Interview mit Petra Gerlach, Oberbürgermeisterin der Stadt Delmenhorst: Retrospektive, Tagesaktualität und Zukunft Teil 3

Im dritten Teil unseres Interviews mit Frau Gerlach dürfen wir Fragen zur Finanzierung der Kommunen seitens des Bundes, zum dringend notwendigen Bürokratieabbau und den Lösungen zur zunehmend auseinanderklaffenden sozialen Schere stellen. Was ist essentiell für das harmonische Miteinander in Delmenhorst?

DelmeNews: Die wirtschaftlichen Herausforderungen der Städte, Kommunen und Gemeinden sind immens. Das beginnt mit dem Fachkräftemangel, reicht über Themen wie die verfügbaren KITA-Plätze und endet bei der menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen noch lange nicht. Dabei sind die Kommunen die ausführenden Organe der Beschlüsse aus Berlin und Brüssel. Welche Aufforderungen haben Sie an die künftige Bundesregierung für die Finanzierung der kreisfreien Städte und Kommunen?

Petra Gerlach: Das ist richtig; neben der kommunalen Daseinsvorsorge sind wir als Kommune auch für die Wahrnehmung einer Vielzahl an weiteren staatlichen Aufgaben zuständig, die uns übertragen worden sind und stetig kommen neu auferlegte Aufgaben dazu. Es muss auch auf Bundes- und Landesebene bei jeder Gesetzgebung im Blick behalten werden, dass unsere kommunalen Ressourcen endlich sind. Die übertragenen Aufgaben müssen personell und finanziell leistbar bleiben und dürfen nicht soweit einengen, dass wir keinerlei Gestaltungsspielraum mehr vor Ort haben, um beispielsweise gute neue Projekte in der Stadt zu initiieren, weil dafür dann letztlich die Mittel fehlen.

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DelmeNews: Initiatoren, die leerstehende Objekte gerne alternativ nutzen möchten, beklagen sich über die überbordende Bürokratie und zeitintensive Antragsverfahren. Aus der Wirtschaft – insbesondere dem Mittelstand – sind die Forderungen nach Entschlackung und Beschleunigung schon seit geraumer Zeit unüberhörbar. Wie werden Sie bürokratische Prozesse künftig reduzieren, wie den deutschen Amtsschimmel in den nächsten Gang schalten?

Petra Gerlach: Als Oberbürgermeisterin einer Kommunalverwaltung kann ich diesen Wunsch durchaus gut nachvollziehen, denn auch wir haben aufgrund der Gesetzgebung an verschiedenen Stellen mit teilweise sehr aufwendigen Prozessen zu arbeiten, die unsere Kapazitäten stark binden. Da, wo es uns auf kommunaler Ebene möglich ist, Verfahren innerhalb der rechtlichen Rahmen zu verschlanken, werden wir auch aktiv. So haben wir mittlerweile beispielsweise das Verfahren zur Anmeldung einer Veranstaltung deutlich verschlanken und serviceorientierter gestalten können.

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DelmeNews: Die ökonomischen Unterschiede werden in der Gesellschaft zusehends größer, die soziale Schere biegt sich immer weiter auseinander. Haben Sie einen Tipp, mit welcher Umgangsweise sich ein Zusammenleben auch und gerade in konfrontativen Zeiten für alle Schichten harmonisch, fair und menschenwürdig gestalten lässt? Welchen Stellenwert haben Eigenschaften wie Empathie, gegenseitige Achtung, Demut, Hilfsbereitschaft, aber auch der Respekt vor der Umwelt? Was ist Ihnen persönlich besonders wichtig?

Petra Gerlach: Für mich persönlich ist der gegenseitige Respekt, aber auch das Einfühlungsvermögen essentiell im menschlichen Miteinander. Jede und jeder kann selbst einmal in eine schwierige Lage geraten und wäre dann sicher froh, nicht allein zu sein, sondern verständnisvolle Menschen um sich zu haben, die einem zuhören oder auch mal Hilfe anbieten. Wenn wir alle mehr aufeinander achten, Rücksicht nehmen und nicht nur fordern, sondern schauen, was ich selbst für einen anderen Menschen oder für die Gemeinschaft tun kann, lässt sich das Zusammenleben gerade in schwierigen Zeiten bewusster gestalten und zuversichtlich in die Zukunft schauen.

 

Wir bedanken uns herzlich für die Einblicke hinter die Kulissen der Stadtverwaltung, für die Einschätzungen des Erreichten, des Ist-Zustandes als auch die Aufklärung über die anstehenden Notwendigkeiten.

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