Neue Ausstellung „Kataklump“ in der Städtischen Galerie Delmenhorst – Beziehung von Fritz Stuckenberg und Paul von Ostaijen im Fokus

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„Kataklump“ heißt die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst, die am Freitag, 17. Mai, startet. Sie widmet sich thematisch vor allem einem Briefwechsel zwischen Fritz Stuckenberg und dem mit ihm befreundeten Lyriker Paul van Ostaijen Ende der 1910er bzw. Anfang der 1920er Jahre.

„Kataklump“ war der Name für eine Künstlerbewegung, die der in Delmenhorst aufgewachsene Maler Fritz Stuckenberg zusammen mit dem mit ihm befreundeten flämischen Lyriker Paul van Ostaijen gründen wollte. Doch dazu kam es nicht.

Die neue Ausstellung in der Galerie widmet sich thematisch in vier Räumen dem Briefwechsel und der Kunst dieser beiden Männer Ende der 1910er, Anfang der 1920er Jahre.

Von Berlin nach Seeshaupt

Fritz Stuckenberg hatte bereits in Paris und Berlin gelebt, ehe er ins ländliche, bayerische Seeshaupt am Starnberger See zog. Stuckenberg gehörte seit 1916 zum engsten Kreis der Sturm-Galerie von Herwarth Walden und stand somit im Zentrum des Berliner Kunstbetriebs. In seinen Berliner Jahren wandelte er sich von einem impressionistischen, den Kubismus reflektierenden Künstler zur Abstraktion hin.

In Berlin lernte Stuckenberg auch Paul van Ostaijen kennen. Intellektuell tauschten sich der Maler und der Lyriker und Kunsthändler über die Abstraktion und das kreative Potenzial der Kunst aus. Letztere war für sie nicht nur ein Ausdruck ihrer Zeit, sondern auch ein Experimentierfeld, auf dem sich die Zukunft konstituierte. Diese Überzeugung und eine große persönliche Sympathie schweißten die beiden für einige Jahre sehr eng zusammen.

Doch nach dem Ende des Krieges wurde deutlich, dass die vielfältigen Aktivitäten Herwarth Waldens nicht ausreichend finanziert waren und die Künstlerinnen und Künstler monetär nicht profitierten. Fritz Stuckenberg wendete sich enttäuscht ab. Darin bestärkte und begleitete ihn sein enger Freund, der Lyriker und Kunsthändler Paul van Ostaijen.

Fritz Stuckenberg und Paul van Ostaijen –

mehr als eine Freundschaft

Mit Paul van Ostaijen erlebte Fritz Stuckenberg die letzten, rauschenden Tage in Berlin, bevor er nach Seeshaupt zog. „Die köstliche Amoralität oder besser Antimoralität unserer Freundschaft ist ein weißglutnacktes Nervendiagramm“, schrieb Fritz Stuckenberg im Januar 1920 nach Berlin, wo sie den Jahreswechsel zusammen verbracht hatten und ihren „Silvestersturm“ erlebten.

Mehrere Gründe für den Umzug aufs Land

Die bessere Versorgung mit Lebensmitteln nach dem Krieg auf dem Land im Vergleich zur Großstadt nach dem Krieg war ebenso ein Grund für den Ortswechsel, wie die nach Möglichkeit geheim zu haltende Schwangerschaft seiner Lebensgefährtin Erika Deetjen, da Stuckenberg noch in erster Ehe verheiratet und noch nicht geschieden war.

Auch dass Heinrich Campendonk, ebenfalls ein Sturm-Künstler, in Seeshaupt lebte und als Mitglied der Gruppierungen „Der Blaue Reiter“ und der „Neuen Sezession“ gute Kontakte nach München unterhielt, dürfte den Ausschlag für die Ortswahl gegeben haben. Doch eine Verheißung war das Leben im ländlichen Bayern für Stuckenberg nicht. „Er ist in Seeshaupt nicht angekommen“, sagt Lena Reichelt, die Kuratorin der Ausstellung. Neben finanziellen Sorgen war Stuckenberg dort auch weit weg vom Berliner Kulturbetrieb.

Auch wenn Stuckenberg in den kommenden Jahren stetige Existenzsorgen plagten, war er in dieser Zeit künstlerisch äußerst produktiv. Zentrale Themen seiner Werke sind die Erotik und die sexuelle Ekstase, die für ihn Ausdruck einer kreativen Energie waren. In kubistischer Abstrahierung werden verschlungene Körper in Bewegung versetzt und mit kosmischen Sphären assoziiert.

Galerieleiterin Matilda Felix

Der intensive Briefwechsel mit Paul van Ostaijen, der in Berlin geblieben war und der Fritz Stuckenberg in seinen Briefen René nennt, schildert diese entbehrungsreichen Jahre in allen Facetten. Immer wieder geht es um die Abstraktion in Bild und Lyrik, um Kunstverkäufe und Ausstellungsbeteiligungen. „Es ist vor allem auch Gossip“, sagt Galerieleiterin Matilda Felix. Wer hat welches neue Werk herausgebracht? Wie ist es einzuordnen?

Auch Originalbriefe, wie dieser von Paul van Ostaijen an Fritz Stuckenberg, sind in der Ausstellung zu finden.

Eröffnung am Freitag um 19 Uhr,

Kindereröffnung am 19. Mai

Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Freitag, 17. Mai, um 19 Uhr. Die Ausstellung, die  zugleich Stuckenbergs Wirken online bekannter machen soll, ist bis zum 18. August im Haus Coburg zu sehen. Eine Kindereröffnung am Sonntag, 19. Mai, um 11 Uhr komplettiert das Wochenende der Vernissage. Zusammen mit Katrin Seithel probieren junge Kunstfans eine alte Schreibmaschine aus und gehen der Frage nach, wie heutzutage Nachrichten und Bilder ausgetauscht werden. Die Teilnahme für Kinder ab vier Jahren ist kostenlos, Erwachsene zahlen den normalen Eintrittspreis.

Performative Lesungen

Im Verlauf der Ausstellung gibt es performative Lesungen der Gedichte Paul van Ostaijens, die finanziell von der flämisch-niederländischen Organisation deBuren, dem Auswärtigen Amt Flanderns und dem Europäischen Laboratorium ermöglicht werden. Der erste Termin ist am Sonnabend, 25. Mai, um 19 Uhr. Übersetzerin Anna Eble und Autor Matthijs de Ridder interpretieren Paul van Ostaijens Lyrik. Eine weitere performative Lesung gibt es am 18. August.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter https://hauscoburg.de/ausstellungen/kataklump-heinrich-campendonk-paul-van-ostaijen-fritz-stuckenberg.html.

 

Bild ganz oben: Lena Reichelt hat die Ausstellung kuratiert.

 

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