Ärger nach Umzug von Sprachlernklassen der Delmenhorster Mosaikschule: fehlende Toiletten, unfertiges Gebäude, Bauverkehr
Da die bisherigen Klassenräume der Sprachheilklassen der Delmenhorster Mosaikschule in der Parkschule anderweitig genutzt werden sollen, mussten die Schüler nach den Sommerferien umziehen. Das Problem: Die neuen Räumlichkeiten in Containern sind längst nicht fertig – mit unschönen Konsequenzen.
Seit Schuljahresbeginn vor drei Wochen sind Sprachheilklassen der Mosaikschule mit Schülern im Alter von Erst- und Zweitklässlern in einer Mobilbauanlage bei der Grundschule in Stickgras untergebracht. Jedoch ist diese noch immer nicht komplett fertiggestellt. Die Zeitvorgabe für die Errichtung sei sehr kurz gewesen, teilt die Stadt Delmenhorst auf Nachfrage mit. „Ein Puffer in der Zeitschiene konnte daher nicht eingebaut werden.“ Die Firma arbeite bereits mit vielen Mitarbeitern auf der Baustelle und eine Erhöhung sei aus Gründen von Arbeitsabläufen auch nicht möglich gewesen.
Die Kinder als Leidtragende
Ausbaden müssen das seit Schuljahresbeginn die Kinder, die entspreche Förderbedarfe haben. Was das konkret bedeutet, konnte man etwa am Freitagmorgen beobachten: Direkt am Gebäude fährt ein Radlader entlang, der Außenbereich am Ende des Gebäudes wird gerade noch gepflastert. Auch aus dem Inneren des Gebäudes ist teils noch Baulärm zu hören.

Trotz Lehrerbegleitung alles andere als optimal: Der Radlader verkehrt auf dem bisherigen Weg der Schüler zur Toilette
Toiletten noch nicht fertig
Viel schlimmer jedoch: Die Toilettenanlage im Gebäude ist bisher noch gar nicht geöffnet. Die Kinder mussten bis Freitag noch die WCs in der Grundschule Stickgras benutzen. Dazu mussten sie allerdings eine Straße überqueren, auf der der besagte Radlader verkehrt. Auch wenn stets Lehrpersonal in der Nähe war: Sicher wirkt diese Umgebung für Kinder im Grundschulalter – zumal mit Förderbedarf – nicht.
Eltern berichten von WC-Missgeschicken
Elternsprecherin Sandy Magda und andere Eltern berichten zudem davon, dass es aufgrund der WC-Situation bereits zwei „Missgeschicke“ gegeben habe – einen Fall, bei dem sich ein Kind eingenässt und einen weiteren Fall, bei dem sich ein Kind eingenässt und eingekotet hat.
Die Kinder könnten demnach nur in der Pause das WC nutzen, da die Lehrer nicht die gesamte Klasse alleine lassen könnten, um ein Kind zur Toilette zu begleiten, berichtet Sandy Magda.
Das will die Stadt Delmenhorst allerdings so nicht stehen lassen. Pressesprecher Timo Frers sagt auf Nachfrage: „Aufgrund der Überwegung werden die Kinder immer von einer Aufsichtsperson begleitet, um jegliche Gefährdung auszuschließen. Sobald in einer der drei Klassen ein Kind sagt, dass es zur Toilette muss, wird in allen anderen Klassen schnell gefragt, welche Kinder noch mitkommen, sodass dann eine Person gesammelt mit den entsprechenden Kindern während des Unterrichts rübergeht – immer sofort dann, wenn ein Kind auf Toilette muss. Außerdem haben die Kinder in den Pausen die Möglichkeit, die Toiletten aufzusuchen. Am Ende jeder Pause sammeln sich die Lehrkräfte mit den Kindern draußen und gehen ebenfalls nochmal zu Beginn der Stunde mit allen, die müssen, zur Toilette.“
Würde allerdings alles so reibungslos verlaufen wie geschildert, hätte es die beiden beschriebenen Vorfälle wohl nicht gegeben.
Neue provisorische Toilettenlösung seit Freitag –
WCs erst in der kommenden Woche fertig
Seit Freitag, 23. August , gibt es eine neue provisorische WC-Lösung. Nun dürfen die Kinder bis zur Fertigstellung der Toiletten die WC-Anlage des neuen Kunstrasenplatzes nutzen, der direkt neben dem Container liegt. Das erspart ihnen den Weg über die Straße und damit auch die Gefahr des herrschenden Baustellenverkehrs.
Die Fertigstellung der WC-Anlage des Mobilbaus selbst ist derweil laut Stadt, die sich wiederum auf die Aussage des Architekturbüros beruft, für die letzte Augustwoche geplant.
Räume für Kinder noch nicht geeignet
Und es ist noch nicht die letzte Panne bei dieser Umzugsmaßnahme. Neben noch fehlendem Internet, was aktuell eine Nutzung von Lern-Apps nicht möglich macht, wie Eltern berichten, sind auch die Räume noch nicht für die Kinder geeignet. Da nicht nur Kinder mit Sprachheilförderbedarf zu den Schülern zählen, sondern auch ein Kind mit Hörgerät dabei ist, sind der PVC-Boden und der noch fehlende Lärmschutz ein Problem. Einen Betreuungsraum gebe es ebenfalls noch nicht.
„Die Schallschutzbedingungen aus den vorherigen Räumen dieser Klassen in der Parkschule wurden als Grundlage für die Planungen der Räume in den Mobilbauten gewählt“, erklärt Timo Frers dazu. „Die Schallschutzpanelen an den Wänden kommen in der kommenden Woche. Lediglich hinsichtlich des Bodens kam es zu einem Missverständnis. Hier wird kurzfristig durch Einlegeteppiche eine Verbesserung geschaffen.“
Eltern sind verärgert –
Kein Vorwurf an Lehrer oder Schulleitung
Elternsprecherin Sandy Magda und auch die Mütter Katrin Hantke und Anja Tauber, deren Kinder ebenfalls unter den Zuständen leiden, sind fassungslos aufgrund der herrschenden Situation. „Wir machen weder den Lehrern noch der Schulleitung irgendwelche Vorwürfe, sie können nichts dafür“, sagt Sandy Magda. Allerdings hätte die Stadt die Schüler nicht in die unfertigen Räume umziehen lassen sollen, da sind sich alle drei Mütter einig. Die bisherigen Räume in der Parkschule, die zum Schuljahresbeginn geräumt wurden, seien derweil momentan ungenutzt.
Bild ganz oben: Sind verärgert über die Zustände, in denen ihre Kinder lernen müssen (v.l.): Katrin Hantke, Sandy Magda, Anja Tauber.











Deniz Kurku
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