Delmenhorst und deutschlandweit: Monatelanges Warten auf Facharzttermine soll ein Ende haben
Die niedergelassenen Ärzte sind maßlos überlastet, die Patientinnen und Patienten frustriert: Insbesondere für Termine bei Fachärzten müssen oftmals monatelange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Selbstverständlich wollen kranke Menschen in zumindest einigermaßen absehbarer Zeit behandelt werden. Doch das System ist längst an seine Grenzen gekommen.
Nun plant die immer noch neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Terminvergabe dadurch besser zu steuern, indem die Patientinnen und Patienten zuerst in eine Hausarztpraxis gehen sollen, um sich von dort überweisen zu lassen. Verbraucher- und Patientenschützer kritisieren den Vorstoß, indes der Hausärztinnen- und Hausärzteverband die Pläne begrüßt. Dabei hatten wir das doch schon mal.
Vermeintlich wertungsfrei verwies die Ministerin darauf, dass die Menschen hierzulande häufiger zum Arzt gehen als anderswo. „Deswegen brauchen wir mehr Steuerung, um unnötige Arztbesuche zu vermeiden und um Patienten, die darauf dringend angewiesen sind, schneller Termine bei Haus- und Fachärzten zu verschaffen.“ Gleichwohl will Warken mit den Plänen auch Benachteiligungen von Kassenpatienten entgegenwirken, die häufig schwieriger zum Zuge kommen. So äußerte sie, bei der Terminvergabe dürfe es keinen Unterschied machen, ob jemand privat oder gesetzlich versichert ist.
Im jetzigen Status ist die Ausgestaltung derzeit noch äußerst offen. Was bislang steht, ist die Intention, dass Union und SPD ein verbindliches sogenannte „Primärsystem“ nach dem oben beschriebenen Muster einführen wollen. Dass sich die Menschen, die wider der Bestrebungen doch keinen Termin in absehbar verträglichem Zeitraum erhalten, optional von Fachärzten in Kliniken behandeln lassen können sollen, wird sogar als „Termingarantie“ bezeichnet.
Bekanntlich ist das Netz der Hausarztpraxen angespannt, rund 5.000 Arztsitze sind deutschlandweit unbesetzt. Gerade auf dem Land wird die Situation der medizinischen Versorgung immer desolater; auch deshalb, weil der Nachwuchs fehlt, während viele Ärzte alsbald in den Ruhestand gehen werden. Die Ampelkoalition führte bereits Anreize und Vereinfachungen ein, um den Beruf attraktiver zu machen und die Präsenz zu erhalten. Und exakt daraus ergibt sich die Frage, wie durch ein anderes Terminvergabesystem die Anzahl der verfügbaren Facharzttermine gesteigert werden soll.
Tagesaktuelle Realität ist, dass es vor allem für gesetzlich Versicherte zum Geduldsspiel wird, einen Facharzttermin zu ergattern. Wartezeiten von teils mehreren Monaten sind eben nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Allerdings halten Krankheiten sich nicht an Termine. Ob und inwieweit eine Erkrankung zeitkritisch ist, lässt sich ohne die entsprechenden Untersuchungen in vielen Fällen kaum einschätzen. Die Untersuchung muss erst noch durchgeführt, die Diagnose erst gestellt werden. Doch der Termin liegt in weiter Ferne. Kollabiert das System und lässt es sich wirklich durch ein verändertes Procedere in der Terminvergabe im positiven Sinne verändern?





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