JHD beteiligt Beschäftigte wie Gesellschafter am Krankenhaus – bislang einmalig in Deutschland

26. 03. 2021 um 10:28:56 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Die Beschäftigten des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) sollen ab sofort wie Gesellschafter am wirtschaftlichen Erfolg des Stadtkrankenhauses beteiligt werden. Dieses neue Modell, von dem die Mitarbeiter finanziell profitieren soll und das dem JHD Vorteile bei der Mitarbeitergewinnung verschaffen soll, wurde am Donnerstagabend vom Delmenhorster Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen.

Es sei in erster Linie dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des JHD zu verdanken, dass sich die finanzielle Situation in den letzten zweieinhalb Jahren so stabilisiert habe, sagt Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Axel Jahnz. Die Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg des JHD sehe er daher in erster Linie als eine Anerkennung dieser Leistung. „Sie ist aber auch der nächste logische Schritt zu einem „Städtischen Krankenhaus 2.0“ – wirtschaftlich stabil, attraktiv und sozial als Arbeitgeber und mit einem eindeutigen Fokus auf der Behandlungsqualität.“

Gleiche Beteiligung über alle Ebenen – von der Raumpflegerin bis zum Chefarzt

Über alle Bereiche des Krankenhauses und Berufsgruppen hinweg sollen die rund 900 Mitarbeiter gleichermaßen profitieren – aus den Servicebereichen genau so wie aus der Verwaltung, dem klinikeigenen MVZ, Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte.

Kapitalgesellschaft wird durch Vertriebsvereinbarung nachgebildet

Die Beschäftigten werden nicht tatsächlich selbst Gesellschafter, sondern es wird eine Kapitalbeteiligung durch eine Betriebsvereinbarung nachgebildet. Vom Gewinn vor Steuern – also nach dem Abzug von Abschreibungen und Zinsen – sollen die ersten 300.000 Euro vollständig an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Danach erfolgt eine Staffelung. Maximal können so 750.000 Euro ausgeschüttet werden. Der maximal ausschüttbare Betrag entspräche etwa 1,5 Prozent der Gesamtlohnsumme.

Bislang einmalig in Deutschland

„Unserer Kenntnis nach ist kein anderes kommunales Haus diesen Weg vor uns gegangen“, sagt Axel Jahnz fest. Schon einmal habe der Stadtrat eine Vorreiterrolle eingenommen, als er sich 2018 für die Rekommunalisierung des sich damals in der Insolvenz befindenden Krankenhauses entschieden habe. „Sollte das Krankenhaus jemals veräußert werden – was keinesfalls geplant und derzeit nur theoretisch vorstellbar ist – würden unsere Mitarbeiter, wie Gesellschafter, auch am Veräußerungserlös partizipieren“, erklärt Florian Friedel das Besondere an der Betriebsvereinbarung. Axel Jahnz unterstrich in einem Pressegespräch am Freitag, dass ein Verkauf des Hauses überhaupt nicht in Erwägung gezogen werde. Die  entsprechende Passage gehöre nun einmal zu einem solchen Modell dazu.

Identifikation stärken, Attraktivität steigern

Mit der Beteiligung der Mitarbeiter soll die Identifikation der Beschäftigten mit dem Krankenhaus weiter gestärkt werden und das JHD als Arbeitgeber für Bewerber attraktiver machen. „Das ist ein Differenzierungskriterium, das uns auch bei der Gewinnung von Personal in Zeiten des Fachkräftemangels einen Vorsprung verschaffen wird“, ist Geschäftsführer Florian Friedel überzeugt. Auch das Verständnis der Mitarbeiter, wie sich ein Krankenhaus finanziell selber trägt, könne dadurch gestärkt werden.

Ausgeglichenes Ergebnis in 2020 erwartet

Zwar stehe die Prüfung des Jahresabschlusses noch aus, aller Voraussicht nach habe man im Vorjahr erstmals wieder ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielt, so Friedel. 2021 werde wegen der durch die Pandemie bedingten Erlösrückgänge noch einmal ein schwieriges Jahr. „Aber dann möchten wir den Weg der wirtschaftlichen Erholung weiter fortsetzen, so dass wir in den kommenden Jahren Gewinne ausschütten können.“

2017 hatte das Krankenhaus noch einen operativen Verlust von mehr als 10 Mio. Euro gemacht und musste Insolvenz anmelden. Dass die Kehrtwende in so kurzer Zeit geschafft wurde, sei auch der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat zu verdanken. und auch schwierige Entscheidungen wie dne Stellenabbau und die Gründung einer Service- und MVZ-Gesellschaft mitgetragen. „Uns war bewusst, dass diese Maßnahmen notwendig waren, um das JHD in eine sichere Zukunft zu führen und die Arbeitsplätze langfristig zu erhalten“, sagt Betriebsratsvorsitzende Mareike Sudbrink. Betriebsrat und Geschäftsführung hätten aber immer deutlich gemacht, dass sie die Lasten, die die Beschäftigten tragen, nach und nach leichter machen werden. Einen solchen Schritt sei man im vergangenen Jahr bereits gegangen, als man vereinbart habe, die Arbeitsbedingungen in den drei Gesellschaften schrittweise wieder aneinander anzugleichen. Mit der Beteiligung der Mitarbeiter wird nun ein weiterer solcher Schritt gegangen.

JHD-Geschäftsführer Florian Friedel, Oberbürgermeister und JHD-Aufsichtsratsvorsitzender Axel Jahnz und JHD-Betriebsratsvorsitzende Mareike Sudbrink freuen sich über die neu eingeführte Mitarbeiterbeteiligung.
Bild: Stadt Delmenhorst/Sina Dittelbach

 



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