Generation Z will angeblich weniger arbeiten: Was das für Delmenhorst zwischen Realität und Wunschtraum bedeutet

Immer wieder thematisiert wird aktuell, die kommenden Generationen – so auch in Demenhorst und Umgebung – würden weniger arbeiten wollen. Den Statistiken und Meldungen zufolge erwächst daraus ein klassischer Generationenkonflikt. Die Wirtschaft ist alarmiert, zumal der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel die Produktivität ohnehin schon maßgeblich gefährdert. Doch wie realistisch ist die angestrebte Reduzierung der Wochenarbeitszeit tatsächlich?

Die Gewerkschaften setzen sich proaktiv für geringere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich ein. Vollkommen konträr positioniert sich der frisch gewählte Bundeskanzler Friedrich Merz: Deutschland müsse „(…) wieder mehr Freude am Arbeiten haben.“ Diejenigen, die der Wirtschaft im dritten Jahr der Rezession endlich wieder auf die Beine helfen wollen, schlagen bei reduzierten Arbeitszeiten die Hände über dem Kopf zusammen. Tatsächlich aber sollte bei plakativen Statistiken genauer hingesehen werden.

Seit Jahren erklären Forschende wie Prof. Dr. Jens Eschenbächer von der Hochschule Bremen (HSB), man benötige neue Ansätze für das Verständnis der Motivation junger Nachwuchskräfte. Simple Patentlösungen würden nicht mehr ausreichen, um die sogenannte Generation Z zu motivieren. So sei es sicherlich manchen nicht erklärbar, weshalb sie im festen Job mehr arbeiten sollten, wenn sie mit einem simplen Tik-Tok-Video in Sekunden viel Geld verdienen können. Tatsache ist: Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, das Thema der Worklife-Balance ist für die nachfolgenden Generationen kein rosaroter Wunschtraum, stattdessen eine konkrete Zielsetzung.

Für diejenigen, die gerne überhaupt arbeiten wollen – und das möglichst Vollzeit – wirkt die aktuelle Diskussion wie eine Farce. Laut Agentur für Arbeit in Delmenhorst haben derzeit 4.381 Menschen keinen Job, 214 mehr als im Dezember. Gegenwärtig steht die Arbeitslosenquote bei über elf Prozent und ist somit im Vergleich mit dem Vorjahr nochmals deutlich gestiegen. Diesen Menschen wird die Debatte über mehr oder weniger Arbeitsstunden kaum zu vermitteln sein.

Und tatsächlich wirkt die Initiative des „mehr und länger Arbeitens“ in der Arbeitsrealität förmlich aus der Luft gegriffen. Denn im Kontext des Arbeitskräftemangels leisten die vorhandenen Arbeitskräfte tausende von Überstunden, oftmals zum Nulltarif, was etwa von der NGG seit Jahren kritisiert wird. Allein bei der Polizei fallen tausende Überstunden an. Die abfeiern oder durch Urlaubstage abgelten? Unrealistisch bis undenkbar. In der Delmenhorster Nachbarstadt Bremen haben sich die Überstunden bei der Polizei mittlerweile auf 300.000 Stunden summiert, was nicht mal mit den Arbeitsgesetzen vereinbar ist.

Schon jetzt müssen manche Gastronomen ihre Öffnungszeiten aufgrund von Personalmangel einschränken. Auf Anhieb scheint die Rechnung deutlich. Ein weiterer geschlossener Tag bei üblicherweise sechs Öffnungstagen wöchentlich bedeutet ein Sechstel weniger Umsatz bei – abgesehen von Personal-, Energie- und Wareneinstandskosten – gleichbleibendem Kostenapparat für Pacht und Peripherie.

Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft suchen gemeinsam nach Lösungen. Solche Konzepte müssten zweifellos die Interessen aller Beteiligten abbilden. Einfach dürfte das nicht werden. Zumal die Digitalisierung bislang weit hinter den selbstgesteckten Zielen bleibt, sind die Unternehmen dringend auf menschliche Arbeitskräfte angewiesen. Die „Ressource Arbeitskraft“ wird zu einem betriebswirtschaftlichen Faktor, der in etlichen Bereichen aufgrund des Mangels längst existenzbedrohliche Formen annimmt.

 

 

 

 

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