Quempassingen, Musical und Weihnachtskonzert entfallen – Freitags lädt die MSD zu Musizierstunden

29. 09. 2020 um 15:17:13 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Seit dem Ende der Sommerferien läuft der Unterricht an der Musikschule der Stadt Delmenhorst (MSD) unter einem Hygienekonzept, das der Corona-Krise geschuldet ist, wieder ganz regulär. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit besteht auch in zahlreichen Veranstaltungen. In einem Pressegespräch gab heute (29. September) Michael Müller, Leiter der Musikschule, Auskunft über Veranstaltungen, die noch in diesem Jahr durchgeführt oder abgesagt werden.
 
„Wir waren von Corona genauso betroffen wie alle anderen Schulen und Kultureinrichtungen“, erinnert Musikschulleiter Micheal Müller. Vom 16. März bis zum 11. Mai war die MSD für insgesamt acht Wochen lang geschlossen. Nie zuvor ruhte sie Müller zufolge über einen derart langen ununterbrochenen Zeitraum. Dass beim Neustart der Einrichtung, der anfangs auf Instrumental- und Vokalunterricht begrenzt war, die Bläser davon ausgenommen wurden, kann er nicht nachvollziehen.
 

Mit einer Ausnahme kondensiert Luft in Blasinstrumenten

Müller erklärt: „Es gibt nur ein einziges Blasinstrument, aus dem Luft entweicht, und zwar die Querflöte.“ In sämtlichen weiteren Blasinstrumenten verflüssigt sich nämlich die Luft bei deren Spiel. Gemäß der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen war es der MSD, die nicht als Schule, sondern Bildungseinrichtung geführt wird, unter der Voraussetzung eines entwickelten Hygienekonzeptes erlaubt, nach den Sommerferien den Betrieb wieder vollständig aufzunehmen.
 

Instrumente werden nicht desinfiziert, sondern abgewaschen

Selbst Chöre singen seither in den größten Räumen bei Wahrung der Distanz von anderthalb Metern zwischen den Personen. Wenn sich Menschen im Gebäude bewegen, müssen sie eine Maske tragen. Abgesetzt werden kann diese, sobald jemand Platz genommen hat. Für Eltern, die begleitend an Kursen teilnehmen, gilt während des Unterrichts eine Maskenpflicht.

„Kleinkinder müssen aus pädagogischen Gründen keinen Abstand halten“, teilt Müller mit, der sich für die MSD auch über die bestehenden Corona-Regeln für Kitas und Schulen schlau machen musste. Nach dem Unterricht werden die Instrumente eingesammelt und mit Seifenwasser abgewaschen. Eine Desinfektion aller Instrumente ist nicht möglich, weil beispielsweise Klaviertasten aus Elfenbein und Instrumente aus Holz dadurch Schaden nehmen können.
 

Kitas und Grundschulen werden erneut bedient

Vor Unterrichtsbeginn waschen sich alle Beteiligten ausnahmslos die Hände. Den rund 1.000 Schülern, die sich in der Woche in der MSD aufhalten, bescheinigt der Schulleiter eine erstaunlich gute Disziplin. Innerhalb des Gebäudes bestand vor den Sommerferien eine Einbahnstraßenregelung, wobei der Ausgang zur Schulstraße.

Angesichts der Zulassung von Eltern-Kind-Gruppen sowie Gruppen der Elementaren Musikpädagogik (EMP), zu der auch die musikalische Früherziehung gehört, wurde auf die Einbahnstraßenregelung nach den Ferien verzichtet. Laut Müller haben einige Schüler diese aber stark verinnerlicht und den Ausgang über die Schulstraße für sich entdeckt. Ferner ist die MSD erneut an Kindergärten und Grundschulen tätig. Um die Früherziehung und Grundausbildung in Musik kümmert sie sich dort seit zwölf Jahren.
 

Schülerzahlen sind konstant geblieben

Dass jede Schule und Kita wiederum eigene Richtlinien für sich aufstellt, die dann auch von der MSD befolgt werden müssen, erschwert die Arbeit zusätzlich. „Es gibt nur sehr wenige Schulen und Kitas, die pragmatisch mit Corona umgehen“, hält Müller fest. Offen gibt er zu: „Angst vor einer Infektion habe ich hier auch, aber wir müssen lernen, mit dem Virus umzugehen und zu leben.“

Erst heute schaute er sich die Schülerzahlen für jedes einzelne Fach an und verglich diese mit denen zum Vorjahreszeitpunkt. Zu seiner großen Überraschung und Freude stellte der Musikschulleiter fest, dass sie nahezu identisch sind. Verluste bei den Kursteilnehmern musste die MSD coronabedingt also nicht hinnehmen. „In der Elementarerziehung haben wir sogar drei Gruppen mehr“, sagt Müller.

