Irgendwo muss der hochradioaktive Atommüll hin – BGE prüft auch Delmenhorst, Ganderkesee und Umland
Nach dem Aus von Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Atommüll dauert die Suche nach einem neuen Standort an. Die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat nun weitere Gebiete als nicht geeignet bewertet. Weite Teile Norddeutschlands wurden aber noch nicht geprüft. Aktuell betrifft das etliche Regionen im Norden, so beispielsweise auch Ganderkesee, Delmenhorst und das Umland. Das künftige Atommülllager soll „(…) Sicherheit für eine Million Jahre bieten“. Blanke Utopie oder wirklich denkbar?
Die ersten großen Demonstrationen gegen Atomlager gab es in Deutschland bereits in den 1970er-Jahren, als sich die Anti-Atomkraft-Bewegung formierte. 1979 machten sich 350 Traktoren auf den Weg nach Hannover, um gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben zu protestieren. Als sie in Hannover ankamen, waren es 500 Fahrzeuge, begleitet von 100.000 Menschen, die friedlich demonstrierten. Bei einer Demonstration gegen das geplante AKW Brokdorf kamen im Jahr 1981 ebenfalls rund 100.000 Menschen zusammen und protestierten gegen den Bau.
In den 1980er-Jahren wurde der Fokus der Proteste erweitert, da neben den Gefahren von Kernkraftwerken auch die Lagerung des Atommülls und die Wiederaufarbeitung kritisch gesehen wurden. Die geplanten Atomlager in Gorleben waren bis 2020 immer wieder Anlass für Proteste. Schon in den 70ern stellten etliche Menschen die Frage: „Warum darf die Atomindustrie Abfall produzieren, bevor sie weiß, wo sie mit dem Abfall bleibt? Jeder Landwirt muss den Nachweis erbringen, wo der Mist seiner Schweine und Kühe bleibt, bevor er einen Stall bauen darf!“
Das Atommüll-Endlager soll unter der Erde errichtet werden, rund 1.900 Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen aus Atomkraftwerken und weiteren Abfallen aufnehmen und – bitte festhalten – Sicherheit für eine Million Jahre bieten. Dabei soll die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle laut BGE in sogenannten Wirtsgesteinen erfolgen, die mit ihren speziellen Eigenschaften die Ausbreitung der radioaktiven Stoffen „möglichst dauerhaft“ verhindern sollen. Infrage kommen Salzstöcke, Ton und Granit. Schon stellt sich die Frage, wie vermessen eine Sicherheitsprognose für eine derartige Zeitspanne ist.
Dass die Bürgerinnen und Bürger nicht gerade erfreut sein werden, falls gerade ihre Region im für sie negativen Sinn positiv bewertet und auserkoren wird, liegt auf der Hand. Auch kann ohne prophetische Ambitionen davon ausgegangen werden, dass die Proteste erneut aufflammen werden. Gleichwohl gibt es vor Ort bislang keinerlei Grund für Panikmache. Bis die Prüfverfahren abgeschlossen sind und die BGE eine evidente Vorschlagsliste vorlegen kann, werden noch Jahre vergehen. Die endgültige Entscheidung soll bis zum Jahr 2050 fallen. Doch was sind schon ein paar Jahre im utopisch anmutenden Vergleich mit „einer Million Jahre“.
Den aktuellen Stand kann man auf einer Karte der Bundesgesellschaft ansehen
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((Beitragsbild oben: Castorverladung in Dannenberg im Jahr 2001))





Wikipedia Saibo 140 / DelmeNews



ELKiO/Dirk-Michael Grötzsch / DelmeNews
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