Ausbeutung: Linke Delmenhorst/Oldenburg Land fordert Konsequenzen gegen unbezahlte Überstunden
Ein unsoziales Paradoxon entsteht aus der Gegenüberstellung der ansteigenden Arbeitslosenzahlen bei zugleich immenser Überstundenzahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Delmenhorst. Die Linke spricht von Ausbeutung und schlägt Alarm. Gefordert wird, den Acht-Stunden-Tag beizubehalten und ein öffentliches Register für pflichtverletzende Arbeitgeber einzuführen.
Im August 2025 waren laut der Bundesagentur für Arbeit 4.494 Menschen arbeitslos – ein Anstieg von 5,4 Prozent zum Vorjahr. Mehr als zwei Drittel davon sind auf Bürgergeld angewiesen. Gleichzeitig leisten Beschäftigte in Delmenhorst laut dem „Arbeitszeit-Monitor“ des Pestel Instituts, das von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Auftrag gegeben wurde, jährlich hunderttausende Überstunden, die Hälfte davon unbezahlt – allein in Hotels, Restaurants, Gaststätten sind es 9.000 Überstunden zum Nulltarif.
„Überstunden, die nicht im Arbeitsvertrag stehen und vom Arbeitgeber verlangt werden, sind kein Engagement, sondern Ausbeutung“, betont Lisa Paschke-Theophil von Die Linke Delmenhorst/Oldenburg Land. „Wer diese Stunden nicht bezahlt bekommt und sich gezwungen fühlt, sie zu leisten, kann sich bei uns melden. Wir unterstützen Betroffene dabei, Schutz und Hilfe zu bekommen.“ Überstunden gefährden auch die Gesundheit. „Nach der achten Arbeitsstunde steigt die Gefahr von Arbeitsunfällen signifikant. Übermüdung und Unkonzentriertheit erhöhen die Risiken erheblich. Die Menschen in Delmenhorst arbeiten längst am Limit“, so Paschke-Theophil weiter.
Die Forderung von CDU-Chef Friedrich Merz, die Menschen sollten mehr arbeiten, sei nicht nur realitätsfern, sondern zynisch. „Mehr Arbeit wird das Wirtschaftswachstum nicht ankurbeln, sondern die Beschäftigten krank machen.“ Das Narrativ vom „faulen Deutschen“ sei ein Ablenkungsmanöver – die Mehrheit arbeite bereits viel zu viel, oft für zu wenig Lohn, so Martin Herkströter, Sprecher der Basisgruppe Delmenhorst.
Dass CDU und SPD nun mit der Axt an den von Gewerkschaften hart erkämpften Acht-Stunden-Tag ranwollen, schade Millionen Menschen, die bereits jetzt schon für den Wohlstand des Landes ackern und am wenigsten davon haben. Laut Herkströter bauche es die konsequente Ahndung unbezahlter Überstunden und ein öffentliches Register für Unternehmen, die Gesetze verletzen.
Der Acht-Stunden-Tag müsse bleiben, die Extrem-Arbeitswochen müssten laut Herkströter durch Gesetzänderungen verboten werden. „Es ist höchste Zeit, dass nicht länger die Beschäftigten für Krisen und Profite bluten, sondern die Vermögenden in die Pflicht genommen werden. Wer in Delmenhorst arbeitet, soll hier sicher, fair und würdevoll leben können – im Job wie im Alter“, so Herkströter abschließend.





Freepik / DelmeNews


Deniz Kurku / DelmeNews
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!