Carpenter Delmenhorst schließt vollkommen unerwartet – rund 150 Mitarbeitende bangen
Carpenter gehört als Zulieferer für die Automobilindustrie zu den Weltmarktführern, so auch mit dem Standort in Delmenhorst. Nun der Schock: Das Unternehmen hat verkündet, sein Werk bis Jahresende 2025 zu schließen. Rund 150 Arbeitsplätze sind bedroht. Unklar bleiben bislang die Gründe. War die Schließung von langer Hand geplant oder ist es eine kurzfristige Reaktion auf die Zoll-Dekrete von Donald Trump?
Seitens der Geschäftsführung wurde vor wenigen Tagen angekündigt, das Carpenter-Werk in Delmenhorst bis Ende 2025 zu schließen. Die Ankündigung kam insbesondere für die Belegschaft überraschend. Weder die Gewerkschaft noch der Betriebsrat waren vor der öffentlichen Verlautbarung informiert oder involviert worden. Von der Schließung betroffen sind rund 150 Beschäftige.
Was die Schließung seit langer Zeit geplant?
Begründet wird die Schließung des Chemie-Unternehmens Carpenter in Delmenhorst mit der Notwendigkeit von Kostensenkungen. So trifft das Unternehmen die Entscheidung vermeintlich „(…) im Zuge einer deutschlandweiten Restrukturierung“. Tatsächlich wurde der Betrieb schon seit Jahren eher restriktiv behandelt. So wurden beispielsweise Produktionsmaschinen in andere Standorte verlagert, auch gab es schon länger keinen Betriebsleiter mehr, was auf eine seit geraumer Zeit geplante Schließung hinweisen könnte, bei der allerdings die obligaten Informationspflichten gegenüber den Mitarbeitenden nicht wahrgenommen wurden.
Oder Reißleine wegen von Trump verhängter Zöllen
Andere vermuten wiederum höchst aktuelle Gründe, zumal sich die Ereignisse im Automobilsektor gegenwärtig überschlagen. Nach der medial inszenierten Ankündigung der Zölle durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump ist klar, dass die europäische Automobilindustrie inklusive sämtlicher Zulieferer massiv betroffen sein wird. Seit dem 03. April erhebt die USA 25 Prozent Zölle auf Auto-Importe. Das gilt auch für Autoteile. Bislang verlangten die USA einen Zollsatz von 2,5 Prozent auf Pkw-Importe.
Exporte und Produktion massiv unter Druck
Trump nutzt die Zölle als Machtinstrument und Werkzeug, womit er bezweckt, die Importe zu reduzieren, die Hersteller in den USA produzieren zu lassen und das Außenhandelsdefizit produktübergreifend zu korrigieren. Somit soll also ein Ausgleich im interkontinentalen Warenverkehr zwischen europäischen und amerikanischen Fahrzeugen hergestellt werden. Nur vergisst er dabei, dass US-amerikanische Pkw aufgrund des hohen Verbrauchs, der nicht EU-normativen Abgase und der oftmals überdimensionierten Abmessungen hierzulande in der geforderten Größenordnung schlichtweg unverkaufbar sind. Die globalen Börsen haben bereits mit eklatanten Talfahrten reagiert. Der umstrittene Präsident verbrennt sogar den dortigen Rentenfonds.
Auswirkungen der Dekrete in Delmenhorst spürbar?
Arbeitsplatzsorgen nach nur zwei Jahren wieder akut
Gegründet wurde der Betrieb in Delmenhorst im Jahr 1996, damals noch als Benien-Produktionstechnik. Im Laufe der nunmehr fast 30 Jahre des Bestehens gab es immer wieder Umfirmierungen und Übernahmen, die gleichwohl bei Mitarbeitenden für Unsicherheit sorgten, aber auch Hoffnung machten. Erst 2023 wurde das Werk schlussendlich von Carpenter übernommen, dem weltweit größten vertikal integrierten Hersteller von Polyurethanschäumen. Die Sorgen sind innerhalb kürzester Zeit wieder da und akut wie selten zuvor. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereiten sich laut Felix Walczak, Gewerkschaftssekretär bei der IG Bergbau, Chemie, Energie in Oldenburg, aktuell mit rechtlichem Beistand auf Verhandlungen über einen Interessensausgleich inklusive Sozialplan vor.
Aufgrund des Portfolios nicht ganz nachvollziehbar
Carpenter gehört zu den bedeutenden Zulieferern der internationalen Automobilindustrie und gilt in seinem speziellen Segment als Weltmarktführer. In Delmenhorst werden insbesondere Dämmmaterialien für Autos produziert. Darüber hinaus spielt der Standort in Delmenhorst eine wichtige Rolle bei der Herstellung von rund 5.000 für die Fahrzeugproduktion bestimmten Produkten. Die Delmenhorster Niederlassung erstreckt sich über ein 45.000 Quadratmeter großes Grundstück mit einer 16.000 Quadratmeter großen Fabrikhalle. Bevor man die Fabrik betritt, durchschreitet man Gartenanlagen, die einen Kontrast zur industriellen Umgebung bilden.
Dass die deutsche Autoindustrie vielfach die Entwicklungen verschlafen hat, ist inzwischen jedem bewusst. Zumal das Produktportfolio von Carpenter jedoch keinesfalls von der Art der Antriebe abhängig ist, ein Rückgang sich demnach nicht durch den Absatz spezifischer E- oder Verbrennermodelle erklären lässt, außerdem die Polyurethanschäume weltweit vertrieben werden, sind die eigentlichen Gründe für die Arbeitnehmer nicht wirklich nachvollziehbar.












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