Bremer Bürgermeister Bovenschulte folgt Einladung der Delmenhorster SPD
In Delmenhorst hat das Rennen um die Wählerstimmen für die Kommunalwahlen im September längst begonnen und deutlich an Fahrt aufgenommen. Nun erhielt der SPD-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Alexander Mittag prominente Unterstützung vom Bremer Bürgermeister und Präsidenten des Senats Dr. Andreas Bovenschulte. Der folgte am gestrigen Samstag, den 04. Juli 2026, der Einladung der Sozialdemokraten zum gemeinsamen Austausch auf der Sommerwiese. Ebenfalls vor Ort waren Ralf Wessel, Bürgermeister von Ganderkesee, und Nils Siemen, Bürgermeister von Nordenham.
Dass Lars Konukiewitz die Begrüßung gleich mit den Worten einleitete: „Bovi, wir wollen einen Wechsel in Delmenhorst“, war angesichts des Kommunalwahlkampfes kaum verwunderlich. Kurz darauf zeigte sich auch schon Alexander Mittag in derselben Tonalität: „Wir werden uns die Hacken ablaufen und einen intensiven Wahlkampf führen.“ Dabei bezeichnete er die SPD als den „Arbeitsmuskel im Delmenhorster Stadtrat“. So seien von den Sozialdemokraten in der Vergangenheit die meisten großen Anträge und die meisten Debatten angestoßen worden. Dem einen oder anderen Lektüreleser sei vermutlich noch eine spektakuläre Ratssitzung der vergangenen Tage in Erinnerung.
Delmenhorst ist vor allem eins: Keine Insel
Besonders hohe Relevanz hat für Mittag die Kooperation mit umliegenden Städten und Gemeinden: „Delmenhorst selber beschäftigt uns selbstverständlich ausgiebig, ist aber vor allem eins: keine Insel. Drumherum haben wir viele tolle Gemeinden, große Städte und werden von vielen engagierten Genossinnen und Genossen in der Kommunalpolitik begleitet. Und gerade in der Kooperation zwischen Delmenhorst und Bremen, da geht noch was. Grundsätzlich muss das Rad nirgendwo neu erfunden werden. Je stärker wir zusammenarbeiten, je mehr wir in die Kooperation miteinander gehen, umso effizienter können wir auch unsere eigene Arbeit gestalten. Am Ende des Tages zählt es, nicht nur vernünftige Politik für die Stadt zu machen, sondern vor allem auch gute Politik für die gesamte Region, für das Land und insbesondere für die Leute, die hier leben.“ Auch in diesem Sinne freute er sich über den besonderen Gast auf der Delmenhorster Sommerwiese.
Aus dem Nähkästchen der eigenen Vergangenheit
Bovenschulte erzählte zunächst eine charmante Geschichte aus dem Nähkästchen seiner eigenen Vergangenheit: „Ich verrate jetzt etwas, das ich bislang selten erzählt habe. Als ich in Bremen noch nicht so politisch aktiv war, sondern mich zuvor schon ausgiebig mit Kommunalrecht befasst habe, da hat mich mal jemand gefragt: Was willst du denn später werden? Und weil ich so auf eine kommunale Einrichtung in der Nachbarschaft fixiert war, war meine Antwort: Bürgermeister von Delmenhorst. Das hat sich dann ein bisschen verschoben, ich bin anschließend Bürgermeister in Dreye gewesen und hab mich dann nach Bremen orientiert. Das ist auch schon lange her, aber daran sieht man, Delmenhorst hat schon eine besondere Ausstrahlung, auch beispielsweise auf junge Menschen, die in Bremen studiert haben. Ich habe das Interesse nie an die große Glocke gehängt und lieber Alexander, du musst dir keine Sorgen machen, ich strebe keinen Wechsel an. Wir haben mit dir einen hervorragenden Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in Delmenhorst.“
Die Parallele zum Motto Bremens: Viele Stärken – eine Region
Anschließend wurde er konkreter und zog eine Parallele zum Motto der Bremischen Bundesratspräsidentschaft. Die heißt: Viele Stärken – ein Land. Und wie durch ein Wunder gebe es eine gewisse Ähnlichkeit zum Motto der Region: Viele Stärken – eine Region. Und genau das sei es, was man in den Mittelpunkt stellen müsse. Es gebe zu viele Fragen, die an der Landesgrenze überhaupt keinen Halt machen. Es gebe tausende von Menschen, die in Delmenhorst wohnen und in Bremen arbeiten, und auch umgekehrt. Bovenschulte: „Weil es eben unterschiedliche Stärken gibt und unterschiedliche Dinge, die die Menschen in der Region schätzen. Wenn man in Bremen lebt, fährt man gerne zur Grafttherme, und wenn man in Delmenhorst lebt, weiß ich, dass der eine oder andere auch zu Werder Bremen fährt. Hoffen wir mal, dass das in der nächsten Saison noch viel, viel mehr wird.“
