„Heute ist der Startpunkt“  – Vertragsunterschrift für die kommunale Wärmeplanung in Delmenhorst

Am Freitag, 12. Juli 2024, fiel in Delmenhorst der Startschuss für die kommunale Wärmeplanung. Doch überstürztes Handeln seitens der Bürger und Gebäudeeigentümer ist nicht erforderlich, die Ergebnisse der Analysen darüber, wie in Zukunft welche Bereiche der Stadt mit Wärmeenergie aus nachhaltigen Quellen versorgt wird, liegen im Sommer 2025 vor.

Die Wärmewende, also die Umstellung der Wärmeversorgung auf nachhaltige Energieträger, ist nötig, weil Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden will. Eine Wärmeversorgung über Gas, bei der klimaschädliches C02 entsteht, wie sie aktuell in den meisten Haushalten im Stadtgebiet noch stattfindet, wird es dann nicht mehr geben.

Neue Energieträger, die breiter aufgefächert sind als die bisherigen Lösungen, werden an ihre Stelle treten. „Es wird künftig eine viel größere Vielfalt an Möglichkeiten geben“, sagt Gema Martínez Méndez, Klimaschutzmanagerin der Stadt Delmenhorst. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Wärmewende ist die kommunale Wärmeplanung, zu der die Städte und Gemeinden gesetzlich verpflichtet wurden.

Enercity als Partner im Boot

Die Stadt Delmenhorst hat sich dazu die Expertise des Unternehmens Enercity AG aus Hannover hinzugeholt, ein kommunales Unternehmen, das früher als Stadtwerke Hannover AG firmierte. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Unternehmen, das als Dienstleister bereits etliche Kommunen in Deutschland bei der Erstellung der Wärmeplanung unterstützt hat, wurde am Freitag unterzeichnet.

Die Stadtwerke Delmenhorst hatten sich an der entsprechenden Ausschreibung für den Auftrag nicht beteiligt, wie Petra Gerlach am Freitag sagte. Sie sollen allerdings aufgrund ihrer Kompetenzen vor Ort bei der späteren Realisierung der Maßnahmen mit ins Boot geholt werden.

In Delmenhorst starten die Analysen

In den nächsten rund 13 Monaten werden Fachleute analysieren, welche Bereiche im Stadtgebiet künftig wie mit Wärme versorgt werden können. Für eine fundierte Aussage, welche Technik sich wo anbietet, ist es momentan allerdings noch zu früh – da diese Erkenntnisse eben das Ergebnis der Wärmeplanung sein werden.

Oberbürgermeisterin Petra Gerlach legte zusammen mit Gema Martínez Méndez, Marc Hansmann, Merle Trütken und Matthias Timm von der beauftragten Firma Enercity das weiter Vorgehen dar.

Vier Phasen:

Die kommunale Wärmeplanung (in Delmenhorst) gliedert sich in vier Phasen:

1.: die Bestandsanalyse

In einem ersten Schritt wird eine Bestandsanalyse vorgenommen. Es wird zusammengetragen und analysiert, welche Energiequellen aktuell in Delmenhorst wo zur Wärmeerzeugung zum Einsatz kommen und wie viele Einheiten verbraucht werden. Zweimal im Monat soll es in dieser Projektphase einen „Jour fixe“ der Enercity- mit städtischen Mitarbeitern geben. Für die Bestandsanalyse sind vier Monate vorgesehen.

2.: die Potentialanalyse

Auf die Bestandsanalyse folgt die Potenzialanalyse, für die der gleiche Zeitraum vorgesehen ist: Welche Energiequellen stehen für eine künftige Wärmeversorgung vor Ort zur Verfügung? Gibt es vielleicht einen Industriebetrieb, dessen Abwärme sich zur Wärmeversorgung nutzen lässt? Welche Rolle können Solarthermie, Geothermie (Erdwärme) oder der Einsatz von Wärmepumpen spielen?  Bei der Potenzialanalyse wird auch berücksichtigt, dass es unterschiedliche Wärmelagen gibt: In Stadtteilen, in denen große Wohnblöcke stehen, kann zum Beispiel ein Nah- oder Fernwärmenetz sinnvoll sein, während in Gebieten mit vielen Einfamilienhäusern sich eine Einzelversorgung per Wärmepumpe empfehlen kann. Fragen dieser Art werden während der Potenzialanalyse geklärt.

