Weshalb Murat Kalmis für eine erneute Amtszeit von Petra Gerlach in Delmenhorst plädiert
Unmittelbar vor der Kommunalwahl und insbesondere der Wahl des höchsten Verwaltungsamtes in Delmenhorst, hatten wir die Gelegenheit, uns mit dem führenden Delmenhorster FDP-Politiker und Bürgermeister der Stadt, Murat Kalmis, zu unterhalten. Deutlich hatte er sich im Vorfeld wie die gesamte FDP als auch Bündnis 90 / Die Grünen für eine erneute Amtszeit – diesmal für acht Jahre – der amtierenden Oberbürgermeisterin Petra Gerlach ausgesprochen. Hier seine Gründe:
DelmeNews: Herr Kalmis, an dieser Stelle zunächst herzlichen Dank für das Gespräch. Sie unterstützen Petra Gerlach bei ihrer erneuten Kandidatur für das Amt der Oberbürgermeisterin. Was ist Ihr persönlicher Grund dafür?
Murat Kalmis: Ich bin seit fast 30 Jahren politisch aktiv. In dieser Zeit habe ich sehr viele Menschen kommen und gehen sehen. Ich habe vier Oberbürgermeister erlebt und mit ihnen beziehungsweise unter ihren Amtszeiten politisch gearbeitet. Deshalb maße ich mir durchaus an, die Arbeitsweise einer Oberbürgermeisterin beurteilen zu können.
Petra Gerlach befindet sich in ihrer ersten Amtsperiode. Und ich sage das ganz bewusst aus meiner persönlichen Erfahrung heraus: Ich habe in meinen fast 30 Jahren politischer Arbeit noch keine Persönlichkeit erlebt, die sich so konsequent, sachlich und konzentriert auf ihre Aufgabe fokussiert wie Petra Gerlach. Das ist für mich der entscheidende Punkt.
DelmeNews: Was meinen Sie mit „konsequent und sachlich“?
Murat Kalmis: Petra Gerlach ist eine Oberbürgermeisterin, die Aufgaben übernimmt und sie abarbeitet. Sie macht aus jeder erledigten Aufgabe nicht automatisch eine große persönliche Erfolgsgeschichte. Sie muss nicht bei jedem Zwischenschritt erklären, was sie gerade alles tut. Sie konzentriert sich auf die Sache.
Sie nimmt ein Problem auf, arbeitet sich hinein, sucht Lösungen, bringt die Beteiligten zusammen, trifft Entscheidungen und arbeitet das Thema ab. Und wenn eine Aufgabe erledigt ist, geht sie zur nächsten. Das klingt vielleicht unspektakulär. Für mich ist genau das aber professionelle politische Arbeit.
DelmeNews: Ist das nicht gerade in der heutigen Zeit ein Nachteil, wenn politische Arbeit nicht ständig öffentlich dargestellt wird?
Murat Kalmis: Natürlich muss eine Oberbürgermeisterin kommunizieren. Und selbstverständlich muss sie den Menschen erklären, was in ihrer Stadt passiert. Aber ich unterscheide zwischen Kommunikation und Selbstdarstellung. Petra Gerlach kommuniziert. Sie ist ansprechbar, sie führt Gespräche, ist bei Terminen und bei den Menschen vor Ort.
Aber sie macht ihre Arbeit nicht davon abhängig, ob am Ende des Tages ein Foto von ihr in der Zeitung steht. Und genau das schätze ich. Sie erzählt nicht ständig, was sie arbeitet. Und anschließend ist die Aufgabe für sie nicht erledigt, weil sie darüber gesprochen hat, sondern weil sie tatsächlich umgesetzt worden ist.
DelmeNews: Sie sprechen von ihrer ersten Amtsperiode. Was muss man Ihrer Meinung nach dabei berücksichtigen?
Murat Kalmis: Man muss zunächst einmal fair sein. Petra Gerlach ist seit November 2021 Oberbürgermeisterin. Das ist ihre erste Amtsperiode. Sie hat also nicht die Möglichkeit gehabt, über Jahrzehnte gewachsene Probleme einfach verschwinden zu lassen. Im Gegenteil: Sie hat erhebliche Aufgaben übernommen.
