Franz Müntefering blickt zuversichtlich in die Zukunft – Erste Begegnung im Willms

01. 03. 2019 um 15:38:22 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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In der Mensa des Gymnasiums an der Willmsstraße fand gestern, 28. Februar, der diesjährige Auftakt zur eigens von der Schule veranstalteten Vortragsreihe „Begegnungen“ statt. Über das Thema „Generationenvertrag auf dem Rücken der Jugend – soziale Gerechtigkeit auf dem Prüfstand!“ hielt Franz Müntefering (SPD) einen Vortrag.

„Das schönste Amt nach dem des Papstes, ist das des SPD-Vorsitzes. Dieses ist nur eines von vielen Zitaten, die von Franz Müntefering stammen“, sagt Schuldirektor Stefan Nolting, der anfangs einleitende Wort verlor. Auf die gegenwärtig unter Jugendlichen vorherrschende Politikverdrossenheit ging er dabei auch ein. Sein Fazit dazu lautet: „Es fehlen Menschen wie Franz Müntefering in der Politik.“

Wertvolle Gesprächskultur

Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) ließ es sich nicht nehmen ein kurzes Grußwort zu sprechen, das ähnlichen Tenor hatte. Darin äußert er seine große Erwartungshaltung: „Ich hoffe, die Zuschauer sind nach dem Vortrag davon überzeugt, dass es sich lohnt, in eine Partei zu gehen.“

Franz Müntefering erklärt: „Das Miteinanderreden ist eine Kultur, die wichtig und unverzichtbar ist.“ Angesichts der neuen Medien sei dies allerdings keine Selbstverständlichkeit mehr. Trotzdem seien die Veränderungen durch technische Entwicklungen nicht mehr rückgängig zu machen, weshalb sich die Menschen darauf einstellen müssten.

Problembewältigung ist nur gemeinsam möglich

Er führt weiter aus: „Die große Herausforderung ist, dass sich die Welt noch in 200 oder 300 Jahren für unsere Kindeskinder dreht.“ Noch enger zusammenzurücken sei keine Lösung. „Kein Land kann das Problem allein lösen“, teilt der Politiker mit.

Müntefering nennt Europa und insbesondere die EU einen tollen Ansatz, der seit 74 Jahren Frieden sichere. Insgesamt sei die Welt rückwärtsgewandt und denke wieder nationalistischer und protektionistischer. „Wir müssen zusammenhalten und die großen Zusammenhänge sehen, wenn wir über soziale Gerechtigkeit sprechen“, hebt Müntefering hervor.

Angleichung der Bildungsmöglichkeiten und Lebensverhältnisse

Zwei Punkte seien nach seiner Auffassung dafür maßgeblich. Einerseits die Befähigungsgerechtigkeit, also die Möglichkeit sich Bildung aneignen zu können. Ehrlich räumt er ein: „Nicht alle Kinder haben in Deutschland die gleichen Chancen“. Andererseits sei die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wichtig. Dass auch diese hierzulande nicht gewährleistet sei, gibt Müntefering ebenso zu. Klar sei ihm zudem, dass sich das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung auf die Umwelt auswirke.

Geburtenrate steht im Gegensatz zu Rentnerzahlen

Im Sozialstaat komme der Generationenvertrag einzig im Rentensystem vor, bei dem es sich um ein Umlagesystem handele. Rückläufige Geburtenraten hätten zu dem Problem geführt, weil Eltern heutzutage das erste Kind viel später bekämen und es generell weniger Kinder pro Familien als früher gebe.

Aufgrund der Babyboomer aus den Nachkriegsjahren zwischen 1950 und 1965 steige die Anzahl der Personen im Rentenalter zusehends. „Die Zahl derer, die erwerbstätig sind, bleibt seit einigen Jahren gering“, erläutert Müntefering. Mögliche Lösungsansätze könnten Lohnerhöhungen sein, worauf der Staat wenig Einfluss habe, oder eine Anhebung der Beitragssätze, deren Limit aber bei 21 bis 22 Prozent festgeschrieben sei. Für Müntefering steht fest: „Wir müssten mehr in Kinder investieren.“

Rentenproblem angehen

Weiterhin bekundet er, dass die Rente allein von den Beiträgen nicht in vollem Umfang geleistet werden könne, sondern Zuschüsse vom Staat erhalte. Andere Finanzierungsmöglichkeiten durch zusätzliche Einnahmen sieht er in der Erbschafts- und Vermögenssteuer sowie in einer Finanztransaktionssteuer.

Von Steuern befreit sei einzig die Spekulation mit Geld. „Wir bräuchten eine Weltregierung, die den Beschluss fassen müsste, darauf Steuern zu erheben“, gibt Müntefering an. Der Name Generationenvertrag sei falsch, weil daran drei anstelle von zwei Personen beteiligt seien.

Berufstätige Eltern jetziger Schüler würden für ihre Kinder und zugleich für Arbeitslose, Kranke, Pflegebedürftige und Rentner bezahlen. „Der Generationenvertrag ist gültig und wird so bleiben“, ist sich der Politiker sicher. Müntefering schloss mit den Worten: „Ich bin zuversichtlich, aber war nie ein Optimist. Ich glaube dass es Menschen gibt, die das Richtige können und wollen und sich anstrengen, das dafür Nötige zu tun.“

Schüler haken in Diskussionsrunde nach

In der Folge moderierten die Schüler Anna Martens und Peer Hollmann sowie die Lehrer Jelena Jovicic und Sören Hopf eine Podiumsdiskussion mit dem Gast. Sie fragten ihn nach der Sicherheit der Rente, dem Aufschwung der Grünen, der mangelnden Attraktivität der SPD für die heutige Jugend, den Zusammenhang zwischen Politik und Sprache.

Wann die SPD den nächsten Bundeskanzler stelle, weshalb sich Politiker nicht mehr verständlich äußern und wie die junge Generation den Älteren die erkannten Probleme begreiflich machen könne, waren weitere Fragen, die Müntefering dabei beantwortete.

Martens forderte ihn letztlich dazu auf, ihr Anliegen zu unterstützen: „Mit meinen Mitschülern werde ich für unsere Zukunft demonstrieren. Helfen Sie uns dabei und machen Sie mit!“ Zwar schien der Politiker dem nicht völlig abgeneigt zu sein, doch er verwies darauf, dass der Zeitpunkt mit seinem Terminkalender vereinbar sein müsse.

Diverse Fragen der Zuschauer

Im Anschluss hatte das Publikum noch die Gelegenheit einige Fragen an Müntefering zu stellen. Währenddessen wurde er auf die von China betriebene Ein-Kind-Politik, die Privatisierung der Post und deren Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (AG), den oft heraufbeschworenen Weltuntergang, persönliche Entscheidungen und die von ihm in seinem Vortrag erwähnte Weltregierung angesprochen.

Henning Scherf ergänzt die Riege an Gastrednern

Für mehrere Besucher bestand noch weiterer Redebedarf, doch nach eindreiviertel Stunden musste der Schulleiter die rege Fragerunde abbrechen, damit der Gast nicht seine Rückfahrt mit dem Zug verpasste. Abschließend gab Nolting bekannt, dass die Vortragsreihe mit Dr. Henning Scherf (SPD), dem ehemaligen Bremer Bürgermeister (1995 bis 2005), noch Zuwachs erhalten habe. Dessen Begegnung sei für den 17. September geplant.

Bild: Zum Jahresauftakt der Vortragsreihe „Begegnungen“ im Willms war Franz Müntefering ein vielgefragter Gast.



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