Austausch zum Thema Sport und Ehrenamt mit Innenministerin Daniela Behrens
Im Vereinsheim des Delmenhorster Turnerbundes war am 04. Juni 2026 die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) zu Gast. Gemeinsam mit dem SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Alexander Mittag stand insbesondere der Austausch zum Thema Sport und Ehrenamt auf der Agenda.
Alexander Mittag eröffnete das diskussionsoffene Format mit den Worten: „Kommunale Sportpolitik hat eine unmittelbare Auswirkung auf das Leben der Menschen vor Ort, auf die Sportvereine und natürlich auch auf das ehrenamtliche Engagement, das in diesem Kontext gar nicht hoch genug anzusetzen ist. Am Ende des Tages hätten wir ohne dies keine Sportvereine, keine sozialen Angebote und letzten Endes würde das fehlen, was uns alle zusammenhält.“ Dabei verwies er auf die Notwendigkeit eines guten Fördermittelmanagements und vernünftigen Projektmanagements. „Das Geld kommt ja nicht von ungefähr, das muss dann auch verwendet werden.“
Und da sei die Kommune gefragt, die Gelder entsprechend umzusetzen. Wenn man dabei nicht zuwege komme, stehe man irgendwann vor dem Punkt, die vom Land bewilligten Mittel wieder zurückgeben zu müssen. Das gelte es unbedingt zu vermeiden. „Aktuell haben wir in der Stadt einen großen Sanierungs- als auch Neubaurückstand. Im Rat haben wir vor diesem Hintergrund eine eigene Beteiligungs-GmbH auf den Weg gebracht, damit die Verantwortlichen aktiv am Markt ohne lange Vergabeprozesse unterwegs sein können.“

Alexander Mittag: „Ehrenamtliches Engagement, ist in diesem Kontext gar nicht hoch genug anzusetzen.“
Fairness, Respekt und Anstand lernt man neben der Familie im Sport
Eingangs betonte Daniela Behrens die positive und verbindende Facette des Sports: Man lerne überall Menschen kennen, die sich um andere Menschen kümmern. Man erlebe einen tollen Sport, der in Niedersachsen sehr vielfältig ist. „Wir haben über 2,6 Millionen Mitglieder in den niedersächsischen Sportvereinen.“ Und weiter: „Wir haben in Niedersachsen eine Situation, die es in keinem anderen Bundesland so gibt: Im Sportförderungsgesetz steht fest drin, dass wir 32,5 Millionen Euro jedes Jahr an den Landessportbund geben. Das zu verändern, traut sich vermutlich kein Abgeordneter, egal welcher Partei man da angehört.“
Darüber hinaus habe der Landtag vor eineinhalb Jahren nochmal die Quote verändert, denn der Landessportbund bekommt neben dieser Summe auch noch Anteile am Glücksspiel. Das heißt, Glücksspiel könne man gut oder schlecht finden, aber es gebe die Vereinbarung, dass der mögliche Schaden, der durch Glücksspiel erzeugt wird, den Sport- und den Wohlfahrtsverbänden zugutekommt. Das mache in der Gesamtsumme rund 50 Millionen Euro, die der Landessportbund pro Jahr zur Verfügung habe. Das sei wichtig und gut angelegt, denn Fairness, Respekt und Anstand lerne man neben der Familie eben auch und gerade im Sport.
Gemeinsam über Erwartungen und Möglichkeiten sprechen
Zu den drängenden Themen gehörten etwa das Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) und die damit verbundene Ausweitung von Ganztagsschulen, was für Sportvereine konkrete Chancen für die Mitgliedergewinnung und Kooperationen, aber auch massive Herausforderungen hinsichtlich der Nachmittagsbetreuung sowie knapper Hallenzeiten mit sich bringt. Der ab dem Schuljahr 2026/2027 geltende Rechtsanspruch, sorgt nicht zuletzt dafür, dass der klassische Nachtmittagssport im Verein schwerer umzusetzen ist, mit der Folge, dass sie ihre Angebote in den späten Nachmittag oder Abend verlegen oder direkt die Schulen gehen müssen.
Für die Kooperationen mit den Schulen benötigen die Vereine allerdings vermehrt qualifizierte Übungsleiter, was zu einer Belastung für das Ehrenamt und zu einem Ungleichgewicht führen kann. Aus Vereinssicht ist darüber hinaus problematisch, dass den Vereinen seitens der Stadt noch keine konkreten Zahlen bzw. Zeiten vorliegen. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Delmenhorster SPD und schulpolitische Sprecherin Andrea Lotsios konnte den Einwand insofern relativieren, dass sie erklärte, der Stadt lägen bislang noch keine verlässlichen Zahlen vor. Sobald die zur Verfügung stünden, würden die Vereine unmittelbar informiert.
Selbstredend handelt es sich keinesfalls um eine Verpflichtung der Ehrenamtlichen für den Einsatz in den Schulen. Vielmehr können die Vereine aus freien Stücken Kooperationen mit den Schulen eingehen. Das Interesse daran ist groß, zumal sie Teil der Gemeinschaft sind. Lediglich hinsichtlich der Umsetzung müssen noch einige Stellschrauben justiert werden. Daniela Behrens: „Das Vereinsleben ist für Ehrenamtliche ja schon herausfordernd. Wichtig ist es an dieser Stelle, ehrlich miteinander umzugehen. Vereinsleitungen und Schulleitungen müssen gemeinsam über ihre Erwartungen und Möglichkeiten sprechen.“
Im Zentrum müssen die Kinder stehen, um die es uns allen gehen muss
Reiner Sonntag, Vorsitzender der Sportjugend Niedersachsen, ergriff das Wort: „Ich stelle fest, dass die Gemengelage so ist, wie sie schon vor drei Jahren war. Wir haben über die Jahre hinweg immer die gleichen Veranstaltungen mit den gleichen Diskussionen. Und wir kriegen immer wieder die gleichen Einwände.“ Seitens der Vereine werde gesagt, die Schulen kriegen es nicht hin, von den Schulen heiße es, die Vereine haben keine Möglichkeiten. Und dann werde die Verantwortlichkeit auf die Kommune geschoben. Das, so Sonntag, sei eine völlig falsche Herangehensweise. „Im Zentrum müssen die Kinder stehen, um die es uns allen gehen muss. Und eines ist doch mal ganz klar: Wir haben nur eine bestimmte Anzahl an Kindern hier in Delmenhorst. Und das ist völlig egal, ob die in der Grundschule oder im Verein ist. Es sind dieselben Kinder.“
Sein Appell: „Schaut euch in den Vereinen um und wenn ihr eine Grundschule in eurer Nähe habt, bewegt euch aufeinander zu, wie auch die Schulen sich auf die Sportvereine zubewegen können. Jede der vierzig Schulen in Delmenhorst macht das anders. Die arbeiten alle unterschiedlich. Und da wird sich in ganz vielen Fällen eine gute Lösung entwickeln lassen.“ Mit dem plakativen Statement traf er den Kern der Sache sehr direkt.
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((Beitragsbild oben: Daniela Behrens, niedersächsische Innenministerin (SPD), und Alexander Mittag, SPD-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt))





DelmeNews - Jörn Petersen





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