Kopfschütteln in Delmenhorst: Verwirrende Parkregeln am Jute-Center
Die neuen Parkregeln auf dem Areal des Jute-Center Delmenhorst stehen fest. Obschon als komfortabel und kundenfreundlich angepriesen, sorgen sie schon jetzt bei vielen Kunden für kopfschüttelndes Unverständnis. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Tücke des vermeintlichen Komforts liegt im Detail und muss von den Nutzern zunächst verstanden werden, um unliebsame und nicht minder kostspielige Überraschungen zu vermeiden.
Endlich soll Ordnung in den Parkraum einziehen. Dafür registrieren nunmehr Kennzeichenscanner präzise und auf die Minute die Kennzeichen der an- und abfahrenden Fahrzeuge. Parken ist bis auf den freien Parkplätzen bis zu zwei Stunden kostenfrei, auf dem Parkdeck sogar bis zu vier Stunden. Wer die Zeiten überschreitet, muss mit duchaus empfindlichen Strafen rechnen, nämlich einer Strafgebühr von minimal 25 Euro. Allerdings – und das ist die viele irritierende Besonderheit – werden die Parkzeiten über den gesamten Tageszeitraum aufsummiert. Wer an einem Tag mehrmals wiederkehrend das Jute-Center anfährt, darf also schon mal den timinggenauen Taschenrechner anschmeißen.
Diejenigen, die etwa morgens beim Bäcker ihre Brötchen holen, im Laufe des Tages ihre Einkäufe erledigen und abends beispielsweise die gastronomischen oder kulturellen Angebote in Anspruch nehmen wollen, haben ihr Tageskontingent demnach schon längst ausgeschöpft. Das bezieht sich eben nicht auf die jeweils neue Situation, stattdessen auf das Kennzeichnen. Dauerbelegte Parkplätze sind mit diesem Konzept ausgeschlossen. Tatsächlich aber wird auch die Frequentierung des Gesamtangebots im Jute-Center eingeschränkt, wenn nicht gar reduziert. Die Erledigungen des Tages müssen zwangsläufig komprimiert und gleichwohl geplant durchgeführt werden.
Immerhin existiert in pragmatischer Hinsicht ein eklatantes Problem: Das Nachlösen eines Parktickets ist keine Option, eine solche Möglichkeit wird nicht angeboten. Das Procedere verläuft somit nach dem Motto, dass per Pkw ankommende Kunden nach spätestens zwei bzw. vier Stunden wieder verschwunden sein müssen. Nur folgerichtig sind Kunden, die mehrere Besorgungen bei den unterschiedlichen Anbietern im Center machen wollen, von der Nichtmachbarkeit betroffen. Das funktioniert dann einfach nicht mehr. Besonders günstig ist übrigens die Überschreitung der Parkzeit von mehr als 24 Stunden, die ist nämlich auf einen Betrag von maximal 750 Euro gedeckelt.
Konzepten zur Reduzierung von Fahrzeugen widersprechend
Noch schlimmer für Familien, bei denen beispielsweise die erwachsenen Kinder das Fahrzeug – logischerweise mit demselben Kennzeichen – mitnutzen, oder solche umweltfreundlich denkenden Personen, die bei ihrer Mobilität auf zeitgemäße Car-Sharing-Optionen setzen. Die Parkmöglichkeiten sind nicht personenbezogen, was ohnehin keine rechtliche Handhabe hätte, sondern auf das Kennzeichen. Eine Kennzeichen-bezogene Scanfunktion widerspricht somit allen Bestrebungen, die Anzahl der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu reduzieren.
Mit dem mulmigen Gefühl der Überwachung im Bauch
Mit der aktuell eingeführten Regelung, die neben Delmenhorst auch deutschlandweit im Trend liegt, verbleibt gleichwohl der Eindruck eines klammheimlich zunehmenden Überwachungsstaates mit der gescannten Kontrolle personenbezogener Daten im öffentlichen Raum. Sofern die Daten unverzüglich – und nachweislich – wieder gelöscht werden, ist die Erfassung gemäß der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erlaubt. Der Nachweis der Löschung muss im Zweifelsfall erbracht werden, worauf die Betreiber tunlichst achten werden, da Ihnen andernfalls ebenfalls massive Strafen drohen. Unbesehen dessen bleibt das Gefühl, selbst beim kleinsten Ausflug kontinuierlich im Fokus von Scannern zu stehen: „Big eye is watching you“ mit praxisferner Abzocke.
Lebendiges Jute-Center oder bürokratische Posse
Die Händler, Gastronomen und Dienstleister wünschen sich ein lebendiges Jute-Center. Tatsächlich aber werden die Parkenden schikaniert, was keinesfalls im Sinne der Beteiligten sein kann. Verbleibt die Frage, ob die City- und Centermanagement Weimar GmbH als Betreiberin des Einkaufs-, Gastro-, Dienstleistungs- und Freizeitensembles eine funktionale Entlastung erreicht oder vielmehr für ein Moment der Abschreckung sorgt. Wer will schon permanent mit einem Timer im Blick shoppen, einkaufen oder schlichtweg den Tag genießen? Nach dem Einkauf noch mal entspannt zum Friseur dürfte damit wohl zum geschmolzenen Schnee vergangener Tage werden. Oder fürs Föhnen reicht die Zeit eben nicht mehr aus.
((Beitragsbild oben: Neue Parkbegrenzungsvorschriften im Jute-Center Delmenhorst))















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