Delmenhorst und umzu: Unterwegs auf der Niedersächsischen Mühlenstraße

Gestern, am 20. Mai wurde deutschlandweit der Mühlentag 2024 begangen. Dafür hatte auch Delmenhorsts ganz eigene Wassermühle in Hasbergen ihre Tore geöffnet. Doch auch über den Mühlentag hinaus sind die mechanischen Zeitzeugnisse einen Ausflug wert. Gut, dass Delmenhorst direkt an der Niedersächsischen Mühlenstraße liegt.

In Niedersachsen gibt es hier über 400 Wind-, Wasser- und Motormühlen. Während einige noch heute Einblicke in das uralte Müllerhandwerk gewähren, wurden andere im Laufe der Zeit zu Cafes, Trauorten oder privaten Wohnsitzen umfunktioniert. Viele von ihnen sind Teil der Niedersächsischen Mühlenstraße, die seit 1998 den Erhalt der geschichtsträchtigen Gebäude fördert.

Auch wenn Delenhorsts ganz eigene Wassermühle Hasbergen nicht offiziell zur Mühlenstraße gehört, ist sie einen Ausflug allemal wert. Früher wurde hier das Wasser der Delme für das Betreiben des Mühlrads angestaut. Die Wurzeln der kleinen weiß gestrichenen Mühle reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie bereits um 1450.

In ihrer langjährigen Geschichte wurde sie zerstört, wieder aufgebaut, geplündert und um eine Sägemühle ergänzt, die aber schon 1899 wieder abgerissen wurde. Dennoch hat die Hasberger Wassermühle erst 1986 ihren Betrieb eingestellt. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde sie von der Stadt Delmenhorst gepachtet und renoviert. Seit 1991 beherbergt sie eines der wenigen Mühlenmuseen der Region. (Öffnungszeiten: April bis Oktober: sonnabends 14 bis 16 Uhr, sonntags 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr).

„Mühle zur Weyhe“

Auch in Südweyhe wird das alte Handwerk am Leben erhalten. Wann genau die dortige Wassermühle erbaut wurde, ist nicht bekannt, erstmals in einem Dokument erwähnt wurde die „Mühle zur Weyhe“  jedoch schon 1260. War sie zu diesem Zeitpunkt Lehnsgut des damaligen Grafen von Oldenburg-Wildeshausen ging sie 1420 zunächst in den Besitz des Erzbischofs von Bremen über. Seitdem hat sie bis zum Jahr 1983 immer wieder ihren Besitzer gewechselt.

Das restaurierte Mühlengebäude beheimatet heute ein technisches Mühlenmuseum, einen Ausstellungsraum und das Gemeindearchiv.

Die Wassermühle in Südweyhe wurde erstmals 1260 in einem Dokument erwähnt.

Alte Klostermühlen in Heiligenrode und Hude

Eine der ältesten noch vollkommen funktionstüchtigen Wassermühlen ist die Klostermühle in Heiligenrode. Sie wurde zusammen mit dem Benediktinerkloster 1182 von Friedrich von Mackenstedt gestiftet, zunächst vom Kloster bewirtschaftet und erst 1865 an einen selbstständigen Müller verkauft.

1977 übernahm die Gemeinde Stuhr schließlich das gesamte Mühlenensemble, bestehend aus Klostermühle – mittlerweile turbinenbetrieben –, dem alten Müllerwohnhaus von 1750 und einem neueren Müllerwohnhaus, das 1829 errichtet wurde. Nach aufwendiger Restauration können Besucher hier in den Mühlenalltag vergangener Tage eintauchen, oder in der Mühlenscheune alte Maschinen für den Anbau und die Ernte des Getreides besichtigen.

Auch die Wassermühle in Heiligenrode beherbergt ein Museum.

Auch bei der Wassermühle in Hude handelt es sich um eine Klostermühle. Historiker vermuten, dass sie zusammen mit dem Kloster Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Gebäude, so wie es heute unweit des ursprünglichen Ortes steht, wurde allerdings erst um 1800 erbaut. Anders als bei der Klostermühle Heiligenrode beherbergen die Räumlichkeiten der dreistöckigen Klostermühle Hude eine Galerie. Zudem kann sie als Hochzeitsmühle genutzt werden.

In der Klostermühle Hude kann heute geheiratet werden.

Galerieholländer von Ganderkesee

Im Gegensatz zu Wasser lässt sich der Wind nur schwerlich regulieren. Wurden bei den Wassermühlen die Fließgewässer manipuliert, um Energie zu erhalten, mussten die Flügel der Windmühlen so konstruiert werden, dass er sich an die verändernden Windbedingungen anpassen konnten.

Delmenhorst am nächsten gelegen sind die Galerieholländer in Ganderkesee. Da wäre zum einen „De Lütje Anja“, ein einstöckiger Galerieholländer in Ganderkesee-Habbrügge, der wahrscheinlich um 1870 als Getreidemühle in Sulingen erbaut wurde. 1987 wurde die Sulinger Windmühle gekauft, nach Habbrügge transportiert und hier wieder nach historischem Vorbild errichtet. In ihrem Inneren beherbergt De Lütje Anja heute ein Trauzimmer und eine Teestube.

In Ganderkesee kann man gleich zwei Windmühlen bestaunen.

Die Buckmanns Windmühle in Ganderkesee-Altengraben, die vermutlich 1894 errichtet wurde und über deren Werdegang nur wenig bekannt ist, wird hingegen seit 2002 als Wohnsitz genutzt und kann nicht besichtigt werden, ist aber dennoch schön anzusehen.

Hier geht es zur kompletten Übersicht.

 

Bild ganz oben: Die Wassermühle in Hasbergen beherbergt heute ein Mühlenmuseum.

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