Streit um Windpark im Hengsterholzer Moor
Die geplante Erweiterung des Windparks im Hengsterholzer Moor bleibt politisch und fachlich umstritten. Ratsherr Martin Faqeri (Die Linke) fordert nun eine zusätzliche fachliche Bewertung der ökologischen Auswirkungen und eine wirtschaftliche Gesamtprüfung des Projekts in der Gemeinde Ganderkesee.
Nach der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung sieht Martin Faqeri weiterhin erheblichen Klärungsbedarf. Insbesondere die Begründung, das Vorhaben sei auch vor dem Hintergrund der Energiekrise und des Ukrainekriegs erforderlich, hält er für nicht überzeugend. „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist notwendig. Aber nicht jedes Projekt wird allein dadurch richtig, dass man es mit einer Krise begründet“, erklärt der Ratsherr. Windenergieprojekte dieser Größenordnung seien langfristige Infrastrukturvorhaben, deren Planung, Genehmigung, Bau und Netzanbindung in der Regel Jahre dauern. „Ein solches Projekt löst keine akute Versorgungskrise. Deshalb darf die Energiekrise nicht dazu führen, dass fachliche Abwägungen verkürzt werden.“
Klimapolitisch widersprüchliche Folgen
Im Zentrum der Kritik steht der Standort, denn Moore gelten als natürliche Kohlenstoffspeicher. Werden sie durch bauliche Eingriffe, Zuwegungen oder Fundamentarbeiten beeinträchtigt, kann gespeichertes Kohlendioxid freigesetzt werden. Damit entsteht die Gefahr, dass ein Projekt, das mit Klimaschutz begründet wird, am konkreten Standort klimapolitisch widersprüchliche Folgen hat. Auch der Artenschutz müsse nach Auffassung von Faqeri deutlich ernster genommen werden. Er sagt: „Wenn bei einer geschützten Art wie dem Kranich unterschiedliche fachliche Einschätzungen bestehen, brauchen wir keine vorschnelle politische Festlegung, sondern eine neutrale Zweitbewertung – etwa durch eine anerkannte wissenschaftliche Einrichtung oder eine staatliche Fachstelle.“ Wichtig sei, dass sie frei von unmittelbaren Projektinteressen sei und die vorhandenen Erkenntnisse nachvollziehbar einordne.
Klimaschutz vs. Naturschutz und wirtschaftliche Vernunft
Wenn eine kommunale Beteiligung an Windenergieprojekten erwogen wird, wäre zudem eine Orientierung an wirtschaftlicher Tragfähigkeit und langfristiger Rendite erforderlich. Entscheidend sei die Wahl geeigneter Standorte und eine solide Planung. Projekte mit hohem Konfliktpotenzial könnten die Akzeptanz erneuerbarer Energien schwächen und Verfahren am Ende eher verzögern als beschleunigen. „Klimaschutz, Naturschutz und wirtschaftliche Vernunft dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, fasst Faqeri zusammen.
Bildquelle: AdobeStock









DelmeNews
Lena Nzume
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