Wir sprechen über einen großen Sanierungsstau, über Investitionsbedarf bei Schulen und Sportstätten, über die Innenstadtentwicklung, über Kitas, über die Gesundheitsversorgung und über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Solche Probleme löst man nicht innerhalb einer Amtszeit von wenigen Monaten.
Man muss sich hineinarbeiten, Prioritäten setzen, Geld bereitstellen, planen, Genehmigungen einholen und anschließend tatsächlich bauen und umsetzen. Und genau diese Arbeit sehe ich bei Petra Gerlach.
DelmeNews: Welche konkreten Beispiele überzeugen Sie besonders?
Murat Kalmis: Ein ganz wichtiger Bereich ist Bildung. Für Neu und Erweiterungsbauten an Schulen werden nach den veröffentlichten Zahlen mehr als 100 Millionen Euro investiert. Dazu kommen über 300 interaktive Tafeln in den Grundschulen und mehr als 500 Hochleistungs-Beamer an weiterführenden Schulen. Die Stadt hat außerdem eine eigene Schul-IT-Abteilung aufgebaut und die Ferienbetreuung verstetigt. Das ist für mich keine abstrakte politische Diskussion. Das sind Investitionen, die Kinder und Jugendliche unmittelbar betreffen.
Auch im Bereich der Jugendhilfe ist einiges strukturell verändert worden. Der städtische Fachbereich Jugend wurde neu aufgestellt, Doppelstrukturen wurden abgebaut und die inklusive Ausrichtung der Jugendhilfe weiterentwickelt. Delmenhorst hat dabei bei der sogenannten „großen Lösung“ eine besondere Rolle übernommen. (Petra Gerlach)
DelmeNews: Und beim Thema Sport?
Murat Kalmis: Auch dort ist einiges passiert. Die Sportstättenentwicklungsplanung wurde fertiggestellt. Die neue Stadionhalle wurde eröffnet. Ein Allwetterplatz in Stickgras wurde in Betrieb genommen, weitere Sportstätten wurden saniert und mit moderner Beleuchtung ausgestattet. Das Stadion wurde unter anderem mit Flutlicht weiterentwickelt. Auch die Stadtbadhalle soll saniert werden.
Das sind viele einzelne Projekte. Und genau daran erkennt man für mich die Arbeitsweise von Petra Gerlach: Sie kümmert sich nicht nur um ein großes Prestigeprojekt, sondern um viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig.
DelmeNews: Das größte Projekt dürfte aber der Neubau des Delme Klinikums sein.
Murat Kalmis: Absolut. Das Delme Klinikum ist für mich eines der wichtigsten Zukunftsprojekte überhaupt. Das Gesamtvolumen wird mit rund 210 Millionen Euro angegeben, davon trägt die Stadt einen Eigenanteil von mehr als 30 Millionen Euro. Das Projekt wurde nach den veröffentlichten Angaben im Zeit- und Kostenplan vorangebracht.
Hier geht es um mehr als einen Neubau. Es geht um die Gesundheitsversorgung der Menschen in Delmenhorst und im Umland für viele Jahrzehnte. Dass ein solches Projekt überhaupt in dieser Größenordnung vorangetrieben wird, zeigt, welche Verantwortung eine Oberbürgermeisterin übernehmen muss.
DelmeNews: Auch bei der Stadtentwicklung gibt es viele Baustellen. Wie beurteilen Sie diesen Bereich?
Murat Kalmis: Ich sehe dort einen langfristigen Prozess, der jetzt Stück für Stück vorangebracht wird. Die ehemalige Hertie-Fläche, das Kirchenquartier, das Marienviertel, der WoNNepark und das Bahnhofsumfeld sind wichtige Bausteine. Dazu kommen Wohnbauprojekte wie die Entwicklung am Heidkamp. Beim Baugebiet Am Heidkamp geht es beispielsweise um ein CO₂-freies Baugebiet mit Wohnraum für etwa 300 bis 400 Menschen und einer geplanten Kita.
