Gregor Gysi war zu Gast im Kleinen Haus – ein launig-informativer Abend
Am Sonntag, 3. Dezember, war Gregor Gysi im Kleinen Haus in Delmenhorst zu Gast. Der Politiker und Anwalt aus der Ex-DDR, der Autor, Publizist, Moderator, Familienvater und Bundestagsmitglied für die Partei Die Linke sprach eloquent und mit großem Fachwissen über die Inhalte seiner Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“. Das Interesse war groß, der Theatersaal ausverkauft.
Die Moderation des Abends übernahm der Journalist Hans Dieter Schütt, der auch an Gysis Autobiografie mitgewirkt hat. Er ließ Gregor Gysi viel Raum für seine Ausführungen, in denen der „Politstar“ so einige amüsante Anekdoten und Sichtweisen zu seiner Kindheit und dem Leben in der DDR zum Besten gab und auch von seinem Beruf als Anwalt erzählte. „Rechtsanwälte gab es in der DDR ganze 600 Stück, die finden Sie heute alleine in einer Großstadt in einer einzigen Straße.“ Mit Zitaten wie diesem hatte Gysi die Lacher auf seiner Seite.
1989 in die Politik eingetreten
Überhaupt trat der stets wortgewandte Politiker, der erst im Herbst 1989 vom Juristen eben auch zum Politiker geworden war, sehr souverän und gelassen auf und erzählte auch einiges zu aktuellen Themen wie der teils etwas verwirrenden Ampelpolitik, Sarah Wagenknecht, den aktuellen Kriegen in der Ukraine und in Gaza, zur Gleichstellung der Geschlechter, fehlende gute Mittelstandspolitik, soziale Gerechtigkeit beim Thema Bürgergeld, vergangene Bundeskanzler, der Weltpolitik sowie den kommenden Wahlen.
Die verpasste Chance der deutschen Einheit
Darüber hinaus gewährte er Einblicke in die spannenden Verhältnisse an der Spitze seiner Partei und der Bundestagsfraktion, einiges natürlich auch mit einem Augenzwinkern verbunden. Interessant waren auch seine Ausführungen zum System der DDR und was der Westen seiner Ansicht davon hätte übernehmen sollen, sodass die Einheit auch eine wirkliche Einheit hätte werden können. Denn leider, so Gysi, fühlten sich bis heute noch viele Ostdeutsche als Menschen zweiter Klasse und man müsse sich daher auch über die Wahlergebnisse dort nicht wundern.
Kommunikation muss sich verbessern
Die Kommunikation der etablierten Parteien müsse sich wesentlich verbessern, um die verunsicherten Menschen besser aufzuklären und mitzunehmen. Hierbei bedürfe es mehr Verständigung und Austausch. Auch aufklärerisch waren die Informationen im Zusammenhang mit der Ex DDR, etwa, dass es dort keine einzige Moschee gab und die Angestellten in den arabischen Botschaften nach Westberlin fahren mussten. Obwohl es sogar Gelder vom Verbündeten Arafat für den Bau einer Moschee gab, wurde das Geld wohl einfach anderweitig angelegt.
Der Islam in der DDR
Bei einem Staatsbesuch Arafats mußte dann aber über Nacht eine Moschee präsentiert werden und dafür habe dann ein Pumpwerk aus Potsdam, das einer Moschee optisch ähnelte, herhalten müssen – was wiederum großes Gelächter im Saal zur Folge hatte. Der Abend hatte überhaupt wahrlich großen Unterhaltungswert. In der Pause konnte man sich noch das neue Buch oder auch eins der älteren Werke Gysis signieren lassen und noch ein, zwei Worte mit dem Politiker wechseln.
Foto oben:
In der Pause und nach der Veranstaltung signierte der Politiker auf Wunsch seine Werke.











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