Eine Trauer-Blutbuche soll in Delmenhorst an sexuellen Missbrauch in Kirche erinnern – Baumpflanzung am 17. November

Mit einer Baumpflanzaktionen beteiligt sich die Delmenhorster Kirchengemeinde St. Marien an einer Aktion zum Gedenken an den sexuellen Missbrauch in der Kirche, der von Betroffenen im Bistum Münster angeregt wurde. Am Sonntag, den 17. November, wird um 14.30 Uhr auf den Friedhof an der Schanzenstraße eine Trauer-Blutbuche als lebendiges Zeichen der Erinnerung gepflanzt und eine Gedenktafel enthüllt.

„Seitdem 2010 die ganze Dimension des Missbrauchs in Deutschland und auch vor Ort besonders in Allerheiligen bekannt wurde, hat sich die katholische Kirche in Deutschland und auch unsere Pfarrei diesem Thema gestellt und vieles zum Beispiel im Bereich der Aufarbeitung und Prävention verbessert. Wir sind da noch nicht am Ziel aber gut auf dem Weg“, erläutert Guido Wachtel, Leitender Pfarrer Dechant Dekanat Delmenhorst.

„Jetzt hat sich der Kirchenausschuss entschlossen, auch an der bistumsweiten Blutbuchen-Aktion teilzunehmen, die von Betroffenen im Bistum so angeregt wurde.“

Mit dem Baum, der über Generationen hinweg der Pflege bedarf, soll mahnend an den sexuellen Missbrauch erinnert werden, den Vertreter der katholischen Kirche begangen haben.

Bewusst gewähltes Datum für Pflanzaktion

Auch an die Vertuschung durch kirchliche Verantwortungsträger, soll mit der Aktion erinnert werden. In Zusammenarbeit mit Betroffenen wurde ebenfalls eine bistumsweit einheitliche Gedenktafel erarbeitet, die dann am 17. November bei dem Baum befestigt werden wird.

Das Datum wurde bewusst gewählt. So findet einen Tag später, am 18. November, in Europa der Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch statt.

Auch in vielen weiteren Pfarreien und Einrichtungen im Bistum Münster werden in diesem Zeitraum Bäume gepflanzt.

„Da die genaue zukünftige Planung rund um Allerheiligen oder auch vor der Pfarrkirche noch völlig in der Schwebe sind, hat sich der Kirchenausschuss für das Gelände an der Schanzenstraße entschieden.

Der Friedhof wird außer Dienst gestellt, das Gelände selbst soll zu einem Ort der Ruhe und des Gedenkens werden. In diesen Kontext passt dann auch so ein Gedenkort“, so Pfarrer Wachtel weiter.

Zum Hintergrund der Aktion

Auf Initiative von Betroffenen hat Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn im Juni 2024 alle Pfarreien und kirchliche Einrichtungen im Bistum aufgerufen, Trauer-Blutbuchen als Symbole der Erinnerung zu pflanzen und mit einer Gedenktafel zu versehen.

In seinem Schreiben wies Bischof Genn darauf hin, dass der Kampf gegen sexuellen Missbrauch immer weitergehen müsse. Zugleich müsse die Vergangenheit weiter aufgearbeitet werden und im Bewusstsein präsent bleiben.

„Zu gravierend und widerwärtig ist das, was Menschen der Kirche anderen Menschen angetan haben“, betonte der Bischof. Immer wieder müsse neu ins Bewusstsein gerufen und daran erinnert werden:

„Menschen, die sexuell missbraucht werden, leiden oft ein Leben lang darunter. Was Priester, Bischöfe und andere Mitarbeitende unseres Bistums sowie Mitwissende Menschen angetan haben, hat ganze Leben zerstört.“

Aus dem Blickwinkel eines Betroffenen: „Hängende Äste der Trauerblutbuche symbolisieren den Schaden“

Ein Betroffener des Missbrauchs in der Kirche formuliert das Anliegen wie folgt: „Erstmal möchte ich mich bedanken, dass Ihre Kirchengemeinde sich mit dem Thema Missbrauch in der Katholischen Kirche auseinandersetzt. Ein sichtbares Zeichen für diese Auseinandersetzung soll die Trauerblutbuche sein.

Die Buche ist die Pflanze der Weisheit. Die Farbe Rot ist aber auch eine Signalfarbe. Die hängenden Äste des Baumes symbolisieren den Schaden, den ein Missbrauchsopfer ein Leben lang in sich trägt.

Die Blutbuche ist durch Menschenhand – durch Züchtung – so verändert worden. Ein Eingriff in die natürliche und freie Entwicklung. Wir Betroffene, die wir durch einen Priester missbraucht wurden, tragen diesen Schaden durch unser Leben – sichtbar oder meistens: unsichtbar.

Dies alles gehört untrennbar zur Geschichte der Katholischen Kirche. Daran soll dieser Baum uns erinnern. Aber er soll uns auch in Zukunft warnen: Dass wir aufmerksam bleiben! Dass so etwas nie wieder passiert! Dazu gehört, dass genau hingeguckt wird, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde.“

 

Fotoquelle: Bistum Münster

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