Aufbruchstimmung beim Kreisparteitag der FDP mit Bundesvorsitzendem Christian Dürr in Delmenhorst

Am 11. Juni 2025 hatte der Delmenhorster Kreisverband der Freien Demokraten (FDP) zum Kreisparteitag ins Hotel Thomsen eingeladen. Vor Ort war der frisch gewählte Bundesvorsitzende Christian Dürr, der seine Perspektive mitsamt den notwendigen Schritten für die Zukunft aufzeigen sollte und wollte. Interessant zu beobachten war, das die Veranstaltung parteiübergreifend sehr gut angenommen wurde. In der Stadt an der Delme herrscht offenbar deutlich mehr Zusammenhalt, als dies zuweilen vermutet wird.

So wurden die Anwesenden vom Delmenhorster Parteivorsitzenden Claus Hübscher begrüßt, der sich über die rege Beteilugung freute. Der Stolz darüber, dass eben der Versammlungssaal eben nicht nur von FDP-Mitgliedern frequentiert wurde, war ihm durchaus anzumerken und anzusehen. Vor Ort waren neben Oberbürgermeisterin Petra Gerlach beispielsweise, der CDU-Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst, der SPD-Landtagsabgeordnete Deniz Kurku, der sein Erscheinen als „ein ehrlich gemeintes Gebot der Höflichkeit“ bezeichnete, der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Andre Tiefuhr, Kristof Ogonovski und diverse weitere.

Claus Hübscher, Vorsitzender FDP- Kreisverband Delmenhorst, erfreut über die parteiübergreifende Teilnahme

Oberbürgermeisterin Gerlach eröffnete die Redebeiträge mit einem Grußwort. Dabei fokussierte sie sich zunächst auf eine Einschätzung zur Stadt Delmenhorst. In ihren Augen sei die Stadt an der Delme eine mit viel Potenzial und gelebter Vielfalt. In diesem Kontext wies sie positiv darauf hin, dass der Ausländeranteil 19 Prozent betrage und in der  Stadt Menschen aus insgesamt 130 Nationen zusammenleben. Gleichwohl führte sie an, dass in keiner Legislaturperiode bislang mehr Geld für die Fortentwicklung bedeutender Projekte zur Verfügung gestellt worden wäre. So verwies Petra Gerlach etwa auf die Modernisierung des Krankenhauses. „Künftig wird Delmenhorst den modernsten Krankenhausbau in ganz Niedersachsen haben.“

Bezogen auf Verwaltung und Politik der Stadt sprach sie von einer parteiübergreifend vertrauensvollen Zusammenarbeit, wobei es den Beteiligten bei allen selbstverständlichen Reibungspunkten grundsätzlich um die Sache gehe, darum, die besten Ergebnisse im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger zu erzielen. In diese Worte schloss sie insbesondere die Ratsvertreter der CDU, FDP als auch der Grünen und Linken ein. Die SPD wurde aus vermutlich aktuellem Anlass nicht benannt.

Besonders wichtig war es der Oberbürgermeisterin, sich bei Murat Kalmis zu bedanken. Der habe sich immer als starker Partner mit großer Erfahrung in Verwaltung und Politik erwiesen. Für sie durchaus auch emotional umso beeindruckender, da die beiden bei ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin gewissermaßen Kontrahenten gewesen seien. Damals habe Kalmis persönlich wahre Größe gezeigt, als er anschließend auf sie zugekommen war und ihr offen seine Unterstützung angeboten habe.

Von lks.: Murat Kalmis, Christian Dürr, Petra Gerlach und Bastian Ernst

Den Austausch mit der Basis begleitete auch die engagierte Generalsekretärin der FDP Niedersachsen, Imke Haake. Seit mehr als 20 Jahren ist sie mit viel Leidenschaft und Herzblut kommunalpolitisch sowie seit sechs Jahren landespolitisch aktiv und setzt sich für liberale Werte ein. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, ist die verheiratete Mutter zweier Kinder gewohnt anzupacken. Das war auch in ihrer Rede zu spüren, in der Haake die Aufbruchstimmung und die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger in den Fokus rückte:  „Die Bude ist überall voll; bei jeder Veranstaltung müssen wir zusätzliche Stühle reinbringen.“ Imke Haake betonte, obschon die FDP in der Bundesregierung nicht mehr vertreten sei, dürfe man im positiven Sinne nicht vergessen, dass noch immer hunderte von Mandatsträgern im Amt sind und den liberalen Gedanken vorantreiben.

