Mit reichlich Delmenhorster Fans: 3. Boulevard Comedy Club in Bremen – schrill, frappierend und emotional
Am gestrigen Donnerstag, den 01. Oktober 2026, wurde im Bremer Boulevardtheater im Woltmershauser Tabakquartier der inzwischen dritte Boulevard Comedy Club veranstaltet. Die Show war auch von zahlreichen Delmenhorstern gut besucht. Die Veranstalter hatten wieder drei Acts verpflichtet, mit Julian Wolber und Ben Schafmeister zwei Comedians und mit Negah Amiri eine preisgekrönte Comedienne. Und dann war da ja auch noch Kultmoderator Markus Weise, der den Akteuren auf der Bühne wie immer in nichts nachstand. Es wurde schrill und zum Schenkelklopfen animierend, aber auch höchst emotional.
Moderator des Abends war wiederum Markus Weise, der längst zum schillernden Inventar des Formats gehört. „Zu jeder Veranstaltung gehört ein schöner Mann: Hier bin ich.“ Indes er die Gäste der gut besuchten Veranstaltung im Bremer Boulevardtheater begrüßte, lud er auch zu einem kleinen Resümee der vergangenen Tage ein und hatte selbstverständlich für die vielen angereisten Delmenhorsterinnen und Delmenhorster eine tagesaktuelle Spitze im Gepäck: einen Koffer, bzw. gleich zwei. Und allen wurde schnell bewusst, dass das eine Anspielung auf die verschwundenen Stimmzettel von der Kommunalwahl vom 13. September war. Hatte er sie gefunden? Der Vorgang war tatsächlich eine derart komödiantische Steilvorlage, dass er sich die nicht entgehen lassen konnte.
Dann widmete er sich zum besseren Kennenlernen direkt dem Publikum und hatte durchaus Schwierigkeiten, zu sortieren, wer zu wem gehörte und warum. Dass ein Pärchen seit einer Woche felsenfest zusammengehört, wie sie sich kennengelernt hatten, wer die Eltern von wem waren und weitere Verstrickungen, erwies sich als kurios bis komplex und hatte das Potenzial zum Running Gag des Events. Immerhin waren sie frappierend auskunftsfreudig. Und wer Markus Weise kennt, weiß, dass er im Verlauf der nächsten Stunden ausgiebig darauf rumreiten würde.
Julian Wolber: Ich bin ein Pfannkuchenkind
Comedian Julian Wolber stieg gleich aktiv in die Kommunikation mit dem Publikum ein: „Geht’s euch gut?“ – „Ja!“ – „Habt ihr Bock?“ – „Ja!“ – „Kennt ihr mich?“ – „Nein!“ Passiert schon mal; seine Mutter hat seinen Beruf als Standup-Comedian noch nicht so ganz verstanden, behauptet bis heute, er macht etwas mit Startup. Angesichts seines ungewöhnlichen Werdegangs, konstatierte er vor allem, dass seine Eltern ihn gar nicht mehr ernst nehmen. bezeichnete sich als Erstgeborener gar als Pfannkuchenkind. Ganz nach dem Motto: „Der Erste wird nix.“ Aus dem Publikum kam sogar der Zuruf: „Den ersten Pfannkuchen schmeißt man einfach weg.“
Rückblickend auf die Corona-Zeit, in der er nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann als Rettungssanitäter tätig war, gab er den Gästen eine gewisse Mitschuld daran, dass es ihn inzwischen auf die Bühne gezogen hat: „Wisst ihr noch, wie ihr Hilfskräften damals vom Balkon zugejubelt habt? Das fand ich schön. Da hab, ich gedacht: Da bleib ich dran. Da bin ich zu meinen Eltern und hab gesagt, ich werde Schauspieler und Comedian.“ (Stille im Saal) „Ja, ja, so haben die auch reagiert.“ Julian Wolber, hat mittlerweile mehr Follower als die Einwohnerzahl seines Dorfes. Dort, wo man Kochrezepte leiht und Argwohn geschenkt bekommt, sind 400 Einwohner auf Dauer zu wenig Publikum. Heute ist er ausgebildeter Schauspieler, Comedian und überzeugter Grenzgänger zwischen Heimat und Großstadt, zwischen Rückschlägen und Bühnenmomenten.
