Baufortschritt Kleines Haus Delmenhorst – komplexer als gedacht, aber es geht voran

Das Delmenhorster Theater Kleines Haus befindet sich mitten in der Umbau- und Sanierungsphase.Im September 2024 stand der erste Bauabschnitt vor dem Abschluss. Seither hat sich eine Menge getan. Unter Leitung von Architekt und Projektleiter Jan Bunge führte nunmehr eine Kommssion durch das Objekt, um über den aktuellen Baufortschritt und Sanierungsstand zu berichten.

Bei Planung und Verlauf der bisherigen Arbeiten hatten sich diverse Unwägbarkeiten ergeben. So berichtete Jan Bunge davon, dass sich etwa die gesamte Zuordnung der im Laufe der Jahrzehnte verlegten Kabel der Kenntnis entzog. Die ließen sich im Nachhinein schlichtweg nicht mehr nachvollziehen, mussten und müssen komplett einer Neuinstallation unterzogen werden. Insgesamt geht das Gebäude inklusive Elektrik auf die 1960er Jahre zurück und wurde durch die Flügel in den 80ern ergänzt.

Projektleiter und Architekt Jan Bunge berichtet über den aktuellen Baufortschritt

Ebenso konnte man beim Startschuss der Sanierung nicht konkret definieren, welche Baumaterialien verwendet und über die Dekaden durch andere – etwa durch Wände – verdeckt waren. Eine Bestandsaufnahme, die sich gleichwohl auch auf die Anforderungen an die Statik auswirkt. Und so wurde beim Entkernen festgestellt, dass durchaus unterschiedliche Materialien verbaut waren, teils auch schadstoffbelastet. Die wurden komplett entfernt. Bereits zum aktuellen Teilbauabschnitt ist das Theater Kleines Haus schadstofffrei. Jan Bunge: „Ein Anstrich stammte beispielsweise 1960ern, davor standen aber zwei Wände.“ Insbesondere im Toilettenbereich kamen teils kreative Zeichnungen von damals zum Vorschein.

Ein Rohbau im Altbau – alles wird neu gemacht

Die Gesamtheit der Bauabschnitte inklusive des planerischen Workflows glich einem sich kontinuierlich verändernden Puzzle mit auch immer wieder neuen Erkenntnissen. Dass man sich beispielsweise dafür entscheiden musste, den Estrich inklusive Fußbodenheizung aus dem Hauptsaal zu entfernen, wirkte sich beispielsweise auf die damit zeitverzögerte Aufstellung des Gerüstes im Innenraum aus. Beispielsweise in den ehemaligen Toilettenräumen mussten stabilisierende Stahlträger nachträglich eingebaut werden und vieles mehr. Dabei war die Herausforderung, die Arbeitsabläufe unterschiedlichster Gewerke mit regelmäßig rund 20 gleichzeitig tätigen Firmen zu koordinieren.

Aus dem Hauptsaal musste der Esstrich inklusive Fußbodenheizung entfernt werden, bevor das Baugerüst errichtet werden konnte.

Erhalten wird das Gebäude eine komplett neue Lüftungsanlage. Künftig soll es im Theater weniger Zugluft geben. Der Luftstrom, der bisher hinten in den Zuschauerraum eingeleitet und vorne wieder hinausgeleitet wurde, wird im Rahmen der Sanierung der Belüftungsanlage umgedreht. So bekommen die Zuschauer die kalte Luft künftig nicht mehr in den Nacken. Gleichwohl werden die Fensterrahmen im oberen Bereich geschlossen, die – laut der Veranstaltungstechniker – ohnehin gefühlt seit zehn Jahren von Jalousien verdeckt waren. Zugute kommen wird das der Lüftung und der Akustik gleichermaßen.

Allein das Lüftungsgerät wird etwa die Dimensionen eines Linienbusses haben. Die aufgrund der notwendigen Statik einzubringenden, zum Teil hunderte Kilo schweren Komponenten müssen aufgrund der Gegebenheiten vor Ort vielfach händisch transportiert – rund ums Gebäude geschleppt – und ins Innere verbracht werden. Die Öffnungen für die Lüftung nach außen sind aktuell vorhanden. Oder korrekter ausgedrückt: Hier klaffen derzeit große Löcher in den Wänden.

Sonja Vogel und Jan Bunge vor den noch klaffenden Löchern für die Lüftung

Der Arbeits- und Sanierungsaufwand ist deutlich höher geworden, als anfangs vermutet. Ursprünglich war Anfang November 2025 als Termin für die Neueröffnung anvisiert. Das wird sich angesichts des Mehraufwands nun deutlich verzögern. So soll das Theater Kleines Haus seinen Spielbetrieb Anfang Mai 2026 wieder aufnehmen. Patrick Kolbe, städtischer Fachbereitsleiter Bildung, Sport und Kultur, sagt dazu: „Wenn öffnen, dann richtig.“ Es sei wenig sinnvoll, Künstler-Engagements und das gesamte weitere Procedere zu kurzfristig zu kalkulieren. Künstler, Veranstalter als auch das Publikum benötigen Planbarkeit.

Interessanterweise sollen die Kosten dadurch keinesfalls steigen. Annett Heitmann, Fachdienstleiterin Bauen im Bestand und Gebäudeunterhaltung, signalisiert: „Wir bewegen uns weiterhin im finanziell geplanten Bereich. Mit Mehrkosten ist aktuell nicht zu rechnen.“

Patrick Kolbe und Annett Heitmann: „Wenn eröffnen, dann richtig.“

 

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((Betragsbild oben, v. lks.: Sonja Vogel, Bautechnikerin Architektengesellschaft Droste Droste und Urban Oldenburg, Annett Heitmann, städtische Fachdienstleiterin Bauen im Bestand und Gebäudeunterhaltung, Patrick Kolbe, Fachbereichsleiter Bildung, Sport und Kultur, Jan Bunge, Architekt und Projektleiter))

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