Für ihn liegt daher die Schlussfolgerung nahe, dass sich der Bedarf an derartigen Angeboten durch die lange Zeit, die Kinder daheim verbrachten, noch vergrößert hat. Wenn Kurse aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr besucht werden konnten, wurde versucht den Betroffenen finanziell entgegenzukommen, wie er versichert. Permanent aufrechterhalten wurde der Kontakt zu den Schülern im Instrumentalbereich von Seiten der Lehrer, als die MSD wegen der Corona-Krise pausierte.
 

Keine Auftritte im Theater Kleines Haus unter den aktuellen Voraussetzungen

Müller lässt durchblicken: „Sämtliche Unterrichtsentgelte wurden erstattet, aber die Lehrer wurden trotzdem voll weiterbezahlt.“ Zwangsläufig sorgt das für Einbußen. Gedeckt werden diese durch die Stadt Delmenhorst. Externe Zuschüsse kann die MSD nicht akquirieren, weil sie über einen kommunalen Träger verfügt.

Vom Musikschulleiter wird offenbart: „Wir vermissen sehr schmerzlich unsere vielen Veranstaltungen.“ Das Sommerfest am letzten Sonntag vor den Sommerferien, bei dem sich sonst 800 Personen auf dem Gelände tummeln, fiel aus. Aktuell sollte die MSD die Musical-Produktion „Kiss me Kate“ im Theater Kleines Haus präsentieren.

Daraus wird ebenfalls nichts, weil die Bedingungen im Kleinen Haus, wo Veranstaltungen vor maximal 127 Zuschauern lediglich eine Stunde dauern dürfen, für Darbietungen der MSD nicht praktikabel sind. Hoffnungen, das Stück doch noch spielen zu können, wurden endgültig begraben.
Für den 17. September 2021 wird stattdessen die Operette von Oscar Strauss aus dem Jahr 1923 vorbereitet. Aus den bereits genannten Gründen kommt auch das Weihnachtskonzert im Theater nicht infrage.
 

Bei öffentlichen Musizierstunden wird stets ein Instrument in den Mittelpunkt gerückt

Besonders traurig stimmt es Müller und seine Stellvertreterin Meike Dunkel, dass das beliebte Quempassingen ausgerechnet zum 40-jährigen Jubiläum nicht stattfinden kann. Es macht aber keinen Sinn, wenn in der Lutherkirche und der Allerheiligen-Kirche höchstens 100 Personen Platz finden und niemand singen darf.

Nichtsdestotrotz will die MSD behutsam dazu übergehen, Veranstaltungen durchzuführen. Unter dem Titel „Kleine Abendmusik“ wird an mehreren Freitagen eine Musizierstunde angeboten, in der jedes Mal für eine halbe Stunde ein anderes Hauptinstrument gespielt wird. Zum Auftakt werden am kommenden Freitag, 2. Oktober, ab 19 Uhr zwei Cellistinnen vier Beiträge darbieten.

Gleiches ist an anderen Freitagabenden mit der Geige, dem Klavier, der Block- und der Querflöte geplant. Zur Begleitung kommen noch andere Instrumente zum Einsatz. Bis zu 26 Zuhörer können den Vorführungen beiwohnen, die öffentlich zugänglich sind. Weder wird dafür Eintritt erhoben noch eine Anmeldung verlangt. Auf der Webseite der MSD sollen die Musizierstunden demnächst einsehbar sein. In der Stadtkirche soll außerdem das Kammerorchester aufspielen.
 

In die Zukunft wird optimistisch geblickt

Den genauen Termin konnten die Verantwortlichen jedoch nicht nennen. Schüler- und Klassenvorspiele sind im ebenfalls vorgesehen. Ob im Februar der Tag der offenen Tür begangen werden kann, ist derzeit noch völlig offen. Darüber hinaus weist Müller auf einen Einbruchsversuch hin und äußert in diesem Zusammenhang, dass in der Musikschule kein Geld aufbewahrt wird. „Wir fahren auf Sicht. Ich glaube, ich kann das Schiff gut durchs Fahrwasser führen“, demonstriert er Zuversicht.
 
Bild: Musikschulleiter Michael Müller und seine Stellvertreterin Meike Dunkel bemühen sich darum, allmählich wieder Veranstaltungen der MSD auf die Beine zu stellen.



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