Imke Haake, Generalsekretärin der FDP Niedersachsen

Christian Dürr gab sich als Hauptgast der Veranstaltung pragmatisch und kämpferisch zugleich, auch mit um der politisch zielführenden Debatte willen gewollt provokanten Thesen. Zunächst stellte er klar, weshalb er in den für die Bundes-FDP herausfordernden Zeiten den neuen Job überhaupt übernommen hatte; schlichtweg aus Überzeugung, dass dieses Land eine liberale Stimme brauche. Allerdings müsse die FDP darüber nachdenken, welche Konsequenzen aus einer „Bundestagswahl ohne Gewinner“ zu ziehen sind.

Seine eigene Aufgabe versteht er dabei keinesfalls als One-Man-Show. Stattdessen müsse sich die Partei modern und insgesamt weitaus kommunikativer aufstellen. Unter „kommunikativ“ versteht Dürr nicht nur, die eigenen Inhalte an die Bürgerinnen und Bürger zu adressieren, sondern vordringlich darin, genau hinzuhören, was die Menschen wollen und was sie umtreibt. Basierend darauf, müsse sich die Partei mit gegenwärtig rund 70.000 Mitgliedern erneuern.

In diesem Kontext deutete er an, dass die Partei sich künftig deutlicher innovativen und zeitgemäßen Wegen öffnen werde, so etwa auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) für die Meinungsauswertung. Wirklich konkret werden wollte er an dieser Stelle noch nicht, verwies jedoch darauf, dass man in diesem Bereich mit Nicole Büttner als Generalsekretärin der FDP – selbst Unternehmerin im KI-Sektor – optimal aufgestellt sei.

Deutlich prangerte Dürr in seiner Rede an, dass die Parteien nach der Bundestagswahl ihre Wahlversprechen nicht eingehalten hätten. Immerhin hätten die Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen exakt aufgrund der zuvor getätigten Aussagen abgegeben. Im Nachhinein aber seien (…) alle eingeknickt wie eine Primel ohne Wasser. „Es geht Leuten auf den Senkel, wenn Politiker aus Opportunismus statt politischer Überzeugung entscheiden.“

Christian Dürr: „Im Nachhinein sind alle eingeknickt wie eine Primel ohne Wasser.“

Mit einem neuen Grundsatzprogramm will er konkrete Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit finden und geben. Keineswegs geht es ihm dabei um grundsatzphilosophische Debatten über die liberale Wirtschaftspolitik und dergleichen. Stattdessen will Dürr den Blick auf die vordringlich und ganz pragmatisch drängenden Themen richten.

So etwa die Tatsache, dass in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund fünf bis sechs Millionen Menschen in den wohlverdienten Ruhestand gehen werden und die Rentenzahlungen gesichert werden müssen. „Da gab es doch diesen Politiker, der behauptet hatte: Eines ist sicher, die Rente.“ Das sei schon damals schlichtweg nicht wahr gewesen. „Tatsache ist, wir stehen vor einer Herausforderung, die wir mit unkonventionellen Ideen meistern müssen.“

Im Gepäck hatte der FDP-Vorsitzend diverse Denkansätze für zukunftsweisende Veränderungen, die er zur Diskussion stellte. Dass die Resultate teils unbequem sein könnten, ist ihm bewusst, aber: „Ich möchte, dass wir über Ideen ergebnisoffen nachdenken. Und ich bin nicht willens, große Reformideen aufzugeben.“ Dringenden Handlungsbedarf reklamierte Dürr neben der Einwanderungspolitik insbesondere bei der Bildungspolitik, wobei er auf die hohe Bedeutung von Deutschkenntnissen verwies. So könne es seiner Meinung nach nicht sein, dass der eine Teil einer Schulklasse hinterherhinkt, weil er die schulischen Inhalte sprachlich nicht versteht, die anderen wiederum entnervt sind, weil sie durch den negativen Sog im Weiterkommen gebremst sind. Es gehe doch darum, „(…) wie man junge Menschen ins Leben schickt.“

Großes Interesse und nicht minder große Zustimmung an den Ausführungen von Christian Dürr

In der anschließenden Fragerunde wurde stark beleuchtet, welche Stilblüten die Bürokratie treibt. Eine der Anwesenden – aus der Verwaltung stammend – berichtete aus ihrer alltäglichen Praxis, die aufgrund der überbordenden Regularien, Vorschriften, unverständlichen Querverweise und Co. kurioser nicht sein könnte. Für ihren spontanen Vortrag erhielt sie von den Anwesenden tosenden Applaus.

Christian Dürr nahm die Schuld an der überbordenden Bürokratie auf die Schulter der Politik: Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass Verwaltungsangestellte nicht die geringste Lust auf Bürokratie haben. Doch sie müssen bislang mit dem vordringlich aus Berlin und Brüssel stammenden Berg der Bürokratie umgehen. Dürr will diesen Berg massiv abbauen und verschlanken: „Das ist möglich, wir müssen es nur umsetzen.“

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((Beitragsbild oben: Christian Dürr, Bundesvorsitzender der Freien Demokraten beim Kreisparteitag im Hotel Thomsen.))

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