Hohe Präsenz der Ordnungshüter bei heutigen CSD-Paraden: Was das für den CSD in Delmenhorst im September bedeutet

Am heutigen Samstag finden in mehreren norddeutschen Städten wie Cloppenburg oder Nordenham Demos zum Christopher-Street-Day statt. Aufgrund gehäufter Angriffe aus der rechten Szene wurde die Zahl der Ordnerinnen und Ordner teils verdoppelt. Verbleibt die Frage nach der Sicherheit der Teilnehmenden am erst für den 20. September 2025 geplanten Delmenhorster CSD.

Nachdem beim CSD in Emden eine Gruppe Jugendlicher zwei Teilnehmer angegriffen und verletzt haben soll, stehen die Veranstalter auch in Stade an diesem Wochenende in besonders engem Austausch mit der Polizei. Der Verein Queeres Stade, der hier den CSD organisiert, rechnet mit mehreren Hundert Teilnehmenden. In Cloppenburg wollen queere Menschen unter dem Motto „Laut, sichtbar, stolz“ durch die Straßen ziehen.

Der 28. Juni gilt als zentraler Gedenk- und Aktionstag der Pride-Saison: der Christopher Street Day. Er erinnert an die Proteste von 1969 in der New Yorker Christopher Street – ein Schlüsselmoment im Widerstand gegen Diskriminierung und Polizeigewalt. Heute sind es die CSD-Paraden selbst, die Polizeischutz benötigen. Bundesweit ist die Anzahl queerfeindlicher Übergriffe alarmierend. Laut Polizei wurden 2024 in Deutschland täglich im Schnitt acht Fälle queerfeindlicher Hasskriminalität registriert – mit steigender Tendenz. Besonders in der Pride-Saison häufen sich gewaltsame Vorfälle und Bedrohungen gegen CSD-Teilnehmende.

Während die Angriffe auf queere Menschen zunehmen, geht die gesellschaftliche Unterstützung an manchen Stellen spürbar zurück. Einige Unternehmen verzichten aus politischen Erwägungen auf Spendengelder. Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat in diesem Jahr auf eine symbolische Unterstützung des Berliner CSD verzichtet – eine gemeinsame Teilnahme der Beamten mit der Regenbogengruppe wurde untersagt, das Hissen der Regenbogenflagge am Reichstag abgesagt. Die Gründe sind logisch nicht nachvollziehbar. Betont Klöckner doch die „Unabhängigkeit“ ihres Amtes. Wie diese Unabhängigkeit auf politischer Ebene gelebt werden kann, wenn Vielfalt außenvor bleibt, wird nicht beantwortet.

Tatsächlich brauchten die Organisierenden des Delmenhorster Christopher-Street-Day um Sprecherin Nadja Allmers-Plump lediglich anzukündigen, eine solche Veranstaltung durchführen zu wollen, schon kochten die Stimmen mit zahlreichen Hasskommentaren hoch. Laut durchaus stolzen Aussagen von Oberbürgermeisterin Petra Gerlach ist Delmenhorst allerdings eine „(…) vielfältige und weltoffene Stadt“. Hoffen wir, dass das positive Image weder heute noch im September durch Pöbeleien, Angriffe, aggressive Gegen-Demos und mehr konterkariert wird.

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