In Delmenhorst fehlen 3.400 Wohnungen

Aktuell fehlen in Delmenhorst rund 3.400 Wohnungen, gleichzeitig stehen 680 Wohnungen bereits seit einem Jahr oder länger leer. Das ist umso tragischer, als Wohnungen, die lange Zeit leer stehen, kaum wieder in die Vermietung gehen.

Die Zahlen gehen aus der aktuellen regionalen Wohnungsmarkt-Untersuchung des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler haben den Wohnungsbestand, die Bevölkerungsentwicklung sowie Prognosen für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung in Delmenhorst analysiert. „Vom Arbeitskräftebedarf über die Geburten bis zu den Sterbefällen – es wird sich in Delmenhorst eine Menge tun müssen. Für den Wohnungsmarkt bedeutet das, dass in den nächsten fünf Jahren rund 670 neue Wohnungen gebaut werden müssen. Und zwar pro Jahr“, sagt Matthias Günther. Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts hält dieses Pensum für Delmenhorst allerdings für „nicht machbar“.

Mit angezogener Handbremse

So habe es im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lediglich 104 Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Delmenhorst gegeben. „Der Neubau von Wohnungen in Delmenhorst läuft mit angezogener Handbremse“, so Matthias Günther. Dabei gibt es für den Leiter des Pestel-Instituts vor allem ein effektives Instrument, das den Wohnungsbau flott in Fahrt bringen würde: „Dringend notwendig ist günstiges Baugeld. Maximal zwei Prozent Zinsen, teurer darf die Finanzierung beim Wohnungsbau nicht sein. Dann wären deutlich mehr private Bauherren, aber auch Investoren endlich wieder in der Lage, neue Wohnungen in Delmenhorst zu bauen.“

Die Wissenschaftler haben die regionale Wohnungsmarkt-Analyse im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) durchgeführt. Dessen Präsidentin fehlen Anreize, die kurzfristig wirken: „Zwar geistert das Schlagwort ‚Wohnungsbau-Turbo‘ seit Monaten durch die Republik, doch von einem Turbo kann keine Rede sein“, sagt Katharina Metzger. Selbst da, wo es ein Plus bei den Baugenehmigungen gebe, passiere dies auf „denkbar niedrigem Niveau“. Dabei sei der Wohnungsbau ein wichtiger Motor der Binnenkonjunktur: „Läuft der Wohnungsbau, dann läuft auch die Wirtschaft. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Bundeskanzler Merz den Wohnungsbau jetzt zur Chefsache macht“, fordert die Präsidentin des Baustoff-Fachhandels.

Weniger ist mehr

Außerdem sei das Bauen zu kompliziert und zu teuer geworden, kritisiert der Baustoff-Fachhandel. Ein Punkt, den auch das Pestel-Institut unterstreicht: „Deutschland muss dringend wieder einfacher bauen. Wenn der Bund alle Auflagen und Vorschriften der letzten zehn Jahre komplett zurücknehmen würde, könnten in Delmenhorst ziemlich schnell wieder deutlich mehr und deutlich günstigere Wohnungen gebaut werden. Und zwar Wohnungen mit einem guten Standard. Manchmal ist weniger eben mehr“, sagt Matthias Günther.

Der Chef des Pestel-Instituts wirft dem Bund vor, dem Wohnungsbau „zehn Jahre lang durch immer schärfere Gesetze und Verordnungen viel unnötigen Ballast zugemutet zu haben“. Das habe die Kosten und damit auch die Mieten regelrecht nach oben getrieben, so der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. „Vor allem völlig überzogene Energiespar-Auflagen beim Neubau haben unter dem Strich für die Umwelt wenig gebracht, das Wohnen aber enorm viel teurer gemacht“, resümiert BDB-Präsidentin Katharina Metzger.

Bild: „Alle Auflagen und Vorschriften, die der Bund dem Wohnungsbau in den letzten 10 Jahren verordnet hat, komplett abräumen. Dann rollen auch in Delmenhorst die Bagger wieder“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Bildquelle: Tobias Seifert

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert