Suche des Klinikums Oldenburg nach “Komplizen” entsetzt Högel-Opferangehörige – Vorstandsvorsitzender entschuldigt sich

11. 06. 2019 um 14:31:07 Uhr | DelmeNews-Redaktion
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
fotoboxen-bremen.de

Während letzte Woche im Zusammenhang mit dem Högel-Prozess die Rolle des Klinikums Oldenburg bei den Verbrechen wieder zur Sprache kam, ließ ein Post des Krankenhauses auf Facebook Fingerspitzengefühl vermissen. Darin wurden “Komplizen” für die Arbeit gesucht – und das auf der Notaufnahme. Unbemerkt blieb der Fehler nicht.
 
Eigentlich suchte das Krankenhaus wieder Mitarbeiter für seine Notaufnahme. Dabei machte es auch auf Facebook auf das entsprechende Angebot aufmerksam gemacht. “Auf der Suche nach Komplizen” stand über dem Post, der ab letzten Dienstag, 4. Juni, für einige Tage online zu sehen war.
 

Sprecher der Högel-Opferangehörigen entsetzt

Entsetzt von der Formulierung zeigte sich Christian Marbach. Er ist Sprecher der Angehörigen der Högel-Opfer. Er wandte sich in einem Schreiben, dass Delmenews vorliegt, an Dr. Dirk Tenzer, den Vorstandsvorsitzenden des Klinikums: “Fehlt mir der nötige Humor oder hat die Leitung des Klinikum Oldenburg in Anbetracht von fast 300 zu verantwortenden Morden inzwischen vollkommen den Verstand verloren?”
 
Weiter schreibt Marbach: “Finden Sie nicht, dass Niels Högel am Klinikum Oldenburg schon zu viele Komplizen hatte? Mein Opa – und circa 220 weitere Opfer in Delmenhorst wären nicht ermordet worden, wenn diese Komplizen des Serienmörders ihn damals nicht alle gedeckt hätten!”
 

Marbach nimmt Entschuldigung an

Als Reaktion habe Tenzer ihn angerufen und sich für die Formulierung entschuldigt. Zudem würde der Fall intern geklärt und sei auch ohne die besondere Situation (durch den Högel-Prozess) nicht angemessen, habe Tenzer versichert. Marbach hat die Entschuldigung angenommen.
 

Stellenanzeige gelöscht

Auf unsere Nachfrage bestätigte Barbara Delvalle, Pressereferentin im Krankenhaus, das Geschehen. Sie erklärt: “Ein erst seit wenigen Monaten angestellter Mitarbeiter hat die Stellenanzeige auf Facebook veröffentlicht und in der sogenannten Pre-Line, also außerhalb der Stellenanzeige in einer Art Einleitung diesen Ausdruck benutzt. Die Stellenanzeige wurde vor dem Urteil geschaltet, nach Auftreten des ersten kritischen Kommentares hierzu, wurde diese vom Mitarbeiter sofort gelöscht und Herr Dr. Tenzer informiert.”
 
Die Referentin schreibt weiter: “Der betroffene Mitarbeiter hat bei dieser eigenmächtig gestalteten Veröffentlichung der Stellenanzeige die erforderliche Pietät sehr deutlich vermissen lassen. Für diese Pietätlosigkeit hat sich Herr Dr. Tenzer sofort in einem persönlichen Telefonat im Namen des Klinikums Oldenburg und auch im Namen des Mitarbeiters von ganzen Herzen entschuldigt. Auch der Mitarbeiter bereut zu tiefst, hier nicht die notwendige Sensibilität besessen zu haben.”
 

Formulierung nicht abgesprochen

Während die Formulierungen der eigentlichen Stellenanzeigen erst durch die Personalleitung freigegeben würden, erfolge dies bei den Pre-Lines nicht. “Wir werden künftig auch die Pre-Lines, also die Ankündigungen freigeben lassen”, verspricht Delvalle.
 
Am eigentlichen Inhalt der Anzeige ändere die Pre-Line nichts, ergänzt Delvalle: “Aufgrund der Tatsache, dass tatsächlich Personal in der Notaufnahme gesucht wird, werden laufend Stellenanzeigen für diese Stellen veröffentlicht. Im Moment ist diese Stellenanzeige aber offline, wir werden diese in veränderter Form zu einem späteren Zeitpunkt eventuell wieder online stellen.”
 
Foto: Mit einer unglücklichen Formulierung für eine Stellenanzeige hat ein Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg für Unmut bei Hinterbliebenen der Högel-Opfer gesorgt.
 



Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung



Kommentar schreiben




Ihre Kommentare