Aussage gegen Aussage – Prozessauftakt gegen Delmenhorster Tierärztin

08. 01. 2020 um 17:02:19 Uhr | DelmeNews-Redaktion
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Heute (8. Januar) begann der Prozess gegen eine Delmenhorster Tierärztin vor dem Amtsgericht Delmenhorst. Der Veterinärmedizinerin wird Versicherungsbetrug in 30 Fällen vorgeworfen. Zusammen mit einigen Klienten ihrer Tierarztpraxis soll sie, so die Anklage, überhöhte Rechnungen zu fingierten Behandlungen an verschiedene Versicherungen übermittelt haben, um sich an den Rückerstattungen zu bereichern.

Es ist ein einfaches Prinzip. Immer wieder soll die Angeklagte zwischen 2010 und 2015 überhöhte Rechnungen an Versicherungen übermittelt haben. Der Clou: Viele der angegebenen Behandlungen haben nie stattgefunden. Auch zwei der Tiere, Katze Teufelchen und Hund Apollo, über die insgesamt neun dieser Versicherungsbetrüge abgewickelt wurden, existieren gar nicht. Insgesamt soll sich die Tierärztin so einen Betrag in Höhe von rund 55.000 Euro erschlichen haben.

Situationen zu Betrugszwecken erfunden

Die erste Zeugin, die an diesem Prozesstag vernommen wurde, wurde bereits 2016 wegen Beteiligung an einigen dieser Versicherungsbetrüge zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. In der Befragung gab sie an, auf Anraten besagter Tierärztin, OP-Versicherungen für die nicht-existenten Tiere Teufelchen und Apollo abgeschlossen zu haben. Zudem gab sie zu, dass Situationen erfunden wurden, in denen ihr real existierender Hund Emil andere Hunde durch Bisse verletzt haben soll, die dann operativ versorgt werden mussten. Auch die Kosten hierfür wurden von der Versicherung rückerstattet.

Schuldzuweisungen

Gerade dieser Zeugin wirft die Tierärztin jedoch vor, selbst den Versicherungsbetrug begangen zu haben, zusammen mit Unterstützung eines ehemaligen Angestellten der Tierarztpraxis. Der ehemalige Angestellte soll sich Zugang zur Software verschafft haben, mit der die Rechnungen erstellt wurden. Für diesen Tathergang spricht laut Verteidiger der Veterinärmedizinerin die Tatsache, dass sich sieben der gefälschten Rechnungen von den legitimen Rechnungen der Tierarztpraxis unterscheiden. So wiesen die gefälschten Rechnungen Stempel und Unterschrift auf, die bei den echten fehlten. Auch im Briefkopf wurde die Änderung von Tierarztklinik zu Tierarztpraxis nicht berücksichtigt.

Als ein weiteres Argument für den Vorwurf sieht der Verteidiger die Art und Weise, wie der Versicherungsbetrug überhaupt aufgeflogen ist. So habe sich eine der Versicherungen an die Tierärztin gewandt und bei einer auffälligen Rechnung nachgefragt, ob diese von der Angeklagten erstellt wurden. Diese gab an, weder die in der Rechnung angegebenen Behandlungen durchgeführt, noch die Rechnung erstellt zu haben.

Gedächtnislücken an der Tagesordnung

Nicht hilfreich für die Zeugin war zudem, dass sie sich des Öfteren in Widersprüche verstrickte und ihre Aussagen teilweise nicht mit den früheren von ihr selbst getätigten Angaben oder den Aussagen der anderen an diesem Tag geladenen Zeugen übereinstimmten. Zudem konnte sich die Zeugin aufgrund der langen Zeitspanne, die zwischen den Versicherungsbetrügen und dem Prozess liegt, an vieles nicht mehr erinnern. Mit derlei Gedächtnislücken hatten auch die anderen vier geladenen Zeugen zu kämpfen. Gegen drei von ihren liefen 2016 ebenfalls Strafverfahren wegen Versicherungsbetrug, die jedoch stets gegen die Zahlung einer Strafe oder aufgrund von Verjährung eingestellt wurden.

Bis auf einen gaben alle an, von der Tierärztin zum Versicherungsbetrug überredet worden zu sein. Der letzte Zeuge drückte es ganz klar aus: „Man rechnet natürlich nicht damit, eine Tierarztpraxis zu betreten und mit einem Versicherungsbetrug wieder herauszukommen.“ Er hätte sich überreden lassen, um die Kosten für eine Behandlung zu decken, die er sonst nicht hätte bezahlen können. Das Angebot sich selbst dabei zu bereichern, habe er aber ausgeschlagen.

Ärztin sieht sich als Verschwörungsopfer

Die Angeklagte zeigt sich hingegen überzeugt, die geladenen Zeugen hätten sich untereinander abgesprochen, um sie zum Sündenbock zu machen. Der nächste Prozesstag ist für den 22. Januar angesetzt. Dann sollen weitere Zeugen befragt werden.



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Ihre Kommentare

Es sollte doch auch einmal über die Behandlungskosten und Methoden der Abzocke der OP die sich hinterher als Erfolglos rausstellen geschrieben werden, ich bin selbst davon betroffen

Selbst die Angestellte Frau Y. P. Arbeitet nicht ehrlich und wenn man dahinter kommt wird man beschimpft .