Delmenhorst arbeitet täglich über 100.000 Stunden
Rund 101.000 Stunden arbeitet Delmenhorst – und zwar im Schnitt an jedem Tag. So viele Arbeitsstunden leisten nach Berechnungen des Pestel-Instituts alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zusammen: im Handwerk, in der Industrie, in den Dienstleistungen und im Handel.
Viele schieben täglich Überstunden, und auch Schichtarbeit ist eine Herausforderung für die Beschäftigten: „Gerade der Wechsel von Früh-, Tages-, Spät- und Nachtschicht reibt viele Menschen auf“, sagt Björn Bauer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Er kritisiert, dass die Bundesregierung jetzt auch noch an der Arbeitszeit rüttele: „Der Bund will den 8-Stunden-Tag kippen, künftig sollen 12-Stunden-Schichten möglich sein. Das darf auf keinen Fall passieren!“ Der Gewerkschafter warnt: Die Beschäftigten würden das teuer bezahlen – und zwar mit ihrer Gesundheit. Die NGG ruft daher ihre Mitglieder dazu auf, sich an der bundesweiten Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) „Mit Macht für die 8“ zu beteiligen.
Zuviel Arbeit schadet der Gesundheit
Wer regelmäßig mehr als 10 Stunden am Tag oder über 40 Stunden in der Woche arbeite, der werde das irgendwann merken: „Es fängt mit Kopfschmerzen und Schwindelgefühl an“, so Björn Bauer. Auch Verdauungs- und Schlafstörungen seien oft Folgen einer zu langen Arbeitszeit. „Viele Beschäftigte ignorieren diese Signale. Richtig schlimm wird es, wenn Überstunden in Dauerschleife zu einem Burnout, zu Depressionen, Diabetes oder einem übermäßigen Alkoholkonsum führen“, sagt NGG-Geschäftsführer Bauer. Besonders belastend seien auch unregelmäßige Arbeitszeiten: „Vor allem Früh-, Spät- und Nachtschichten bringen die innere Uhr enorm durcheinander. Wenn die dann noch im Wechsel laufen, wird es für die Gesundheit schnell kritisch“.
Erhöhtes Unfallrisiko
Außerdem seien lange Arbeitstage auch aus Sicht des Arbeitsschutzes nicht ungefährlich. „Denn das Unfallrisiko steigt nach 8 Stunden stark an. Die Ermüdung nimmt zu, die Konzentration ab. 10 Stunden und mehr am Stück sind hoch riskant. Ab der 12. Stunde passieren statistisch doppelt so viele Unfälle wie bei einem 8-Stunden-Tag“, sagt Björn Bauer. Er beruft sich dabei auf arbeitsmedizinische Untersuchungen. Auch das Schlaganfallrisiko steige bei 41 bis 48 Wochenstunden um 10 Prozent. Bei 55 und mehr Stunden pro Woche sogar um 33 Prozent. Gleichzeitig erschwerten noch längere Arbeitszeiten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so Bauer: „Wer holt das Kind aus der Kita ab oder unterstützt pflegebedürftige Angehörige, wenn überlange und unplanbare Arbeitstage die Regel sind?“
Am 8-Stunden-Tag dürfe daher keiner rütteln. „Wer die Tageshöchst-Arbeitszeitgrenze aus dem Gesetz streicht, sägt an einem zentralen Pfeiler des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Das müssen die Bundestagsabgeordneten aus Delmenhorst und der Region wissen und mit nach Berlin nehmen“, fordert der Geschäftsführer der NGG Bremen-Weser-Elbe.












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