Längst nicht alle Probleme bei Pflegeausbildung gelöst – Grotelüschen informiert sich beim IWK

20. 08. 2019 um 14:29:38 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Fachkräfte werden auch im Pflegebereich händeringend gesucht. Das ist auch in Delmenhorst so. Zwar schaffen neue Gesetzte Verbesserungen bei der Pflegeausbildung. Doch dass noch an einigen Stellschrauben gedreht werden müsse, findet Silke Watzke, Geschäftsführerin vom IWK an der Delme. Ein Bild von der Situation machten sich Astrid Grotelüschen und Dr. Roy Kühne (beide CDU) aus dem Bundestag bei einem Besuch vor Ort heute (20. August).
 
“Die Pflegeausbildung ist ein Thema, was uns in den Politik in den letzten Jahren intensiv beschäftigt hat”, merkt Grotelüschen zu Beginn des Gesprächs an. Immerhin bestünde ein großer Bedarf nach Fachkräften in den Gesundheitsberufen. “Wir brauchen mehr Menschen, die einen Pflegeberuf wählen.”
 

Ausbildung von drei Berufen vereint

Um die Probleme zu begegnen, hat der Bund in den letzten Jahren mehrere Gesetze verabschiedet. Aktuell geht es um die Umsetzung einer neuen Ausbildung. Die fasst Alten-, Kinderkranken- und Krankenpfleger zu einem gemeinsamen Beruf zusammen. Dabei wird in den ersten beiden Jahren gemeinsam gelernt. Erst im dritten und letzten Jahr folgt die Spezialisierung auf einen der Bereiche. Los geht es mit der “Generalistischen Pflegeausbildung” ab nächstem Jahr.
 
Laut Kühne mache die Ausbildung trotz der Kritik auch von bisherigen Pflegern Sinn. Bei Ärzten erfolge auch erst später ihre Spezialisierung. Grotelüschen findet, dass die Kritik abnehme. Jetzt würden zunehmend die neuen Perspektiven gesehen, die mit der Änderung verbunden seien. Für Watzke, deren Pflegeschule in Delmenhorst direkt betroffen ist, kommen mit der Umstellung einige Herausforderungen daher. Lerninhalte müssten angepasst werden und die Strukturen geändert werden.
 

Schulgeldbefreiung löst nicht alle Probleme

Ein Problem war für viele Interessenten bisher, dass sie oft Schulgeld zahlen mussten, wenn sie eine Pflegeausbildung anfingen. Diese Pflicht hat Niedersachsen – Bildung ist Länderaufgabe – jetzt abgeschafft. Watzkes nächste Schüler, 25 Auszubildende zum Altenpfleger, haben daher 325 Euro monatlich mehr in der Tasche als ihre Vorgänger. Im letzten Lehrgang hatte die Schule nur 12 Schüler in dem Lehrgang. Die Kosten, die durch die Abschaffung des Schulgeldes entstehen, übernimmt das Land.
 
Doch das ist ein zweischneidiges Schwert. Denn Schüler, die bereits vor diesem August ihre Ausbildung begannen, müssen weiterhin Schulgeld bezahlen. “Wir begrenzen die Schulgeldfreiheit”, findet Watzke. Sie und die Politiker fürchten, dass Klagen gegen diese Regelung vorkommen könnten. Außerdem dächten viele ältere Auszubildende darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen und neu anzufangen. Sie müssten dann aber trotzdem Schulgeld bezahlen.
 

Krankenhäuser wegen Systemfehlern bei Pflegern sehr beliebt

Pfleger, die in einem Krankenhaus ausgebildet werden, erhalten seit einigen Jahren sogar eine Ausbildungsvergütung. Zudem müssten Physiotherapeuten nicht in Schichten arbeiten, da Therapien dort tagsüber stattfinden, betonen Watzke und die Politiker. In der freien Wirtschaft gingen viele Patienten dagegen erst nach Feierabend zur Therapie.
 
Die Folge: Viele Pfleger streben in Krankenhäuser, obwohl laut Kühne ein Großteil der Fachkräfte in ambulanter, nicht stationärer Pflege benötigt würde. Kühne selbst führt ein Gesundheitszentrum und hat als Pfleger gearbeitet, kennt sich in der Materie also gut aus. Er meint: “Es ist nicht mehr nachvollziehbar, dass die Krankenkassen eigene Auszubildende bezahlen, aber nicht Pflege-Auszubildende. Das ist eine Diskriminierung des Berufs.” Denn die Krankenkassen übernehmen die Pfleger-Ausbildungskosten in den Krankenhäusern.
 

Auch Lehrkräfte Mangelware

Noch eine Regelung macht Pflegeschulen wie jener von Watzke zu schaffen. In Niedersachsen müssen Lehrkräfte für Pfleger einen Master-Abschluss vorweisen. Längst nicht jeder, der sich für die Tätigkeit interessiert, habe den. In Deutsch, Mathe, Englisch, Religion und weitern Fächern herrsche daher Lehrermangel. Das IWK biete daher Hilfen für die nötigen Weiterqualifikationen an.
 
Nichts ändern kann Watzke aber an der – ihrer Meinung nach – ungleichen Behandlung von Uni- und Fachhochschul-Absolventen. Letztere seien weniger angesehen, selbst bei gleichen Qualifizierungen. Und fügt hinzu: “Wir zahlen den Lehrkräften, was wir zahlen können.” Die Zuwendungen vom Bund und Land ließen nicht mehr zu. Konkrete Angaben zum Verdienst ihrer Lehrer nannte sie nicht. Öffentliche Schulen seien besser bezahlt.
 

Grotelüschen: Duale Ausbildung wünschenswert

Trotz aller Kritik sieht Watzke die Pflegeausbildung auf einem guten Weg. Allein die Schulgeldabschaffung könne schon mehr Interessierte anziehen. Trotzdem wünsche sie sich Nachbesserungen. Grotelüschen meint, die Probleme seien erkannt und würden angegangen. Ginge es nach ihr, würde sie gleich die duale Ausbildung – mit Ausbildungsbetrieben – für die Pflege einführen. “Ich glaube, dass wäre ein wichtiger Impuls”, sagt die Abgeordnete.
 
Allerdings ist Bildung Aufgabe der Länder. Selbst wenn der Bund bei der Finanzierung hilft, muss er die Maßnahmen mit den Ländern abstimmen. Zudem würden gerade erst Zahlen erhoben, wie viele Pflegeschulen und -schüler es in Niedersachsen gibt, betonen sie und Kühne. Ohne die sei unklar, über welche Kosten geredet werden müsse.
 

IWK unterhält 16 Standorte

Das IWK unterhält insgesamt 16 Standorte in Deutschland. Der Hauptsitz liegt auf dem Nordwolle-Gelände in Delmenhorst. Dort werden verschiedene Aus- und Weiterbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen angeboten. Weitere Infos gibt es auf der IWK-Homepage.
 
Foto: Bei Silke Watzke (Mitte) im IWK Delmenhorst informierten sich Astrid Grotelüschen (links) und Roy Kühne (CDU, beide Mitglied des Bundestages) über aktuelle Herausforderungen in der Pflegeausbildung.
 



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