Stadtwerke und Landwirte kooperieren in Delmenhorst zum Schutz des Trinkwassers
Bei einem Treffen im Wasserwerk Annenheide am gestrigen Donnerstag, 21. November, sprachen Mitarbeiter der Stadtwerke sowie Vertreter der Landwirtschaft darüber, wie sie mit einer gemeinsamen Kooperation das Grundwasser und somit auch die Trinkwasserversorgung in Delmenhorst schützen wollen. Von der Politik fühlen sie sich unterdessen im Stich gelassen.
Rund 80 Prozent des Delmenhorster Trinkwasserbedarfs werden im Wasserwerk Annenheide produziert. Dafür bereitet die StadtWerkegruppe Delmenhorst das Grundwasser aus einem rund 3.500 Hektar großen Wasserschutzgebiet auf.
Weil die Flächen des Wasserschutzgebietes landwirtschaftlich geprägt sind, hier Mais und Getreide angebaut werden, gilt es zu verhindern, dass schädliche Stoffe durch den Boden sickern und das Grundwasser verunreinigen.
Zu diesem Zweck kooperiert die StadtwerkeGruppe mit rund 60 Landwirten, die im Wassereinzugsgebiet ihre Ackerflächen bearbeiten. Die Teilnahme der Landwirte erfolgt dabei vollkommen auf Freiwilligenbasis. „Am Ende des Tages ist uns allen daran gelegen, die Ressource Wasser zu schützen“, betonte Dieter Meyer, Prokurist der Stadtwerke.
Kein Nitrat im Annenheider Grundwasser – Zustand jedoch nicht von Dauer
Zu den Schadstoffen, die im Grundwasser nichts verloren haben, zählen beispielsweise Nitrate. In der Landwirtschaft sind sie hingegen für ein optimales Pflanzenwachstum meist unabdingbar und werden dafür über die Düngung in den Boden eingebracht.
Die Gute Nachricht vorweg: Wie Kristofer Root, Leiter der Versorgung bei den Stadtwerken berichtete, sei im Annenheider Grundwasser kein Nitrat messbar.
„Die weniger gute Nachricht: Es ist trotzdem da.“ So werde das Salz der Salpetersäure, das aus einem Teil Stickstoff und drei Teilen Sauerstoff besteht, derzeit noch durch das sauerstofffreie Grundwasser im Wasserschutzgebiet abgebaut. Allerdings sei dieses Abbauvermögen nicht unendlich.
„Von der Politik im Stich gelassen“
Mitunter dauert es Jahre bis Schadstoffe durch Sickerprozesse ins Grundwasser gelangen. Geschieht dies wird die Trinkwasseraufbereitung aufwändiger und somit auch teurer.
Wie Root betonte, werde bei der Zuweisung von Finanzmitteln durch das Land Niedersachsen der reelle Nitrat-Eintrag jedoch ignoriert. „erst bei eingetretenem Schaden wird reagiert.“
Bei Pflanzenschutzmitteln würden bestehende Regularien ebenfalls viel zu langsam greifen. „Wenn einem Mittel die Zulassung entzogen wird, weil es sich als gesundheitsschädlich herausgestellt hat, ist das Problem schon da und geht auch nicht von heute auf morgen wieder weg.“
Zudem kritisiert die StadtWerkegruppe, dass für die Finanzierung des sogenannten „Niedersächsischen Wegs“ – eine Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik zum flächendeckenden Natur- und Gewässerschutz – die Wasserentnahmegebühr erhöht wurde, jedoch das letztlich von den Wasserkunden stammende Geld nicht in besonderem Maße dem Grundwasserschutz in Trinkwassergebieten zugute komme.
Dazu Dieter Meyer: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen, deshalb kooperieren wir mit der Landwirtschaft.“
Die kommenden Generationen im Blick
So werden die an der Kooperation teilnehmenden landwirtschaftliche Betriebe zunächst in Sachen grundwasserschonendes Wirtschaften durch die Landwirtschaftskammer beraten.
Um das Grundwasser zu schonen, verzichten sie dort, wo es geht, auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Stattdessen geht es mit „Striegel und Hacke“ dem Unkraut mechanisch an den Kragen. Das Projekt wurde 2017 gestartet. Zunächst kamen die Geräte in den Maisfeldern zum Einsatz. Nun startet der Versuch die Anwendung auf Getreide auszudehnen.
Zudem sei man dazu übergegangen nach Ernte der Ertragsfrüchte Zwischenfrüchte anzubauen, die keine wirtschaftliche Verwendung finden, so Nadine Klitte-Ehlers, Vertreterin der Landwirte. Anschließend werden die Zwischenfrüchte wieder untergeackert, um die nachfolgend angebauten Pflanzen mit den notwendigen Nitraten zu versorgen. Durch diese Vorgehensweise werde die Nitrate an der Bodenoberfläche gehalten.
Wenn die Landwirte bei den jährlich entnommenen Bodenproben gute Ergebnisse erzielen, erhalten sie von den Stadtwerken für ihre Bemühungen und für etwaige Ertragsausfälle eine Kompensation.
„Wir machen das mit Überzeugung, damit alle sauberes Grundwasser bekommen“, betont Klitte-Ehlers, auch wenn es mehr Arbeitsaufwand bedeute.
Lars Beneke, der die beteiligten Landwirte ebenfalls vertritt, fügt hinzu: „Wir machen das auch für die nächsten Generationen.“
Bild oben (von links): Stadtwerke-Prokurist Dieter Meyer, Arnold Wiechmann (Experte für „Hacke und Striegel“), Lars Beneke (Vertreter der Landwirte im Wasserschutzgebiet), Rudolf Eilert (Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Kristofer Root (Leitung Versorgung bei den Stadtwerken), Swen Wiechmann (Experte für „Hacke und Striegel“) und Nadine Klitte-Ehlers (Vertreterin der Landwirte im Wasserschutzgebiet)











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