Im Gespräch mit Lukas Aygün, Pressesprecher der CDU-Delmenhorst – aus Perspektive der jungen Generation

Wir hatten Gelegenheit, uns mit Lukas Aygün, Pressesprecher der Delmenhorster CDU, auszutauschen. Umso interessanter sind seine Aussagen, als er selbst mit gerade mal 22 Jahren zur jungen Generation zählt und die politischen Entwicklungen aus deren Perspektive zu beurteilen imstande ist. Der angehende Jurist, der auch in der Bremer Politik tätig ist, zeigt sich ambitioniert und möchte sich einbringen. 

DelmeNews: Die Wellen kochen in den letzten Wochen und Monaten in der Frage der Bewertung von radikalen Tendenzen in dieser Gesellschaft und Politik lokal, bundes- als auch europaweit hoch. Wie stehen Sie als Pressesprecher der CDU Delmenhorst zum Antrag auf ein AfD-Verbot?

Lukas Aygün: Ich halte ein Verbot der AfD für grundsätzlich sinnvoll, wenngleich die Meinungen in Berlin durchaus unterschiedlich sind. Vor allem, wenn man sich ansieht, welche rechtspopulistischen und rechtsextremen Gesinnungen innerhalb der Partei teils offen vertreten werden. Gerade aus der Parteispitze heraus kommen regelmäßig Aussagen, die demokratiefeindlich und rassistisch sind. Solche Aussagen prägen das Grundbild dieser Partei.

Hinzu kommt: Die AfD hat bislang auf keiner politischen Ebene Verantwortung übernommen, geschweige denn irgendwo regiert. Trotzdem tritt sie auf, als wüsste sie am besten, wie man dieses Land zu führen hätte. Ihre Vorschläge sind dabei oft rechtlich schlicht nicht umsetzbar. Sie verstoßen regelmäßig gegen EU- und Völkerrecht oder gegen unsere Verfassung. Politik besteht nicht aus Parolen, sondern aus Lösungen. Und die hat die AfD nicht.

Gerade weil diese Partei zunehmend eine Gefahr für unsere demokratische Grundordnung darstellt, ist es richtig, über ein Verbotsverfahren nachzudenken. Ein Parteiverbot ist das schärfste Mittel, das unsere Demokratie kennt. Entsprechend hoch sind die Anforderungen. Deshalb muss ein solches Verfahren mit höchster Sorgfalt und vollständiger Transparenz geführt werden. Es reicht nicht aus, politische Ablehnung zu empfinden. Es muss rechtlich zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass alle verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für ein Verbot erfüllt sind.

Ein Verbot allein löst nicht das gesellschaftliche Problem. Denn das eigentliche Risiko liegt in den dahinterstehenden Haltungen: rechtsextremes Denken und antidemokratische Überzeugungen. Diese Gesinnungen verschwinden nicht durch ein Parteiverbot. Sie müssen von uns und von der Politik transparent aufgearbeitet werden.

DelmeNews: Woran kann es liegen, dass gerade die junge Generation den letzten Umfragen und Wahlen zufolge, extremer wählt und sich – so scheint es – von der demokratischen Mitte zu entfernen scheint?

Lukas Aygün: Wir beobachten eine zunehmende Entfremdung junger Menschen von der politischen Mitte. Dabei geht die Bewegung nicht nur nach rechts, sondern auch in deutlich linksextreme Richtungen. Beide Tendenzen sind alarmierend. Viele junge Menschen haben das Gefühl, nicht gehört oder nicht ernst genommen zu werden. Sie erleben Politik oft als etwas, das an ihnen vorbeigeht. Dieses Gefühl führt zu Frustration, und die entlädt sich häufig in extremistischen Haltungen. In den politischen Rändern werden sie lauter, werden wahrgenommen, finden Aufmerksamkeit. Das macht die extreme Position scheinbar attraktiv.

Diesen Mechanismus müssen wir durchbrechen. Es reicht nicht, Radikalisierung zu verurteilen. Wir müssen verstehen, was sie antreibt. Junge Menschen brauchen echte Beteiligungsmöglichkeiten und den Raum, sich mit ihren Anliegen einzubringen. Wer ernst genommen wird, muss nicht schreien. Und wer merkt, dass seine Stimme Wirkung hat, sucht nicht nach extremen Auswegen.

DelmeNews: Wo liegt die Lösung?

Lukas Aygün: Einen einheitlichen Lösungsweg gibt es nicht. Es wird immer Menschen geben, die sich radikalisieren. Trotzdem können wir durch gezielte Maßnahmen erreichen, dass weniger junge Menschen diesen Weg einschlagen. Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Es reicht nicht aus, politische Inhalte im Unterricht zu behandeln. Junge Menschen müssen frühzeitig verstehen, wie politische und wirtschaftliche Entscheidungen ihr eigenes Leben betreffen. Dieses Verständnis entsteht nicht allein in der Schule, sondern auch durch das, was im Elternhaus vermittelt wird und durch die Erfahrungen, die junge Menschen in ihrem Alltag machen.

Ebenso wichtig ist es, ihnen zu zeigen, dass ihr Beitrag zählt. Wer erkennt, wie Entscheidungen zustande kommen, und erlebt, dass eigenes Engagement etwas bewirken kann, wird seltener das Gefühl haben, außen vor zu stehen. Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einbringen und Vertrauen in den politischen Prozess entwickeln. Dieses Vertrauen entsteht, wenn wir bereit sind zuzuhören, ernsthaft auf Argumente einzugehen und auch dann offen zu bleiben, wenn Meinungen unterschiedlich sind. Wenn junge Menschen spüren, dass Veränderung möglich ist, verlieren extremistische Positionen an Anziehungskraft.

Dass Herr Aygün als wertvolles Mitglied der CDU seinen Weg gehen wird, ist insbesondere deshalb mehr als naheliegend, weil er die Bundespolitik keinesfalls losgelöst von der Lokalpolitik sieht. Er zeigt Verständnis dafür, mit welchen Mechanismen eine weitere Spaltung insbesondere bei der jüngeren Generation verhindert werden kann oder zumindest nicht zusätzlich eskaliert. Und er fragt sich, weshalb es überhaupt weiter nach rechts gehen sollte. Konservative Werte seien schließlich ausreichen vorhanden; und damit meint er Werte der demokratischen Mitte.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch an Lukas Aygün.

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((Beitragsbild oben v. lks.: Lukas Aygün, Pressesprecher CDU-Delmenhorst, an der Seite von André Tiefuhr, Vorsitzender CDU-Kreisverband Delmenhorst))

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