Massive Angriffe gegen Delmenhorster Tierärztin kochen in den sozialen Medien hoch – eine Hetzkampagne
Wenn es um die Gesundheit der geliebten Haustiere wie den treuen Hund oder die Katze geht, sind verantwortliche Tierhalter ebenso besorgt wie alarmiert und wollen ausschließlich das Beste für ihre tierischen Familienmitglieder. Obschon die Reform der Gebührenordnung die Haltung und insbesondere die tierärztliche Versorgung viele an den Rand der persönlichen Budgets bringt, inzwischen teilweise auch Tierhilfe-Organisationen einspringen, verlangen sie selbstverständlich nach der fachlich besten Behandlung. Gerät die an ihre Grenzen, sind auch die Tierärzte mit der Verzweiflung der Tierbesitzer konfrontiert. Und werden nicht selten förmlich verbal in der Luft zerrissen.
So erlebt das derzeit – mal wieder – Frau Dr. Hoffmann. Vorgeworfen werden ihr zahlreiche überhöhte Rechnungen für unterschiedlichste Leistungen. Die Betroffenen empfehlen sich gegenseitig, die Tierärztekammer als auch entsprechende Anwälte einzuschalten. Größtenteils betreffen die im öffentlichen Raum geführten Diskussionen das leidige Thema der Finanzen, wobei durchaus vergessen wird, dass eben die Tierärztekammer die Tarife vor wenigen Monaten inklusive etwa der der Notdienst-Zuschläge deutlich nach oben korrigiert hatte. Allerdings fallen auch vehemente Ausdrücke wie „Schlachtbank“ und mehr, die sehr deutlich unter der Gürtellinie landen.
„Was Sie verbreiten, sind Lügen“
Jetzt folgen Reaktionen von Usern, die der angegriffenen Tierärztin beispringen wollen. So schreibt eine Dame, seit 37 Jahren ehrenamtlich im Tierschutz aktiv: „Frau (…), haben Sie nichts Besseres zu tun, als Leute aufzuhetzen und Unwahrheiten zu verbreiten? (…) Das, was sie hier verbreiten, sind Lügen. Mal ganz ehrlich, wenn ein Tierarzt meinen Hund umgebracht hätte, würde ich doch sofort etwas unternehmen und nicht nicht nach zwei Jahren anfangen, auf Frau Dr. Hoffmann loszugehen. Mal unter uns, den Prozess haben Sie doch verloren.“ Laut der Kommentatorin war bislang vor Gericht in diesem Fall niemand erfolgreich, weil eben keiner irgendwelche Beweise für ein ärztliches Fehlverhalten habe. Aber: „Viele Leute glauben das, was Sie verbreiten, und jeder hetzt mit. Traurig, kann ich nur sagen.“
Nie etwas Negatives erlebt
Fakt ist, gegen Frau Dr. Hoffmann wurde niemals ein Berufsverbot ausgesprochen. Vielmehr hatte sie sich freiwillig – sicherlich auch aufgrund des Drucks von außen – dazu entschieden, ihre Approbation abzugeben, was schlussendlich bedeutet, dass sie weiterhin unter Anweisung eines approbierten Tierarztes tätig sein kann. Und zwar mit den Tätigkeiten, die auch von Tierfachärztlichen Fachangestellten (TFA) durchgeführt werden. Gleichwohl sei Dr. Hoffmann der Userin seit rund 30 Jahren bekannt und in diesem Zeitraum habe sie nie etwas Negatives erlebt. Tag und Nacht sei sie immer für die Tiere dagewesen. Zwischen den Zeilen wirft sie der „Anklägerin“ vor, sie hätte nur das Geld von Frau Dr. Hoffmann bekommen wollen. Aber das Gericht habe anders entschieden.
Keine Behandlungsfehler nachgewiesen
Frau Dr. Hoffmann (senior) wurde tatsächlich im Jahr 2020 wegen insgesamt 21 Taten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Dabei musste sie eine Summe von 42.000 Euro zurückzahlen und weitere 60.000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen wie den Delmenhorster Tierschutzverein und den Deutschen Tierschutzbund leisten. Bei keinem der Sachverhalte handelte es sich allerdings um Behandlungsfehler, mangelnde Fürsorgepflichten oder ähnliche Vorwürfe. Vielmehr ging es – ausschließlich – um Versicherungsbetrug, wobei sie vor Gericht bis zum Schluss ihr eigenes aktives Mitwirken bestritt.
Rufzerstörend für gesamten Berufsstand?
Verbleibt schlussendlich die Frage, inwieweit Hetzkampagnen im öffentlichen Raum erstens rufzerstörend sind und ganze Schicksale ruinieren können und zweitens das dringend notwendige Vertrauen von Tierhaltern in Tierärzte und Fachkräfte extrem belasten. Geht es im aktuellen Kontexte um finanzielle Belange, kann die Empfehlung nur lauten, rechtzeitig eine Tierversicherung abzuschließen. So niedlich die Hunde, Katzen und weitere Haustiere anfangs auch sein mögen. Im fortgeschrittenen Alter ist eigentlich nicht die Frage, ob unkalkulierbare Kosten auf die Besitzer zukommen, sondern wann. Zudem scheint es angebracht, Fragen, Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten weniger lautstark im öffentlichen Raum auszubreiten. Andernfalls könnte ein gesamter Berufsstand aufgrund impulsiv verständlicher Verzweiflung in Misskredit geraten.
((Betragsbild: Für die besten Freunde wollen alle nur das Beste))





DelmeNews - Jörn Petersen




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