SPD-Sommergespräch im Parteibüro Delmenhorst: Von Schulpolitik bis Sondervermögen

Die Delmenhorster SPD hatte am 26. Juni 2026 zum Sommergespräch geladen. Im Fokus stand ein Rück- und Ausblick auf die kommunalpolitischen Ereignisse der vorvergangenen als auch der nächsten Wochen. Vor Ort waren Ratsfrau und Mitglied der SPD-Fraktion Andrea Lotios, der Delmenhorster SPD-Kreisvorsitzende Dr. Lars Kunukiewitz und sein Stellvertreter Jan Donix. Das Gespräch fand bei brüllender Hitze statt. Doch weil in den nächsten Wochen einiges passieren werde und in der Vergangenheit bereits passiert sei, so Andrea Lotios, gehe das eben nicht anders. Das Sommergespräch zu verschieben, sei keine Option.

Lars Konukiewitz gab einen kurzen Überblick über die Agenda, auch mit Blick auf die anstehende Ratssitzung, so die Positionierung der Sozialdemokraten zur Verwendung der Mittel aus dem Sondervermögen, die Verwunderung über das Procedere im Kontext des Försterhofes sowie ein Eilantrag zur Neubewertung der Beschlüsse zur Gründung des Käthe-Stüve-Gymnasiums und der Realschule an der Uhlandstraße.

Zur Verwendung der Sondermittel hatte die SPD sich im Vorfeld positioniert, dabei erklärt, die Mittel sollten insbesondere für den Sanierungsstau aufgewendet werden, begonnen etwa bei den Schultoiletten, ebenso werde für das neue Schulkonstrukt der Startchancenschulen neues Mobiliar gebraucht. Da müsse man ganz weit denken.

Faunistische Kartierung aus der Zeit vor dem Ratsbeschluss

Gleichwohl schwebt noch immer das Thema um die eigentlich fest beschlossene Schule am Försterhof im Raum, die angesichts vermeintlich neuer Erkenntnisse nun doch nicht errichtet wird.  Im Dezember wurde der Ratsbeschluss zum Schulbau gefasst. Im März wurde bekannt, es gehe doch nicht. Lars Konukiewitz: „Wir haben uns gefragt, wie kann das sein? Der Rat beschließt etwas und nun stehen dem Ganzen doch massive Hindernisse entgegen?“ Darauf hatten Konukiewitz und der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Alexander Mittag Akteneinsicht beantragt und erhalten.

Ergeben hatte sich bei der Einsicht, dass die faunistischen Kartierungen aus der Zeit stammen, bevor der Ratsbeschluss gefasst wurde, also die gutachterlichen Resultate bereits vor der Entscheidung vorlagen. „Der Bau der Schule war einstimmig beschlossen worden, obschon zu jenem Zeitpunkt die negativierenden Fakten schon definiert waren.“ Die SPD frage sich, wie das sein kann, und auch, ob Maßnahmen ausgelöst wurden, die Kosten verursacht haben. Von der Verwaltung, insbesondere Oberbürgermeisterin Petra Gerlach, verlange man Antworten. Konukiewitz: „Das ist so in sich nicht stimmig.“

Andrea Lotios: „Wir können nicht beurteilen, woran das lag. Sind einfach Fehler passiert, wusste eine Hand nicht, was die andere tut? Aber Fakt ist, dass die Förderschule jetzt vor massiven Problemen steht und nun Zeit ins Land geht, die auch Auswirkungen auf die Regelschulen mit Förderschwerpunkt haben wird, zumal die Anzahl der Kinder, die von Schule an der Karlstraße an die anderen Schulen geschickt werden, nun reduziert werden muss.“ Die Raumnot werde insofern immer stärker, auch vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der betroffenen Kinder steigt. Jan Donix: „Mich erinnert das so ein bisschen an Iprump.“

Fünf Schüler sind aktuell ohne Schulplatz

Die Eltern standen bei den Anmeldungen vor einem verwirrenden, digitalen Anmeldeverfahren, wussten vielfach nicht, dass sie den entsprechenden Code bestätigen mussten, was bei versäumten Fristen einer Abmeldung gleichkam. Es gab Kinder, die viermal abgelehnt wurden. Ein Drama für die Kinder, die mit einem durchaus merkwürdigen, statt fröhlichen Gefühl den ersten oder nächsten Schritt in die Bildung machen werden. Resultat: Fünf Kinder sind aktuell ohne Schulplatz.

Bei der Integrierten Gesamtschule (IGS) wurden zum aktuellen Stand 120 Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Wurden anfangs 158 Anmeldungen prognostiziert, gingen schlussendlich 242 Bewerbungen ein. Oder um es korrekter auszudrücken: 122 Schülerinnen und Schüler erhielten eine Absage. Die Realschule Uhlandstraße soll jetzt mit 5,5 Schülern an den Start gehen. Der Schulleiter der Oberschule muss die Realschule mit führen, das Kollegium muss die Stunden leisten. Gleichwohl steigt in Delmenhorst die Anzahl der Kinder mit Förderbedarf, den die Regelschulen so nicht mehr leisten können, erst recht nicht ohne den Neubau der Schule am Försterhof. Es gehe laut Andrea Lotios  momentan nicht darum, das dreigliedrige Schulsystem zu diskutieren oder überhaupt zu werten, stattdessen darum, ob Schulen angenommen werden oder nicht, denn im Mittelpunkt stehe immer der Elternwille. „Wenn aus Prognosen Fehler resultieren, müssen die korrigiert werden.“

Jetzt soll sogar für ein Jahr evaluiert werden, ob die Schulen in der Dreizügigkeit überhaupt sinnvoll sind. Ein Aspekt, den die Delmenhorster SPD im Sinne des Kindeswohls so nicht nachvollziehen kann. Schließlich könnte das bedeuten, dass die Schule, für die Eltern und Kinder sich einmal entschieden haben und sich damit in der persönlichen Entwicklung identifizieren möchten, nach einem Jahr schlichtweg nicht mehr existiert. Die aktuelle Lösung könne es nach Ansicht der SPD nur sein, die fünf Schüler auf die anderen Schulen aufzuteilen. „Selbstverständlich im Einklang mit dem Elternwillen.“

Das wird vermutlich am Dienstag eine muntere Sitzung

Lars Konukiewitz: „Das ist das, was wir schon vor zwei Jahren prognostiert haben.“ Man müsse seitens der Politik in die Prognosen auch die Realität einfließen lassen und gegebenenfalls nachsteuern. Wenn die Zahlen so krass von der Planung abweichen, stelle sich die Frage, was exakt zu tun ist. Und das der Schulausschuss zu diesen Themen in den Sommerferien tagen sollte, empfindet man als – so wörtlich – schlechten Scherz. Auf die Tagesordnung der Ratssitzung kommt der Antrag: Der Rat der Stadt Delmenhorst möge entscheiden und begründen, die Schulaufteilung neu zu bewerten. Das wird vermutlich am Dienstag eine muntere Sitzung.

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((Beitragsbild oben v. lks.: Lars Konukiewitz, Jan Donix, Andrea Lotios))

 

 

 

 

 

 

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