Und weiter: „Wenn wir uns angucken, was die Herausforderungen in der Region sind, dann sind die wirklich mannigfaltig, wie das überall in Deutschland ist. Ich will euch jetzt keinen großen Allround-Überblick geben, wäre auch ein bisschen zu langweilig für so einen wunderbaren Nachmittag. Aber ich sag mal eine Sache, die Grundlage von allem ist: Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts. Wir können es uns nicht leisten, dass unser Land deindustriealisiert wird. Das wir im Norden etwas besser dran sind, wegen unserer Stärke bei der Erneuerbaren Energie, bei unserer Stärke der Luft- und Raumfahrt, wegen der Stärke im Bereich von Sicherheit und Verteidigung, das hilft insgesamt allenfalls bedingt. Vielmehr brauchen wir einen großen Ruck in Deutschland. Denn das, was wir gerecht verteilen wollen, damit alle Menschen ein gutes Leben haben, das müssen wir gemeinsam erwirtschaften“
Wenn man die Wirtschaft betrachte, dann seien viele Dinge natürlich nicht in der Region zu lösen, so etwa die Herausforderungen beim Mercedes-Werk, einem der größten Arbeitgeber in der Region auch für Delmenhorsterinnen und Delmenhorster. Deswegen könne einem das Schicksal des Werks überhaupt nicht egal sein. „Kürzlich war ich in Brüssel als Bundesratspräsident und hab mit dem Parlament gesprochen, mit der Kommission. Und überall hab ich eines deutlich gemacht: Wir können es uns nicht erlauben, dass unser Land deindustrialisiert wird, können uns nicht erlauben, dass subventionierte Konkurrenz auf dem Weltmarkt unsere Industrie plattmacht. In diesem Kontext müssen dann auch die notwendigen Schutzmaßnahmen auf europäischer Ebene und auf Bundesebene getroffen werden. Das kriegen wir allein in den Ländern und Kommunen nicht hin und da erwarte ich ein ganz klares Bekenntnis der europäischen Ebene und der Bundesregierung zur Stärkung unserer industriellen Kerne, insbesondere auch unserer Autoindustrie.“
Schrottimmobilien: Solche Schandflecken gehören abgerissen
Zudem sprach er über das Thema Wohnen und in diesem Zusammenhang insbesondere über die Problem- bzw. Schrottimmobilien. „Wir haben in Bremen eine Liste gemacht, da stehen mittlerweile 90 Immobilien drauf und wir haben gesagt, wir werden das jetzt mit Macht und mit Druck angehen, weil es nicht sein kann, dass die Mieter zum Teil die Gewinn- und Profitsucht der Vermieter ausbaden müssen, oder dass solche Immobilien leer stehen und – wenn gar keine Mieter mehr drin sind -die nur in der Landschaft rumstehen und den Stadtteil verschandeln.“ Problem- und Schrottimmobilien seien für ihn eine ganz klare Handlungsnotwendigkeit. Dabei verwies er auf die Problematik mit dem Wollepark und anderen Bereichen. „Da muss man ganz deutlich sagen: Solche Schandflecken, die gehören abgerissen oder saniert. Mit denen muss umgegangen werden. Das kann man sich nicht weiter mitansehen.“
Es war ein freundliches Zusammentreffen, mit wenigen und lediglich kurzen Redebeiträgen und der Intention, sich gemeinsam auf die bevorstehende Monate einzuschwören und für den Wahlkampf im überregionalen Schulterschluss zu motivieren. Die vergangene Woche hatte es zweifellos in sich. Und so wurden selbstverständlich auch kritische Themen angesprochen, allerdings nicht auf der offiziellen Agenda, stattdessen im anschließenden persönlichen Austausch.
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((Beitragsbild oben v. lks.: Nils Siemen, Bürgermeister von Nordenham, Dr. Andreas Bovenschulte Bürgermeister und Präsident des Senats in Bremen, Alexander Mittag, SPD-Oberbürgermeisterkandidat für Delmenhorst, und Ralf Wessel, Bürgermeister Ganderkesee.))




DelmeNews - Jörn Petersen







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