Sommerschule läuft in der VHS – 75 Grundschüler holen Lehrstoff in Deutsch und Mathe nach

22. 07. 2020 um 16:48:21 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Wegen der Corona-Pandemie war der Gang zur Schule ab Mitte März für Kinder und Jugendliche entweder überhaupt nicht oder nur zum Teil möglich. Homeschooling war dann für die meisten Schüler angesagt, was aber von ganz unterschiedlichem Erfolg war. Damit sie verpasste oder noch nicht verinnerlichte Lerninhalte aufarbeiten können, planten die Stadt und die Volkshochschule (VHS) Delmenhorst das Projekt Sommerschule. Seine Umsetzung wurde heute (22. Juni) vorgestellt.
 
Aus der kommunalen Politik wurde der Antrag gestellt, eine Sommerschule einzurichten, sodass Schulkinder den toff, den sie aufgrund des coronabedingten Heimunterrichts noch nicht beherrschen oder sogar nicht behandelt haben, nachholen können. „Wir haben uns als Verwaltung darüber Gedanken gemacht, wie man das umsetzen kann, und haben uns dann mit der VHS zusammengesetzt“, berichtet Erster Stadtrat Markus Pragal. Es wurde der Entschluss gefasst, auf Bewährtes zu setzen.
 

Sommerschule beruht auf dem Pilotprojekt Lernförderung

Seit einem Jahr existiert nämlich bereits das Pilotprojekt der Lernförderung, bei dem Kinder mit Förderbedarf in Kleingruppen an mehreren Delmenhorster Grundschulen betreut werden. Anfangs waren es zwei Grundschulen, inzwischen sind es vier und zwei weitere haben laut Bettina Pinzon-Assis, Projektleiterin und Koordinatorin für Lernförderung an der VHS, ihr Interesse bekundet.

Das Projekt ruht seit Mitte März, weil es direkt an den Schulen erfolgt. Insbesondere für Kinder, die zur Lernförderung zu Leistungen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) berechtigt sind, wird die Sommerschule nach Angaben von Pragal durchgeführt. Nach seinen Angaben wurde das BuT geschaffen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu bewirken.

Er meint: „Auf diese Weise haben Kinder die Möglichkeit, sich Lerninhalte individuell anzueignen.“ Des Weiteren verweist der Erste Stadtrat auf das von der Jugendarbeit auf die Beine gestellte Ferienprogramm, das dieses Jahr komplett gratis zur Verfügung steht. Am Herzen liegt ihm auch der Feriencharakter und er ist sich sicher, dass Kinder bei den Aktionen gemeinsam lernen können.
 

Für die VHS als Standort sprachen mehrere Punkte

„Bei der Umsetzung ging es hoppla hopp“, erzählt Jürgen Beckstette, Geschäftsführer der VHS. Zunächst beschloss der Schulausschuss die Einführung der Sommerschule am 25. Juni und schließlich entschied sich der Stadtrat vergangene Woche Dienstag, 14. Juli, dafür. Trotz der Kurzfristigkeit steht die VHS als Standort bereit und ließ sich die Sommerschule dort organisieren.

Ermöglicht wurde das nicht zuletzt dank der bestehenden Ressourcen, wie zum Beispiel den erfahrenen Lehrkräften, die im Pilotprojekt Lernförderung aktiv sind. Viele Räume im Gebäude der VHS sind frei, da die meisten Kurse im Sommer pausieren. Zudem stand eigentlich eine zweiwöchige Schließung der Bildungseinrichtung an.

So mussten die Hausmeister aus dem Urlaub zurückgeholt und die Urlaube weiterer Mitarbeiter einer Neuplanung unterzogen werden, weshalb Beckstette seinen Mitarbeitern ein großes Dankeschön macht. Von einem „wahren Kraftakt“ spricht Pragal: „Es war vor den Ferien alles sehr kurzfristig und aufwendig.“ Sein Dank gilt den Mitarbeitern der Verwaltung. Außerdem stellt die Stadtbücherei zwei Bücherkisten für die Sommerschule bereit, worauf der VHS-Geschäftsführer hinweist.
 

Kinder aus zehn Grundschulen sind vertreten

„Wir hatten drei Wochen Zeit für die Planung“, teilt Pinzon-Assis mit, die praktisch rund um die Uhr telefonierte. Sie fragte Lehrkräfte an und klärte mit diesen ab, an welchen Tagen, wie oft und wie lang sie die Kinder unterrichten. Es bedurfte auch etwas Zeit und Mühe, um das Interesse bei Eltern und Schülern zu wecken.

Die Projektleiterin schildert: „Nach und nach war die Resonanz aber größer als ich es mir erwartet hatte.“ Rein von der Nachfrage hätten auch problemlos doppelt so viele Kinder aufgenommen werden können. „Absagen zu erteilen fiel mir wirklich schwer“, gesteht Pinzon-Assis. Insgesamt nehmen 75 Grundschüler von zehn Delmenhorster Grundschulen teil.