Auch bei Wirtschaft und Gewerbe wurde einiges angestoßen: Die Gewerbeflächenentwicklungsplanung wurde auf den Weg gebracht, der Gewerbecampus wird entwickelt und es gibt regelmäßigen direkten Austausch mit Unternehmen vor Ort. Das sind alles Dinge, die man nicht innerhalb weniger Wochen erledigt.
DelmeNews: Und die Innenstadt? Gerade dort gibt es viel Kritik.
Murat Kalmis: Natürlich gibt es Kritik. Und natürlich ist die Innenstadt noch nicht dort, wo wir sie gerne hätten. Aber auch hier muss man fair bleiben. Innenstadtentwicklung funktioniert nicht auf Knopfdruck.
Die ehemalige Hertie-Fläche, das Kirchenquartier und das Marienviertel sind langfristige Projekte. Gleichzeitig wird mit Citymanagement, Zwischennutzungen, Unterstützung für Existenzgründer und Veranstaltungen versucht, kurzfristig Leben in die Innenstadt zu bringen. Ich würde deshalb nicht behaupten, dass alle Probleme gelöst sind. Aber ich sehe, dass daran gearbeitet wird. Und genau das ist der Unterschied.
DelmeNews: Sie sagen immer wieder: „Sie arbeitet.“ Was unterscheidet sie dabei von anderen Politikern?
Murat Kalmis: Ich möchte andere Oberbürgermeister nicht schlechtmachen. Jeder hatte seine eigene Art und seine eigenen Schwerpunkte. Aber nach fast 30 Jahren politischer Erfahrung habe ich gelernt, dass Politik nicht nur aus großen Ankündigungen besteht.
Politik besteht zu einem großen Teil aus Verwaltung, Abstimmung, Finanzierung, Planung, Gesprächen, Rückschlägen und wieder neuen Anläufen. Und da muss jemand dranbleiben. Petra Gerlach bleibt dran. Sie nimmt ein Thema nicht nur auf, weil es gerade politisch interessant ist. Sie verfolgt es weiter. Und genau deshalb sage ich: Sie ist eine ausgesprochen fleißige Persönlichkeit.
DelmeNews: Ist „fleißig“ nicht ein ungewöhnliches Wort für eine politische Bewertung?
Murat Kalmis: Vielleicht. Aber ich meine das ganz bewusst. Fleiß bedeutet für mich nicht, möglichst viele Termine zu haben oder möglichst viele Fotos zu produzieren. Fleiß bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und auch die Arbeit zu machen, die niemand sieht.
Akten lesen. Gespräche führen. Probleme lösen. Mit der Verwaltung arbeiten. Mit dem Rat diskutieren, mit Bürgern sprechen, mit Unternehmen sprechen, Finanzierung klären, Entscheidungen vorbereiten, Nachhalten. Und dann am nächsten Morgen wieder anfangen. Genau diesen Fleiß erkenne ich bei Petra Gerlach.
DelmeNews: Sie kennen vier Oberbürgermeister. Was macht Ihre Unterstützung für Petra Gerlach deshalb besonders?
Murat Kalmis: Ich unterstütze sie nicht, weil ich jemanden brauche, der mir nach dem Mund redet. Ich unterstütze sie, weil ich nach fast 30 Jahren politischer Arbeit einen Vergleich habe. Ich habe erlebt, wie unterschiedlich Oberbürgermeister arbeiten. Ich habe erlebt, wie Projekte angekündigt und politisch verkauft werden.
Und ich habe erlebt, dass zwischen einer Ankündigung und einer tatsächlichen Umsetzung manchmal ein sehr großer Unterschied liegt. Bei Petra Gerlach sehe ich eine andere Herangehensweise: Sie arbeitet die Dinge ab. Das ist für mich ein ganz entscheidender Unterschied.
DelmeNews: Sie würden also sagen, dass ihre Stärke nicht unbedingt die große politische Inszenierung ist?