Zu seinen speziellen Erzählungen in der ersten Runde gehörte eine Geschichte von der Tankstelle, an der er beim Tanken feststellte, auf Toilette zu müssen. Und zwar schnell. Unverzüglich ging er in den Verkaufsraum zur „Facility-Managerin für alles“, bestellte sich einen Kaffee und holte sich den Schlüssel. „Machen Sie mir schon mal einen Kaffee; ich gehe schnell auf Toilette und komme dann wieder.“ Und während er zum Ort der Erlösung eilen will, ruft die Kassierin ihm hinterher: „Groß oder klein?“ Geradezu entwürdigend erschien ihm die Frage. War da wirklich der große oder kleine Kaffee gemeint? „Ich muss nur dringend Pipi.“
Markus Weise übernahm wieder und widmete sich dem am Samstag kommenden Tag der Deutschen Einheit in Bremen. „Ab morgen geht’s mit den Vorbereitungen rund. Viele Stärken ein Land. Die Geschäfte haben nicht auf. Aber es wird ordenlich gefeiert. Nur die Reichsbürger, die müssen arbeiten. Nein, natürlich nicht. Okay, hier vorne wird der Gag noch erklärt.“ Und währed er den nächsten Künstler ankündigte, bahnte sich auch schon der nächste Running Gag an, zumal ein Gast – Florian – aufstand und Weise ihn fragte: „Wo willst du denn wohl hin?“ – „Ich möchte gerne auf Toilette, wenn ich darf.“ – „Florian, klein oder groß?“
Ben Schafmeister
Ben Schafmeister verbindet schwarzen Humor mit messerscharfem Timing, einzigartigem Charme und reaktionsschnellen Publikumsinteraktionen. Und bleibt im Kopf. Dabei spielt er mit Themen, wie u.a. seiner Krankheit, dem Tourette-Syndrom, dem Leben als Single und dem Gefühl, älter zu werden. Der gebürtige Westfale und in Köln wohnende Ben Schafmeister stieg in seinen Slot gleich mit Bremer Fachwissen ein: „Lieber stark wohnen, als Schwachhausen.“
Und schon ging es in die Vollen, als er beispielsweise sein sehr spezielles Tourette-Syndrom erklärte. Das stellt sich so dar, dass er in aufgewühlten Situationen immer mit dem Kopf nach rechts zuckt. Und eben diese spontane und nicht zu unterdrückende Bewegung hat ihm schon reichlich Schwierigkeiten eingebracht. So etwa, als er leicht angetrunken in ein Taxi stieg, der Fahrer ihn fragte, wo es hingehen soll, und Ben nur mit dem Kopf zucken konnte. „Wir sind dann rund drei Stunden im Kreis gefahren.“ Dass das Zucken auch in recht intimen Momenten für kuriose Reaktionen sorgen kann, liegt gewissermaßen auf der Hand. Ben Schafmeister: „Ich hatte Sex.“ Das Publikum hatte Kopfkino.
Negah Amiri
Mit auf Anhieb beeindruckender Präsenz betrat Negah Amiri die Bühne, bekannt von Ladys Night, Nightwash, der ZDF-Anstalt und vielem mehr. Ihr wird aktuell zu viel Deutschland-Bashing gemacht. „Ganz ehrlich, ich muss sagen, ich liebe Deutschland. Ich bin zwar Ausländerin, bin 2005 aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schuld für vieles uns Ausländern in die Schuhe geschoben wird. Dabei sind wir die größten Deutschland-Fans. Mein Vater liebt Deutschland. Bevor wir nach Deutschland geflohen sind, hat mein Vater zu mir gesagt: Negah, mein Schatz, wir gehen ins Land der Dichter und Denker. Und dann kam ich nach Deutschland, hab‘ gemerkt, umso dichter die Deutschen sind, desto weniger denkt ihr.“
Sie erinnerte sich an die Schulzeit, als sie kein Wort Deutsch konnte und plötzlich in der Schule Türkisch können sollte. Dabei war ihr wunderschöner persischer Name Negah vielleicht nicht ganz so passend, weil in Deutschland einer der schlimmsten Begriffe, die es geben kann. Eine Iranerin aus ihrer Klasse wollte sie aufklären, „Problem ist, die heißt Nazee, was im Persischen so viel wie lieblich, reizend, zart oder schmeichelnd bedeutet.“ Aufgrund des phonetischen Gleichklangs kommen da leicht Verwirrungen auf. Eigentlich wollte die Freundin sie über die sprachlichen Gepflogenheiten in Deutschland aufklären. Aber, so Negah Amiri: „Dein Name ist eines der schlimmsten Worte, die es gibt.“
