Geflügelpest grassiert: Was das für die Gänse in der Delmenhorster Graft bedeutet

Die Vogelgrippe trifft die Geflügelwirtschaft zur Unzeit – gerade und noch bis Weihnachten hat der Verkauf von Gänsen Konjunktur. Ersten Erhebungen zufolge sind deutschlandweit etwa 400.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten gekeult und entsorgt worden, um die Seuchen-Ausbreitung möglichst einzudämmen. Die Geflügelpest breitet sich längst auch im Norden mitsamt Delmenhorst und Umgebung aus.  Doch in der Graft laufen die Gänse – glücklicherweise noch putzmunter – herum. 

Etwa in Stuhr wurde die Vogelgrippe nach einem Ausbruch bei einem Legehennen-Betrieb amtlich festgestellt, was zur Einrichtung von Schutzzonen (3 km Radius) und Überwachungszonen (10 km Radius) führte. Diese Restriktionszonen betreffen ebenso die angrenzenden Städte und Gemeinde wie Bremen, Delmenhorst, Bassum, Weyhe und Syke. In der Folge mussten bereits die Tiere des betroffenen Hofes getötet werden. Geflügelhalter in der Umgebung sind aufgefordert, strenge Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Flächendeckend wird aufgestallt. Die Gänse in der Graft betrifft das derzeit nicht.

Längst gehören die Graft-Gänse zum Stadtbild, halten auch keine artentypische Fluchtdistanz mehr ein und stellen sich auf dem vor den Graftwiesen liegenden Parkplatz gerne mal schnatternd den an- oder abfahrenden Fahrzeugen in den Weg. Dass die sich überhaupt dort aufhalten und frei bewegen können, liegt insbesondere an zwei Aspekten. Im Gegensatz zu den in der Geflügelwirtschaft gehaltenen Gänsen zählen die Graft-Gänse zu den Wildvögeln. Und für Wildtiere – wie eben auch die Kraniche, die als Zugvögel das größte Verbreitungsrisiko haben – gelten keine Schutzmaßnahmen.

Hinzu kommt, dass der Ausbruch der Geflügelpest im vergangenen Frühjahr laut Stadtverwaltung bereits für eine gewisse Grundimmunisierung der Wildvögel gesorgt haben soll. So sei aktuell nicht davon auszugehen, dass der Wildvogelbestand – also auch und gerade die Gänse in der Graft – von der grassierenden Geflügelpest betroffen sein wird. Ob dieses zweite Argument realistisch Bestand haben kann, bleibt allerdings zweifelhaft. Denn letztlich geht es vordringlich darum, die Ausbreitung des hochpathogenen Influenza-A-(H5N1)-Virus zu unterbinden. Kann eine Grundimmunisierung verhindern, zu Überträgern zu werden, oder erleben wir eine tierische Analogie zur menschlichen Corona-Zeit?

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((Beitragsbild oben: Die „Graft-Gänse“))

 

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