Beginn der Sommerschule war am vergangenen Donnerstag, 16. Juli. Für dreieinhalb Wochen wird sie bis zum Freitag, 7. August, angeboten. Allerdings verbringen die Kinder nicht jeden Tag in VHS, denn diese Zeitspanne stellt laut Gerd Galwas, Fachdienst- und Jugendamtsleiter, auch eine Belastung für sie dar. Es ist so geregelt, dass sie an zwei oder drei Tagen in der Woche vormittags jeweils vier Unterrichtsstunden absolvieren. Kleingruppen setzen sich aus drei bis fünf Kindern zusammen.
 

Zielgruppe sind Schüler mit dringendem Nachholbedarf

Von elf Lehrkräften werden die 16 Kleingruppen angeleitet. Mit Ausnahme einer Lerngruppe, die auf Mathematik spezialisiert ist, liegt der Schwerpunkt auf Deutsch. In den übrigen Kleingruppen werden beide Unterrichtsfächer vermittelt. Zusätzlich kann jeden Tag auf den PC-Raum der VHS zurückgegriffen werden, um sich mit dem Gebrauch von digitalen Lernportalen vertraut zu machen.

Das erste Kriterium bei der Vergabe der Plätze war, ob betreffende Kinder schon am Pilotprojekt Lernförderung beteiligt waren. Im zweiten Schritt fragte Pinzon-Assis bei den Lehrern an den Grundschulen nach, welche Kinder tatsächlich einen Förderbedarf haben.

Primär sollen in der Sommerschule nämlich Kinder gefördert werden, die dem Coronavirus geschuldet stärker gefährdet sind, mit ihren jeweiligen Lerngruppen nicht mehr Schritt halten zu können. Dieses Risiko ist besonders bei Kindern aus Familien ausgeprägt, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. „Gerade sie kamen seit Mitte März kaum noch dazu, auf Deutsch zu sprechen“, weiß Pinzon-Assis. Es sind aber auch nicht BuT-leistungsberechtige Schüler unter den Teilnehmern.
 

Alle relevanten Infos tragen die Kinder bei sich

Jedes Kind erhält ein Schild zum Umhängen, auf dem sein Name, die Telefonnummer der Eltern, die Namen der Lehrkraft und der Gruppe sowie die Unterrichtszeiten stehen. Pinzon-Assis hebt die Dankbarkeit und das in die VHS gesetzte Vertrauen der Eltern hervor.

Obendrein merkt Heike Stolle-Ahlers, Bildungskoordinatorin an der VHS, an: „Teilweise sind die Eltern auch hier an den Deutsch-Kursen, die an der VHS in den Sommerferien nicht pausieren.“ Sie konnte schon beobachten, dass sich die Kinder und ihre Eltern gegenseitig Motivation spenden. Dass nicht noch mehr Schüler in den Genuss der Sommerschule kommen können, was auch dem Wunsch der Stadt entspricht, begründet Pragal mit dem Mangel an zusätzlichem qualifiziertem Personal
 

Lernförderung ist bloß an Grundschulen etabliert

Erst spät reagierte das Land Niedersachsen mit der Schaffung von Lernräumen. Unter sämtlichen Lehrkräften an den Delmenhorster Schulen fand sich nur eine Person, die sich dazu bereit erklärte, während der Ferien Unterricht zu geben, so Galwas. Zur Seite steht ihr noch eine Erzieherin. Von Montag, 3. August, bis Freitag, 14. August, geben sie an der Overbergschule, Brendelweg 59, Unterricht.

Maximal acht Schüler können täglich drei Unterrichtsstunden besuchen. Freiwillig nutzen laut Galwas bislang 25 Schüler im Rahmen des BuT Leistungen von weiteren Institutionen und Privatpersonen. Angesichts der Umstände erkennt Pragal in der Sommerschule „eine Win-win-Situation für die Lehrer, aber auch für die Kinder und Eltern.“

Fortschritte sieht Galwas bei der Beantragung beim BuT, die nun deutlich vereinfacht wurde: „Wir haben viele Hemmschritte abgebaut.“ Pragal erinnert daran, dass es im Antrag heißt, kein Kind soll zurückgelassen werden. Dafür ist Nachhaltigkeit gefragt. Dass lediglich Grundschüler von der Sommerschule bedient werden, erklärt Beckstette so: „Die Strukturen für die Lernförderung sind bisher nur in den Grundschulen existent.“ Auf diese stützten sich die Beteiligten, die in der Kürze der Zeit, nichts übers Knie brechen wollten.
 
Bild: Anette Schweers unterrichtet in der VHS fünf Kinder aus dem dritten Jahrgang von vier Delmenhorster Grundschulen in Deutsch und Mathematik.



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