Und so berichtete sie von zahlreichen paradoxen Situationen, die sie im Laufe der Jahre erlebt hatte. Das reichte von ihren nicht enden wollenden Bemühungen, einen deutschen Pass zu bekommen, bis zu dem Ziel, frei und nicht mehr unterdrückt zu sein. Sie wollte kein Kopftuch mehr tragen müssen. „Wir sind gewissermaßen-Beauty-Flüchtlinge.“
Marc Gelhart: „Ich habe Lust auf dich!“
Kurz danach holte Markus Weise den Pressesprecher des Theater Weyhe und Boulevardtheater Bremen, Marc Gelhart, ans Mikrofon, der über den aktuellen Spielplan berichtete. So die Farce „Ab in den Schrank“ von Sébastien Castro in der Inszenierung von Marc Gelhart, in der sich ein rasantes Verwechslungsspiel entspinnt, das unaufhaltsam die Zwerchfelle der Zuschauer ins Visier nimmt. Ein Mietshaus, zwei Wohnungen – und ein Einbauschrank mit Geschichte:
Youssouf lebt seit Jahren in der alten Familienwohnung und kämpft verbissen darum, einen Einbauschrank zurückzubekommen, der rechtlich zu seiner Wohnung gehört. Sein neuer Nachbar Martin ahnt davon nichts – bis Youssouf kurzerhand eine Wand aufbricht und die beiden Wohnungen plötzlich direkt miteinander verbunden sind. Was zunächst nach einem baulichen Problem klingt, entwickelt sich rasend schnell zum Beziehungs- und Verwechslungskreisel – spätestens, als Martin versehentlich die SMS „Ich habe Lust auf dich!“ an die Ex statt an seine neueste Eroberung schickt.
Spätens jetzt wurde es emotional
Und spätestens jetzt wurde es emotional und zu Tränen rührend. Wie den Fans der Delmenhorster Comedy-Shows bekannt, betreten am Ende der ersten Hälfte die beiden Veranstalter Michaela und Christoph Becker die Bühne, erläutern ein wenig die in naher Zukunft anstehenden Termine und starten gemeinsam die Verlosung über den Live-Stream. Später macht üblicherweise Michaela Becker mit den Comedians die Auslosung der Gewinner. Doch Christoph war alleine.
Sichtlich ergriffen erklärte er den Gästen die Gründe. „Wir haben uns gemeinsam entschieden, mit der Situation offensiv umzugehen. Michi ist derzeit erkrankt und kann deshalb an der Show nicht teilnehmen. Sie hat vor kurzem eine Krebsdiagnose bekommen. Glücklicherweise hat der Krebs nicht ausgestrahlt und wir sind davon überzeugt, dass sie schon bald wieder mit an Bord sein wird.“ Die Gäste waren betroffen und spendeten kurz darauf mit einem riesigen, nicht enden wollenden Applaus die besten Genesungswünsche und große Unterstützung an Michaela Becker, die das Ganze zumindest online verfolgen konnte.
Tickets für Upcoming-Shows bereits erhältlich
Danach ging es in die zweite Runde der Comedy-Acts, die sich ebenfalls gewaschen haben sollte. Schlussendlich war es ein rundum gelungener Abend mit pointierten Angriffen auf das Zwerchfell. Am 08 Oktober folgt der 57. Comedy Club in Delmenhorst. Am 29. Oktober 2026 liefert Kay Ray seine Solo-Show im Delmenhorster El Mariachi, am 04. November kommt Julian Wolber mit „Ich hab Gusto“. Sebastian Reich und Amanda sind bereits am 07. November in Delmenhorst für eine Zusatzshow, die diesmal in der OASE, Haus Adelheide aufgeführt wird. Am 10. Dezember 2026 wird es die vierte Ausgabe der Boulevard Comedy Show geben. Obschon hier mehr Sitzplätze als bei den Delmenhorster Comedy Shows vorhanden sind, ist es aufgrund des Erfolgs empfehlenswert, sich rechtzeitig Tickets zu sichern. Eintrittskarten gibt es über den offiziellen Ticket-Shop von CLUBSHOWS.com.
+++
((Beitragsbild oben: Hat Markus Weise den verschwundenen Koffer mit Stimmzetteln in der Hand?))





DelmeNews - Jörn Petersen











Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!