Haus Coburg startet umfassende Inventur der Kunstsammlung

Das Haus Coburg nimmt sich drei Wochen Zeit für eine gründliche Inventur der über 2.000 Werke der städtischen Kunstsammlung. Nach Jahren der Lagerung, wechselnder Standorte und handschriftlicher Dokumentation ist dies ein bedeutender Schritt.

Seit dem Jahr 1974 wird in der Städtischen Galerie Delmenhorst systematisch Kunst gesammelt. Dabei gab es schon vorher städtische Kunstankäufe, wie das allererste Werk der Sammlung, ein Gemälde von Josef Pollak, zeigt. Auf der Karteikarte zu diesem Werk mit der Inventarnummer 1 ist als Ankaufsdatum lediglich 195… vermerkt. Es wurde offenbar in den 1950er-Jahren angekauft, aber erst mit der Eröffnung der Städtischen Galerie im Haus Coburg inventarisiert. Auf der Rückseite der Karteikarte ist der Standort angegeben: „VHS Zimmer 8, Vermerk vom 2.10.1990.“ Diese Karteikarte beschreibt sehr anschaulich die Probleme einer analogen Sammlungsverwaltung.

Probleme mit den „Karteileichen“

„Dass eine öffentliche Kunstsammlung auf städtische Einrichtungen verteilt wird und nicht nur in den Ausstellungen und den Depoträumen der Galerie hängt, ist wünschenswert“, sagt Galerieleiterin Dr. Matilda Felix. „Wenn jedoch jede Ausleihe und jeder Standortwechsel immer wieder handschriftlich auf den Karteikarten vermerkt wird, leidet langfristig die Lesbarkeit und die Nachvollziehbarkeit.“ Zugleich tauchen Fragen auf, wenn Institutionen nicht mehr existieren, aber immer noch als Standort von Kunstwerken auf den Karteikarten stehen. Die Probleme nahmen mit den Jahrzehnten und mit wechselndem Personal zu. Denn jede neue Leitung muss sich in diese Karteikarten immer wieder neu einarbeiten und Standorte kontinuierlich überprüfen.

Mit der Artothek ist 2022 ein Arbeitsraum in der Delmenhorster Innenstadt entstanden, in dem die Sammlung in Ausschnitten sichtbar wird und zugleich die Daten der Karteikarten auf der Museumsplattform museum-digital übertragen werden. Langfristig lässt sich auf dieser gemeinnützigen Plattform nicht nur die Sammlung verwalten, sondern auch im Internet veröffentlichen. Ein wichtiger Schritt, um Forschungen und Leihverkehr mit den Sammlungsobjekten zu ermöglichen. Die von den Karteikarten übertragenen Daten müssen allerdings vor ihrer Veröffentlichung mit den originalen Kunstwerken abgeglichen werden. Dieser Arbeitsschritt lässt sich nicht parallel zum laufenden Ausstellungsbetrieb organisieren, weil der Platz fehlt, um alle Werke aus den Regalen zu holen und zu inspizieren.

Ehrenamtliche Unterstützung

Dafür macht das Haus Coburg jetzt eine Inventur, die in mehreren Schritten angelegt ist und in diesem Jahr nicht beendet sein wird. Die Restauratorin Jasmin Wollenhaupt, seit 2024 im Team der Städtischen Galerie Delmenhorst, hat die Inventur umfassend vorbereitet. Alle inventarisierten Sammlungsobjekte, inzwischen 2.060 Werke, hat sie tabellarisch zusammengeführt. Die Kunstwerke werden nun im Original geprüft, ausgemessen und fotografiert, falls noch kein Bild vorhanden ist. Jasmin Wollenhaupt hat neue Standorte für die Werke festgelegt, die digital erfasst werden. Um die Lagerflächen besser zu nutzen, wurden Regale und Wände umgebaut.

Für das Ausmessen der Kunstwerke hat sich die Städtische Galerie Unterstützung geholt: Viele Mitglieder ihres Förderkreises haben sich ehrenamtlich gemeldet und ergänzen das Team im Haus Coburg. Wie weit die Inventur mit der Prüfung der Kunstwerke kommt, wird am 5. Juni ausgewertet. Im weiteren Jahresverlauf überträgt Jasmin Wollenhaupt gemeinsam mit einer neu eingerichteten Stelle FSJ Denkmalpflege alle erhobenen Daten in die digitale Museumsplattform, um so für die nächste Inventuretappe im Januar 2026 gerüstet zu sein.

Textquelle: Stadt Delmenhorst

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