förderkriterien, Normen und Auflagen den Neubau von Wohnungen – von hoch geschraubten Klimaschutzmaßnahmen, ohne die es keine Förderung gibt, bis zu Stellplätzen, ohne die erst gar nicht gebaut werden darf.“
Mehr Förderung gefordert
Auch die Perspektive sei schlecht: Bis 2028 wolle die Bundesregierung Sozialwohnungen mit weniger als 22 Milliarden fördern. „Das reicht hinten und vorne nicht. Und es ist ein willkürlich gegriffener Zeitraum, um eine vermeintlich hohe Milliardensumme in den Raum zu stellen. Doch die Wahrheit dahinter ist: Der soziale Wohnungsbau wird bei dieser Bundesregierung auch weiter auf der Strecke bleiben. Das müssen die Menschen den heimischen Bundestagsabgeordneten in Delmenhorst jetzt klarmachen. Nur wenn es massiven Druck vor Ort gibt, werden diese und die kommende Bundesregierung begreifen, wie ernst die Lage ist“, sagt Katharina Metzger.












Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!