Murat Kalmis: Ihre Stärke ist für mich die Sacharbeit. Natürlich darf und soll sie ihre Arbeit auch öffentlich erklären. Das gehört zum Amt. Aber ich würde ihre Leistung nicht daran messen, wie oft sie irgendwo im Bild ist. Ich würde sie daran messen, was in der Stadt tatsächlich vorankommt.
Und wenn ich mir Schulen, Kitas, Sportstätten, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau, Wirtschaft und Stadtentwicklung anschaue, dann sehe ich eine ganze Reihe von Projekten, die in ihrer ersten Amtsperiode vorangetrieben wurden.
DelmeNews: Was wäre Ihr größter Kritikpunkt an Petra Gerlach?
Murat Kalmis: Wenn ich einen nennen müsste, dann vielleicht, dass sie manchmal stärker erklären könnte, was hinter ihrer Arbeit steckt. Denn vieles von dem, was eine Oberbürgermeisterin leistet, sieht man nicht sofort. Ein fertiges Gebäude sieht jeder. Aber kaum jemand sieht die Monate und Jahre der Vorbereitung davor.
Ich glaube deshalb, dass sie ihre Arbeit manchmal stärker sichtbar machen könnte. Aber das ist für mich etwas völlig anderes als die Frage, ob sie arbeitet. Dass sie arbeitet, steht für mich außer Frage.
DelmeNews: Warum braucht Delmenhorst Ihrer Meinung nach eine zweite Amtszeit?
Murat Kalmis: Weil viele der großen Projekte langfristig angelegt sind. Wir haben jetzt eine Oberbürgermeisterin, die ihre erste Amtsperiode genutzt hat, um sich in diese Themen einzuarbeiten, Strukturen zu verändern und Projekte voranzubringen. Jetzt sollte sie die Möglichkeit bekommen, diesen Weg fortzusetzen.
Ich halte es für falsch, bei jedem politischen Wechsel wieder bei null anzufangen. Delmenhorst braucht Kontinuität. Wir brauchen jemanden, der die Projekte kennt, die Verwaltung kennt und weiß, wo die Schwierigkeiten liegen.
DelmeNews: Was ist deshalb Ihr persönliches Fazit nach dieser ersten Amtsperiode?
Murat Kalmis: Mein Fazit ist sehr klar: Ich habe in fast 30 Jahren politischer Arbeit viele Menschen erlebt. Petra Gerlach gehört für mich zu den fleißigsten und sachorientiertesten Persönlichkeiten, mit denen ich jemals gearbeitet habe. Sie ist in ihrer ersten Amtsperiode angetreten und hat eine Menge Aufgaben übernommen. Sie hat nicht alles gelöst. Das wäre auch unrealistisch.
Aber sie hat viele Dinge angepackt, Strukturen verändert und große Projekte vorangebracht. Und vor allem hat sie eine Eigenschaft, die in der Politik aus meiner Sicht manchmal unterschätzt wird: Sie bleibt an der Sache. Sie macht nicht nur eine Ankündigung und wartet anschließend auf den Applaus. Sie arbeitet das Thema ab. Und wenn das Thema erledigt ist, geht sie an die nächste Aufgabe.
Genau diese Arbeitsweise überzeugt mich. Deshalb unterstütze ich Petra Gerlach. Nicht, weil ich glaube, dass sie keine Fehler macht. Nicht, weil man sie nicht kritisieren darf. Sondern weil ich nach fast 30 Jahren politischer Erfahrung davon überzeugt bin: Delmenhorst ist mit Petra Gerlach auf einem guten Weg und sie sollte die Chance bekommen, diesen Weg weiterzugehen.
Wir brauchen jetzt keine Politik, die ständig nur über sich selbst spricht. Wir brauchen Politik, die Probleme erkennt, Lösungen sucht und Dinge umsetzt. Und genau dafür steht Petra Gerlach für mich.
DelmeNews: Herzlichen Dank für Ihre ausführlichen und äußerst detaillierten Einschätzungen.
+++
((Beitragsbild oben: Murat Kalmis, Bürgermeister von Delmenhorst mit fast 30-jähriger Erfahrung in der Delmenhorster Kommunalpolitik))





FDP / DelmeNews



DelmeNews - Jörn Petersen
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