3.: Zukunfts- bzw. Zielszenario

Im Anschluss geht es um die Aufstellung eines Zielszenarios für das untersuchte Stadtgebiet, mit dem eine klimaneutrale Deckung des künftigen Wärmebedarfs bis 2045 erreicht werden soll. Eine Lösung könnte womöglich sein, ein Nahwärmenetz im Innenstadtbereich neu einzurichten, während in weiter außen liegenden Stadtteilen mit kleinteiliger Bebauung der Einsatz von Wärmepumpen vorgesehen sein könnte. Ob es so kommt oder womöglich ein anderer Weg sinnvoller ist, wird sich ebenfalls erst dann zeigen.

4.: der Maßnahmenkatalog

Nach der dritten Phase, für die zeitlich drei Monate einkalkuliert werden, folgt abschließend schließlich die Erstellung eines konkreten Maßnahmenkatalogs, mit dem die Wärmeplanung in Delmenhorst konkret umgesetzt werden soll. Für diese Bereiche sind zwei Monate vorgesehen.

Alles in allem dauert die Wärmeplanung gut ein Jahr und kostet rund 85.000 Euro, wovon allerdings noch Zuschüsse abzuziehen sind. Wie Projektmanagerin Merle Trütken sagt, sollen im Rahmen der Delmenhorster Wärmeplanung auch das Vorgehen der Nachbarkommunen im Auge behalten werden, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.

Kommunikation ist das A und O –

„Die Zeit, die es braucht“

Die Wärmewende ist ein hochemotionales Thema, das wurde bereits auf Bundesebene beim Heizungsgesetz deutlich. Entsprechend sollen auch die Bürger und die örtliche Politik im Laufe des Prozesses stets informiert sein. Noch im August 2024 werden der Lokalpolitik im Ausschuss für Bauen und Planen die Grundlagen der Delmenhorster Wärmeplanung vorgestellt. Und auch die Bevölkerung soll regelmäßig informiert werden.

„Heute ist der absolute Startpunkt. Wir werden uns die Zeit nehmen, die es braucht“, sagte Petra Gerlach am Freitag in Bezug auf den zeitlichen Ablauf. Somit besteht für Hauseigentümer oder Bürger aktuell kein akuter Handlungsbedarf tätig zu werden – sofern sie nicht ihre Heizung aus Altersgründen ohnehin erneuern müssen.

Persönliche Beratung zur Wärmepumpe + Vortrag zu Photovoltaik

Wer unabhängig von der nun gestarteten kommunalen Wärmeplanung in sein privates Gebäude bereits heute eine Wärmepumpe einbauen will, dem empfiehlt Gema Martínez Méndez vorab eine persönliche Beratung.

Ein entsprechendes Angebot bietet die Stadt Delmenhorst gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Energieberater Ulrich Schachtschneider berät an jedem zweiten Donnerstag (gerade Wochen) von 14.45 bis 18 Uhr im Multifunktionsraum im City-Center an der Langen Straße 1a (Eingang Marktstraße).

Die persönliche und kostenlose Beratung dauert circa 45 Minuten. Eine vorherige Terminvereinbarung unter Telefon (0800) 809802400 oder (0511) 91196-0 ist für die persönliche Beratung zwingend erforderlich, es ist von Vorteil, aussagekräftige Unterlagen und Fotos zu dem Haus oder der Wohnung mitzubringen.

Darüber hinaus findet am 8. August, 18.30 Uhr in der Markthalle ein Vortrag zum Thema Photovoltaik statt, bei dem ein Experte zum Thema informiert.

Nachholbedarf bei der Wärme aus Erneuerbaren

Dass die Wärmewende sinnvoll und eine gesellschaftliche Aufgabe ist, zeigen Zahlen. Während beim Strom inzwischen bereits rund 60 Prozent der Energie aus Erneuerbaren stammt, seien es bei der Wärmeenergie gerade einmal 18 Prozent, wie Dr. Marc Hansmann am Freitag sagte.

 

Bild oben: Oberbürgermeisterin Petra Gerlach und Dr. Marc Hansmann von Enercity unterschrieben am Freitag im Delmenhorster Rathaus den Vertrag für die Durchführung der kommunalen Wärmeplanung in Delmenhorst. Mit dabei: Klimaschutzmanagerin Gema Martínez Méndez, Matthias Timm und Merle Trütken (beide Enercity).

 

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